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In Kürze

  • Die Beiträge zur privaten Krankenversicherung (PKV) steigen jährlich an, Experten erwarten keine Trendwende.
  • Die niedrigen Zinsen wirken sich negativ auf die Altersrückstellungen aus.
  • Die höheren Beiträge sind vor allem für ältere Versicherte eine schwere Last.
  • Nicht nur langjährig privatversicherte Arbeitnehmer, sondern auch Selbstständige wollen häufig in die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) zurückkehren.
Bei steigenden Beiträgen ist ein Wechsel zurück in die gesetzliche Krankenversicherung oftmals sinnvoll.

Bei steigenden Beiträgen ist ein Wechsel zurück in die gesetzliche Krankenversicherung oftmals sinnvoll.

Kündigungsrecht nach Beitragserhöhungen in der PKV

Steigende Beiträge sind der wohl häufigste Grund für eine Rückkehr aus der privaten Krankenversicherung in die gesetzliche. Die betroffenen Alters- oder Berufsgruppen sind dabei in der ganzen Gesellschaft zu finden.

In den ersten fünfzehn Jahren des Jahrtausends erhöhten sich die Beiträge für die private Krankenversicherungen (PKV) durchschnittlich um 3,6 Prozent. Von 2017 auf 2018 fiel die Erhöhung deutlich überdurchschnittlich aus, denn sie lag bei etwa neun Prozent. Die anhaltend niedrigen Zinsen und der demografische Wandel sind nur zwei Gründe für deutliche Erhöhung.

Private Krankenversicherung im Rentenalter

Zahlreiche privat Krankenversicherte sorgen sich um die Höhe der Beiträge im Alter, denn gerade im Rentenalter belaufen sich diese häufig auf mehr als 600 Euro im Monat. Dieses Geld lässt sich meistens nur schwer von der Rente abzweigen.

Kündigungsrecht nach Beitragserhöhung in der privaten Krankenversicherung

Wer von einer Prämienanhebung betroffen ist, hat grundsätzlich ab der Bekanntgabe der Anpassung ein Sonderkündigungsrecht. Die Kündigung muss dabei spätestens einen Tag vor Inkrafttreten der Preissteigerung beim Versicherer vorliegen.

Ein Anbieterwechsel sollte aber wohl überlegt sein, da die Altersrückstellungen in diesem Fall wegfallen. Diese Option ist daher nur bei vergleichsweise kurzer Versicherungszeit empfehlenswert. Um Beitragserhöhungen abzufedern, haben Versicherte jedoch weitere Möglichkeiten: Dazu zählt auch, zurück in die gesetzliche Krankenkasse (GKV) zu wechseln. Das ist möglich, wenn einige Voraussetzungen erfüllt sind.

Rückkehr in die GKV

Dafür können sich grundsätzlich Versicherte entscheiden, die jünger sind als 55 Jahre. Daher ist es sinnvoll, spätestens im Alter von 50 Jahren noch einmal die Vor- und Nachteile beider Krankenversicherungsformen gegenüberzustellen.

Gesundheitsleistungen privat bezahlen

Mit steigendem Alter nehmen die Bedürfnisse an das Gesundheitssystem zu, neue Behandlungs- oder Diagnosemethoden sowie Medikamente sind aber sehr teuer. Die private Krankenversicherung liegt in puncto Leistung klar vorn, während die gesetzlichen Kassen stetig Leistungen streichen. Wollen gesetzlich Versicherte auf bessere Gesundheitsleistungen zurückgreifen, müssen sie diese aus eigener Tasche bezahlen.

Wechsel in die GKV für Angestellte

Eine Rückkehr in die gesetzliche Kasse ist für Arbeitnehmer zudem nur möglich, wenn sie mit ihrem jährlichen Bruttoeinkommen die Jahresarbeitsentgeltgrenze unterschreiten. Diese ist auch als Versicherungspflichtgrenze bekannt und liegt seit 2018 bei 59.400 Euro Jahresgehalt bzw. 4.950 Euro monatlich.

Wer mit seinem Gehalt die Versicherungspflichtgrenze übersteigt und dennoch aussteigen möchte, hat aber Gestaltungsmöglichkeiten. So können Arbeitnehmer beispielsweise einen Teil Ihres Bruttogehalts in Beiträge zur betrieblichen Altersversorgung umwandeln. Dieses Vorgehen hilft dabei, das Jahres-Bruttoeinkommen unter den Grenzwert zu drücken.

Arbeitnehmer, die sich zudem einen Teil ihres Bruttogehalts variabel, also nach gewissen Erfolgskriterien auszahlen lassen, haben einen Vorteil: Der Gesetzgeber hat festgelegt, dass die Jahresarbeitsentgeltgrenze allein das regelmäßige Festeinkommen und feste Sonderzahlungen betrifft.

Rückkehr in die GKV nach Arbeitslosigkeit

Angestellte Arbeitnehmer unter 55 Jahren haben bei Verlust der Anstellung die Möglichkeit, in die gesetzliche Krankenkasse zurückzukehren. Bei Arbeitslosigkeit gilt nämlich grundsätzlich die Versicherungspflicht in der GKV.

Wenige Optionen zur Rückkehr in die GKV für Selbstständige

Für Unternehmer ist es hingegen schwieriger, sich wieder bei einer gesetzlichen Krankenkasse versichern zu lassen.

