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In Kürze

  • Aus vorhandenen Mitteln möglichst viel herausholen, dieses ökonomische Prinzip beherzigen Hausfrauen - und -männer seit Jahrtausenden.
  • Haushaltsbücher verschaffen auch im digitalen Zeitalter einen Überblick über die Einnahmen und Ausgaben. Sparfüchse können leicht mehrere hundert Euro pro Jahr sparen.
  • Vor allem Kreditkosten werden häufig unterschätzt. Das kann vor allem bei Überziehungszinsen teuer werden.
  • Auch bei Handyverträgen können Clevere oft erheblich sparen, ohne auf Leistungen zu verzichten.
  • Und ohne dass ein Verbraucher einen Verzicht bemerken dürfte, kann der Durchschnittshaushalt seine Rechnung für Wasser und Strom um jährlich bis zu 600 Euro senken.
In einem Haushaltsbuch können Sie Ihre Einnahmen und Ausgaben strukturiert und übersichtlich festhalten.

In einem Haushaltsbuch können Sie Ihre Einnahmen und Ausgaben strukturiert und übersichtlich festhalten.

Die Wurzeln der Ökonomie sind weiblich

Mütter haben auch hierzulande über Generationen mit den Mitteln eines Haushalts gewirtschaftet, gespart und Schnäppchen gemacht. Doch vor allem weibliche Sparer werden beim Thema Wirtschaft oft nervös. Denn sie glauben, keine Ahnung davon zu haben. Dabei kommt das Wort “Ökonomie” vom griechischen Wort “oikos” und bedeutet nichts anderes als “Haushalt”. Es geht also um Mittel und Wege, um noch besser zu haushalten. Was nichts anderes bedeutet, als das Meiste aus den vorhandenen Mitteln zu machen. Im besten Fall wird beim Sparen die Einschränkung kaum spürbar. Das funktioniert auch heute noch - auch wenn sich die Kniffe im Online-Zeitalter gewandelt haben.

1. Verschaffen Sie sich einen Überblick

Wenn Sie also mit ihren Mitteln möglichst viel erreichen wollen, gilt es also zunächst, den eigenen Ausgaben auf die Spur zu kommen. So mancher fragt sich beim Blick auf den Kontostand, wohin sein Geld eigentlich verschwunden ist. Es lohnt sich, auf Spurensuche zu gehen. Ihr Haushaltsbuch belügt Sie nicht. Und es ist auch heutzutage alles andere als altbacken. Als klassisches Heft oder in digitaler Form, als App oder Online-Anwendung schafft es eine solide Basis für eine gründliche Erforschung möglicher Kostenfallen. Einen guten Überblick über Ihre Finanzen erhalten Sie, wenn Sie Ein- und Ausgaben über einem Zeitraum von mindestens drei Monaten möglichst genau dokumentieren. Heben Sie also Belege auf oder schreiben Sie mit, wenn Sie Geld ausgeben. Einmal im Monat ziehen Sie dann Bilanz und erstellen eine Tabelle mit allen Einnahmen und Ausgaben. Wichtig dabei: auch jährlich anfallende Einnahmen und Kosten mit einzurechnen und anteilig auf die Monate umzulegen – beispielsweise Versicherungsbeiträge oder Weihnachts- oder Urlaubsgeld.

2. Ein 5.000-Euro-Kredit um 375 Euro günstiger

Es ist eine typische Bequemlichkeitsfalle: Kurzfristig steht eine unerwartete Investition an, für die das Geld fehlt. Für den zusätzlichen Geldbedarf wird der Dispokredit ausgenutzt. Das Konto wird also bis zur mit der Bank verabredeten Überziehungsgrenze überzogen. Für diese Flexibilität müssen Verbraucher tief in die Tasche greifen – trotz der andauernden Niedrigzinsphase verlangen viele Banken zehn Prozent oder mehr an Dispozinsen, beklagen die Verbraucherzentralen.

Wenn Sie ein oder zwei Monate später das Minus wieder ausgleichen können, ist das auch kein Problem. In Ausnahmefällen können Sie sich dann auch durch die Nutzung Ihrer Kreditkarte vorübergehend einen „zinslosen Kredit“ bis zum nächsten Monat verschaffen. Hier ist jedoch Vorsicht geboten, da aufgrund der aufgeschobenen Zahlung schnell der Überblick verloren geht.

