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In Kürze

  • Banken bieten beim Abschluss eines Darlehens häufig eine Restschuldversicherung an.
  • Die Versicherung übernimmt die Zahlung der Kreditraten im Todesfall, bei Arbeitslosigkeit oder Arbeitsunfähigkeit.
  • Bei einer Umschuldung des Darlehens besteht ein Sonderkündigungsrecht.
  • Nur der Versicherungsnehmer kann den Vertrag ordentlich kündigen. Eine Restschuldversicherung, die die Bank zusammen mit dem Kredit verkauft, ist meist Teil einer Gruppenversicherung. Der Darlehensnehmer wird lediglich in den Kreis der versicherten Personen aufgenommen.
  • Seit der Umsetzung der EU-Richtlinie zum Versicherungsvertrieb („IDD-Richtlinie“) gibt es eine erweiterte Informationspflicht: Der Anbieter muss unter anderem die Kosten für die Versicherung klar herausstellen.
  • In den meisten Fällen ist der Abschluss einer Risikolebensversicherung oder einer Berufsunfähigkeits-Police sinnvoller.
Eine Restschuldversicherung ist allenfalls bei einem Immobiliendarlehen empfehlenswert.

Eine Restschuldversicherung ist allenfalls bei einem Immobiliendarlehen empfehlenswert.

Wer ein Darlehen aufnimmt, dem bietet die Bank meist auch eine Restschuldversicherung an. Der Versicherer begleicht die offenen Schulden, wenn der Kreditnehmer verstirbt, arbeitsunfähig wird oder seinen Job verliert. Allerdings treibt die Versicherung den Preis des Kredits nach oben und leistet seltener als gewünscht.

Ratenschutz, Kreditlebensversicherung, Schutzbrief – hinter diesen Namen verstecken sich Restschuldversicherungen, die Banken Kreditnehmern häufig beim Abschluss eines Darlehens anbieten. So soll die fortlaufende Zahlung der Raten sichergestellt werden, wenn der Versicherte nicht mehr in der Lage ist zu zahlen. Die Verträge enthalten allerdings oftmals Ausschlussklauseln, die den Versicherer von seiner Zahlungspflicht befreien.

Wann die Restschuldversicherung leistet

Üblicherweise übernimmt der Versicherer die Zahlung der Kreditraten in folgenden Fällen:

  • Bei Arbeitsunfähigkeit
  • Bei Arbeitslosigkeit
  • Im Todesfall

Bei langfristigen Krediten über hohe Summen, wie etwa beim Hauskauf, kann diese Absicherung durchaus sinnvoll sein.

Ein genauerer Blick in die Details der meisten Versicherungen zeigt aber, dass sich die zusätzlichen Kosten nur selten lohnen. Bei Arbeitslosigkeit leisten viele Versicherer nur über einen bestimmten Zeitraum und häufig erst nach sechs Monaten. Bei Arbeitsunfähigkeit sind psychische Krankheiten häufig ausgeschlossen – Komplettschutz sieht anders aus.

Kosten einer Restschuldversicherung

Die Höhe des Beitrags kann von Fall zu Fall stark variieren, weil der Versicherer zahlreiche individuelle Faktoren einkalkuliert. Dazu zählen etwa:

  • Die Kreditsumme
  • Die Laufzeit des Darlehens
  • Der Beruf des Kunden
  • Das Alter des Kunden

Auch der Versicherungsumfang spielt eine wichtige Rolle. Eine Restschuldversicherung, die beispielsweise nur im Todesfall des Versicherten greift, ist natürlich günstiger als ein Rundumschutz.

Verkauft die Bank Kredit und Versicherung im Paket, so begleicht sie den Beitrag für die gesamte Laufzeit häufig direkt beim Versicherer. Die Kosten der Versicherung rechnet sie zum Darlehen hinzu, wodurch zusätzliche Zinsen anfallen. Daher sind Restschuldversicherungen, die separat abgeschlossen werden, üblicherweise günstiger.

Besserer Schutz mit Risikolebens- und Berufsunfähigkeitsversicherung

Kreditnehmer und Hausbesitzer sind mit einer Risikolebensversicherung meist besser geschützt als mit einer Restschuld-Police. Wer zusätzlich noch eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließt, ist deutlich umfassender abgesichert. Der Grund: Restschuldversicherungen zahlen nur solange der Kredit läuft, Berufsunfähigkeits- und Risikolebensversicherungen hingegen leisten immer, wenn der Versicherungsfall eintritt – unabhängig vom Bestehen eines Darlehens.

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Lohnendes Geschäft für Banken und Versicherer

Banken und Versicherer arbeiten bei Restschuldversicherungen oft zusammen, weil die Policen für beide Seiten große Vorteile bringen: Der Versicherer erhält die Prämien für den Vertrag in einer Summe und die Bank profitiert von der Vermittlungsprovision. Gleichzeitig senkt sie das Risiko eines Kreditausfalls deutlich.