Wenn Sie länger für die Rückzahlung brauchen, ist es besser, stattdessen einen kurzfristigen Ratenkredit aufzunehmen. Benötigen Sie beispielsweise 5.000 Euro, so sind derzeit (Stand: April 2017) bereits Kredite von Zinssätzen von 2,5 Prozent per annum zu bekommen, zeigt ein Blick auf einen Zinsvergleich auf der Seite fmh-finanzberatung.de. Sie würden also für zwölf Monate nur 125 Euro für einen Privatkredit statt 500 Euro Zinsen beim Dispokredit zahlen. Das entspricht einer Ersparnis von immerhin 375 Euro. Und selbst diese Kosten kann sich zur Gänze ersparen, wer stets eine finanzielle Reserve bereithält, beispielsweise auf einem Tagesgeldkonto. Zwar bekommen Sie dort derzeit nur niedrige Zinsen. Dennoch lohnt es sich, hier mindestens zwei bis drei Monatsgehälter zu parken, weil Sie sich so Zinskosten für unerwartete Ausgaben ersparen.

3. Wie ein Durchschnittshaushalt beim Strom 445 Euro spart

Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis, lautet ein wichtiges Prinzip der Marktwirtschaft. Es bedeutet im Umkehrschluss: Teure Angebote halten sich nicht lange, weil Konsumenten zum billigeren Anbieter wechseln. Beim Strom funktioniert das hierzulande aber nur schleppend.

Dabei ist ein Anbieterwechsel attraktiv. Das zeigt folgendes Beispiel: Ein Vier-Personen-Haushalt mit zwei Kindern verbraucht hierzulande durchschnittlich etwa 4.955 kWh pro Jahr. Für das Jahr 2017 geht der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft im Bundesdurchschnitt von einem Preis von 29,16 Cent pro kWh aus. Ein Durchschnittshaushalt müsste demzufolge 1.445 Euro an Stromkosten tragen. Im Vergleich hierzu verlangen die günstigsten Anbieter nur knapp 1.000 Euro für die gleiche Verbrauchsmenge. Sie können also bis zu 445 Euro sparen.

Auch wer seine Energiebilanz im Haushalt verbessert und aktiv Strom spart, schont nicht nur die Umwelt, sondern auch den Geldbeutel. Empfehlenswert: „Stoßlüften“ statt Fenster „Auf Kipp“ stellen, eine minimale Absenkung der Heiztemperatur und das Ausschalten von Elektrogeräten, statt sie im Stand-by schlummern zu lassen. So können pro Jahr Beträge im dreistelligen Bereich eingespart werden. Auch die sogenannte Sparbrause macht hier ihrem Namen alle Ehre. Verglichen mit einer konventionellen Duscharmatur spart ein Vier-Personen-Haushalt mit ihr bei täglichem fünfminütigen Duschen allein 140 Euro pro Jahr. In der Summe könnte der Durchschnittshaushalt durch diese Maßnahmen sogar bis zu 600 Euro im Jahr einsparen. Und wer weiß - vielleicht entdecken Sie weitere Möglichkeiten, um noch mehr Kosten zu reduzieren.

4. Beim Handyvertrag in zwei Jahren 240 Euro sparen

Handyverträge sind weit verbreitete Kostenfallen. Viele Mobilfunkanbieter werben mit günstigen Lockangeboten wie Ein-Euro-Handys bei Abschluss eines Vertrags – lassen sich ihre Großzügigkeit mit teuren Monatsprämien von um die 40 Euro bezahlen. Dafür kann das Smartphone nicht nur zum Telefonieren, sondern auch zum Checken von E-Mails, für Social-Media-Dienste oder zum Schreiben von Textnachrichten genutzt werden. Knapp 1.000 Euro kommen so in zwei Jahren zusammen. Mit einem auf die Nutzung zugeschnittenen Flat-Tarif ohne Smartphone zahlen Handynutzer dagegen monatlich nur knapp 15 Euro. Die Kosten eines Smartphones von etwa 400 Euro addiert, ergibt sich eine Ersparnis von 240 Euro bei zwei Jahren Vertragslaufzeit. Für einen exakten Konditionenvergleich bietet sich ein Blick in eines der zahlreichen Online-Vergleichsportale an.

Um so flexibel wie möglich zu sein, lohnt es sich für manche auch ganz auf einen festen Vertrag zu verzichten und stattdessen eine Prepaid-Karte zu nutzen. Bei den meisten Anbietern können Sie entsprechend Ihrer Bedürfnisse monatlich zulasten Ihres Guthabens genau die Flatrates wählen, die sie auch wirklich benötigen. Eine Internet-Flatrate mit 1 GB Inklusiv-Datenvolumen können Sie beispielsweise schon ab 4,99 Euro monatlich buchen.

5. Haben Sie jedes Jahr 901 Euro zu verschenken?

Zugegeben Arbeitnehmer müssen keine Steuererklärung abgeben. Sie können stattdessen Jahr für Jahr den Finanzminister beglücken: Für das Jahr 2016 erhielten nach Angaben des Statistischen Bundesamtes rund 11,6 Millionen Bundesbürger eine Steuerrückzahlung von durchschnittlich 901 Euro.

Sie können also viel Geld zurückerhalten, wenn Sie sich die Mühe einer freiwilligen Steuererklärung machen. Mittlerweile sind für die „Steuererklärung light“, die unter der Formularbezeichnung „ESt 1V“ online auf den Seiten des örtlichen Finanzamts zu finden ist, lediglich zwei leicht verständliche Vordrucke auszufüllen. Sollten Sie Hilfe benötigen, können Sie, anstatt den kostspieligen Gang zu einem Steuerberater anzutreten, Mitglied in einem Lohnsteuerhilfeverein werden. Hierfür wird ein Beitrag von etwa 150 Euro jährlich fällig.

6. Kontoführungsgebühren – mit Online-Diensten sparen

Das Thema Kontogebühren wird wichtiger, denn immer mehr Geldhäuser erhöhen diese Kosten, weil sie die Minuszinsen der Europäischen Zentralbank nicht an Privatkunden weitergeben. Für die Kunden verpufft so nicht selten viel Geld auf der Bank. 1.200 Euro verflüchtigen sich vom Girokonto beispielsweise, wenn Sie zehn Jahre monatlich zehn Euro Kontoführungsgebühren zahlen. Am günstigsten fahren Sie mit dem Wechsel zu einer Bank, die auf Dauer kostenlose oder günstige Girokonten anbietet, insbesondere Direktbanken sind hier empfehlenswert.

Oft fallen auch bei der Ausführung von Überweisungen Gebühren an. Viele Banken berechnen eine Pauschale, wenn Kunden in der Filiale oder am Überweisungsterminal Geldbeträge transferieren. In der Regel entfallen diese Kosten, wenn die Überweisung online getätigt wird. Der Abschluss eines Online-Banking-Vertrags ist daher ein wirksames Mittel auch hier zu sparen. Allgemein sind gerade Kontomodelle mit Online-Banking als obligatorischem Vertragsbestandteil besonders kostengünstig oder sogar komplett kostenfrei.

Noch mehr können Anleger sparen, die Wertpapiere über Depots bei Ihrer Hausbank ordern. Online-Plattformen wie moneymeets bieten hohe Preisvorteile vor allem beim Kauf von Fonds, aber auch bei Depotgebühren.

7. Fünf Versicherungspolicen, die Sie getrost kündigen können

Wie im Supermarkt gibt es auch bei Versicherungen Momente, in denen viele Konsumenten etwas kaufen, was sie eigentlich nicht brauchen. Wer ist nicht für eine Absicherung empfänglich, wenn er sein nagelneues Smartphone in der Hand hält oder seinen Urlaub gebucht hat. Doch folgende Policen erfüllen die Erwartungen oft nicht:

1) Handyversicherung: Der Bund der Versicherten warnt, dass diese Verträge erhebliche Fallstricke haben. So sei der Diebstahlschutz bei vielen Handy- und Smartphone-Versicherungen nicht automatisch enthalten. Diese Absicherung muss separat vereinbart werden und kostet extra. Eine Entschädigung findet zudem nicht zum Neuwert, sondern nur zu einem erheblich niedrigeren Zeitwert statt. Und wie lange bleibt ein neues Modell schon aktuell? Außerdem leisten viele Gesellschaften im Fall der Zerstörung oder Beschädigung des Handys nur, wenn das vollständige, serienmäßige Zubehör vorgelegt wird, wie zum Beispiel der Original-Kopfhörer. Kann der Verbraucher dem nicht nachkommen, gibt es oft kein Geld zurück.