Meist verfügt die Bank über eine Gruppenversicherung, in der sie selbst der Versicherungsnehmer ist. Sie nimmt den Kreditnehmer lediglich in den Kreis der versicherten Personen auf. Dies hat rechtlich gesehen eine schlechtere Stellung des Kunden zur Folge. Eine ordentliche Kündigung der Police ist in diesem Fall nur über die Bank möglich.

Eigenständige Kündigung nur als Versicherungsnehmer möglich

Nur wer als Kreditnehmer auch Versicherungsnehmer ist, kann seinen Vertrag ohne Mithilfe der Bank ordentlich kündigen. In den Versicherungsbedingungen ist in der Regel eine Kündigungsfrist von zwei Wochen zum Ende des Monats festgelegt. In diesem Fall erhalten Versicherte zwar nicht die Abschlussprovision zurück, sie haben aber einen Anspruch auf anteilige Beitragserstattung. Die Bank kann nach der Kündigung jedoch eine andere Sicherheit zur Deckung des Darlehens verlangen.

Sonderkündigungsrecht bei Umschuldung

Löst der Kreditnehmer ein Darlehen bei einer Bank mit einem anderen ab, so entfällt der Versicherungszweck der dazugehörigen Restschuldversicherung. In diesem Fall besteht ein Sonderkündigungsrecht sowie ein Anspruch auf anteilige Erstattung des gezahlten Beitrags.

Widerruf des Vertrags innerhalb der gesetzlichen Frist

Nach Vertragsabschluss hat der Darlehensnehmer das Recht den Kreditvertrag samt Restschuldversicherung zu widerrufen. Möglich ist das innerhalb der gesetzlichen Widerrufsfrist von zwei Wochen. Sie beginnt, sobald der Versicherte die Police, die Versicherungsbedingungen sowie eine unmissverständliche Belehrung über das Widerrufsrecht in Textform erhalten hat.

Nimmt der Kunde dieses Recht in Anspruch, verlangt die Bank den Kreditbetrag zuzüglich der bis dahin angefallenen Zinsen zurück. Umgekehrt hat der Darlehensnehmer Anspruch auf Erstattung des anteiligen Versicherungsbeitrags.

Widerrufsrecht bei unzureichender Belehrung

Auch Verbraucher, die Darlehen und Restschuldversicherung bereits vor mehreren Jahren abgeschlossen haben, können vom Widerrufsrecht profitieren. Mehr als 80 Prozent der Verträge, die bis Sommer 2010 abgeschlossen wurden, enthielten eine unzureichende Widerrufsbelehrung. Der Grund: Nach gängiger Rechtsprechung gilt die Kombination von Kredit und Versicherung als verbundenes Geschäft. Die Widerrufsbelehrung muss ausdrücklich darauf hinweisen, dass bei einem Widerruf auch der verbundene Vertrag entfällt. Oftmals war dies jedoch nicht der Fall. Ein Widerruf ist demnach auch jetzt noch möglich, da die gesetzliche Frist von zwei Wochen nicht greift. Dieses Recht steht auch Kreditnehmern zu, die lediglich versicherte Person sind.

Erweiterte Informationspflicht bei der Restschuldversicherung

Seit der Umsetzung der EU-Richtlinie zum Versicherungsvertrieb („IDD-Richtlinie“) in deutsches Recht gibt es eine erweiterte Informationspflicht für Restschuldversicherungen. Anbieter müssen innerhalb einer Woche nach Abschluss eines Darlehensvertrags ein Informationsblatt verschicken, das folgende Informationen enthält:

  • Einen Hinweis auf die Freiwilligkeit der Restschuldversicherung
  • Einen Hinweis auf das gesetzliche Widerrufsrecht
  • Die genauen Kosten der Restschuldversicherung

Der Kreditnehmer kann die Konditionen dann in Ruhe prüfen und entscheiden, ob er den Kreditvertrag innerhalb der zweiwöchigen Frist widerruft. Das entsprechende Gesetz gilt vorerst bis Mitte 2019. Danach will die Bundesregierung den Erfolg der Regelung evaluieren und den Gesetzestext gegebenenfalls anpassen. Eins ist jedoch jetzt schon klar: Sie setzt auf den informierten Verbraucher.

Fazit

  • Restschuldversicherungen lohnen sich meist nicht. Wer eine Risikolebensversicherung oder eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließt, zahlt trotz besserer Leistungen häufig weniger.
  • Bei einer Umschuldung des Darlehens hat der Kreditnehmer ein Sonderkündigungsrecht.
  • Meist verkaufen Banken Kredit und Restschuldversicherung im Paket. In dieser Konstellation ist die Police meist Teil einer Gruppenversicherung, bei der die Bank der Versicherungsnehmer ist. Der Kunde hingegen ist nur eine von mehreren versicherten Personen. Eine Kündigung ist nur über die Bank möglich.
  • Bei Aufnahme eines neuen Darlehens sollten Versicherte die Widerrufsbelehrung aufmerksam lesen un die Konditionen der Versicherung gründlich prüfen.
  • Seit der Umsetzung der IDD-Richtlinie in deutsches Recht müssen Verbraucher innerhalb einer Woche nach Vertragsabschluss ein Informationsblatt zur Restschuldversicherung erhalten.

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