2) Glasbruchversicherung: Mindestens 30 Euro pro Jahr kostet eine einfache Glasbruchversicherung. 30 bis 50 Euro kostet es auch, einen Quadratmeter einfaches Glas auszutauschen, Doppelverglasungen liegt bei 80 bis 110 Euro. Doch wie oft wurde in Ihrem Heim bereis ein Ball durch eine Fensterscheibe geschossen? Die Beiträge einer Glasbruchversicherung findet der Bund der Versicherten im Verhältnis zur Leistung einfach zu teuer. Lohnenswert ist sie allenfalls bei einer sehr teuren Spezialverglasung oder einem Wintergarten.

3) Insassenschutz: Wer andere Personen im eigenen Auto mitnimmt, wird oft bei der Frage unsicher, ob er dafür zusätzlich Risiken absichern muss. Eine Insassenversicherung bietet ab etwa 20 Euro im Jahr Schutz. Doch Mitfahrer sind immer durch die Kfz-Haftpflichtversicherung abgesichert. Verursacht ein anderer Autofahrer einen Unfall mit Personenschaden, so ist dessen Kfz-Haftpflicht in der Pflicht.

4) Versicherung gegen häusliche Notfälle: Diese Police schützt angeblich gegen unberechenbare Ereignisse, die eine schnelle und kompetente Hilfe erfordern wie z. B. einen Rohrreinigungsservice, einen Schlüsselnotdienst, einen Sanitär-, Heizungs- und Elektro-Installateur Service oder Schädlingsbekämpfung. Zwar kostet ein Handwerker-Notdienst meist mehr als üblicherweise verlangt wird. Doch erstens müssen Mieter ohnehin nicht für Schäden aufkommen, die sie nicht verursacht haben. Und Eigentümer sollten mit Rücklagen für Reparaturen vorsorgen. Und zweitens dürften die Kosten für einen Schlüsseldienst in der Regel nicht zum finanziellen Ruin führen.

5) Reisegepäckversicherung: Kaum hat man die Koffer gepackt, muss man sie schon wieder abgeben: Doch wird etwa im Flugzeug der Koffer beschädigt oder geht verloren, dann haftet die Fluggesellschaft. Und im Diebstahlsfall zahlt der Versicherer ohnehin nur, wenn Versicherungsnehmer nachweisen können, dass sie gestohlene Gepäckstücke immer festgehalten und unter Beobachtung hatten. Andernfalls gilt das Verhalten als grob fahrlässig und eine Erstattung ist ausgeschlossen. Wertsachen wie Kameras sind zudem nur unzureichend mitversichert. Unter bestimmten Voraussetzungen – etwa bei einem Diebstahl aus einem verschlossenen Hotelzimmer – ist Ihr Gepäck zudem in Ihrer Hausratpolice mitversichert. Das Geld für eine Reisegepäckversicherung können Sie sich also sparen.

Fazit

  • Ökonomisch zu wirtschaften, ist eine uralte Disziplin, die Hausfrauen - und -männer seit Jahrtausenden beherrschen.
  • Wer einige Monate ein Haushaltsbuch führt, gewinnt rasch die Übersicht über Einnahmen und Ausgaben.
  • Mehrere hundert Euro Sparpotenzial im Jahr bieten sich oft beim Umschulden von Dispo- in Privatkredite, beim Wechsel des Stromanbieters oder beim Handvertrag.
  • Im Schnitt 900 Euro Erstattung bekommen zudem Arbeitnehmer, die eine Steuererklärung abgeben.
  • Zudem lohnt es sich unnötige Versicherungen zu kündigen.

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