Wechselwillige müssten dazu ihre Selbstständigkeit aufgeben, erneut in ein Angestelltenverhältnis eintreten und so Pflichtmitglied in einer gesetzlichen Krankenkasse werden. Das monatliche Bruttoeinkommen muss dabei unter 4.950 Euro liegen. Auch wer mindestens einen Tag lang arbeitslos ist, kann wieder wählen.

Wenn zudem der Partner gesetzlich krankenversichert ist, können sich Unternehmer, die nicht mehr als 450 Euro hinzuverdienen, über die Familienversicherung mitversichern lassen.

Letztendlich gilt es vor einem Wechsel zurück in die gesetzliche Krankenversicherung noch einmal zu hinterfragen: Werden sich Versicherte im Alter ihre private Krankenversicherung wirklich nicht mehr leisten können?

Was passiert wirklich bei Ihrem Renteneintritt?

Was erwartet privat Versicherte, wenn sie in den Ruhestand wechseln? Und an welchen Stellschrauben können sie drehen, um dann entspannt von den umfassenden Leistungen der PKV zu profitieren?

Der Arbeitgeberanteil fällt weg

Die meisten Freiberufler und Selbstständigen zahlen von Anfang an den gesamten Beitrag zur privaten Krankenversicherung selbst. Bei Angestellten hingegen übernimmt der Arbeitgeber die Hälfte der Prämien. Mit dem Eintritt in den Ruhestand müssen auch Angestellte grundsätzlich den kompletten Beitrag übernehmen.

Rentner können Zuschuss beantragen

Wer eine Rente bei der deutschen Rentenversicherung bezieht, kann dort einen Zuschuss zur privaten Krankenversicherung beantragen. Dessen Höhe richtet sich nach der Höhe der Rente. Kann ein Versicherter beispielsweise mit 2.500 Euro Rente rechnen, berechnet sich der Zuschuss folgendermaßen: Da gesetzlich Versicherte als Rentner 14,6 Prozent Krankenkassenbeitrag zahlen müssten, wären dafür monatlich 365 Euro fällig. Davon würde die Rentenversicherung die Hälfte übernehmen, also 182,50 Euro. Wäre der tatsächliche Beitrag zur PKV niedriger, würde die Rentenversicherung die Hälfte dieses Beitrags zahlen. Hier winkt also Sparpotenzial.

Ab 60 Jahren ist die Altersrückstellung komplett

Über Jahrzehnte haben Mitglieder einer privaten Krankenversicherung höhere Beiträge an ihre Versicherer überwiesen als aufgrund ihres Gesundheitszustands notwendig gewesen wären. Die Versicherer sind sogar gesetzlich verpflichtet, mindestens zehn Prozent mehr zu kassieren und mit diesem Geld Altersrückstellungen für den Versicherten zu bilden. Aus diesem Grund sinkt die Prämie für privat Krankenversicherte im Alter von 60 Jahren dann wieder um diese mindestens zehn Prozent. Außerdem helfen die bis dahin angesparten Altersrückstellungen, Beitragssteigerungen ab 65 oder 67 Jahren abzufedern.

Ab Renteneintritt das Krankentagegeld sparen

Zukünftige Rentner sollten ihre Krankenversicherung an ihre neuen Bedürfnisse anpassen. Vor allem Selbstständige haben meist die Zahlung eines Krankentagegelds vereinbart, um bei längeren Therapien oder Krankheitsphasen Einkommensverluste abzufangen. Künftige Rentner können diese Leistungskomponente getrost abwählen, da die Rente auch im Krankheitsfall weiter gezahlt wird. Das Sparpotenzial ist beträchtlich: So müsste ein 55-jähriger für ein Krankentagegeld in Höhe von 80 Euro ab dem 22. Tag mindestens 80 Euro monatlich zahlen, zeigt ein Vergleich von moneymeets.

Mit einem Tarifwechsel sparen

Für Mitglieder einer privaten Krankenversicherung kann es beim Renteneintritt sinnvoll sein, in einen günstigeren Tarif der gleichen Gesellschaft zu wechseln. Vorsicht: Bei einem Wechsel zu einem anderen Anbieter gehen die Altersrückstellungen verloren! Vor allem langjährig Versicherte können aber auch mit jüngeren Tarifen derselben Gesellschaft oft erheblich sparen. Bei einem Wechsel innerhalb einer Gesellschaft bleiben Altersrückstellungen und Gesundheitseinschätzungen erhalten. Dennoch gibt es Tücken: Wer beispielsweise einen modernen Unisextarif wählt, sollte bedenken, dass er in Notfällen womöglich keinen beitragsgünstigen Standardtarif mehr bekommt. Versicherte sollten daher bei einem solchen Schritt immer einen Experten einschalten!

Vorteile bei Steuer und Sozialversicherungen

Egal, ob sie vorher selbstständig oder angestellt gearbeitet haben: Mitglieder einer privaten Krankenversicherung können auch als Rentner die Beiträge in ihrer Steuererklärung einkommensmindernd ansetzen. Es gibt noch mehr Vorteile gegenüber freiwillig gesetzlich Krankenversicherten – also all jenen, die nicht über 90 Prozent ihres Erwerbslebens gesetzlich krankenversichert waren. Bei letzteren unterliegen alle Versorgungsbezüge aus betrieblichen Renten, Arbeitseinkommen, Kapitalerträge, Erträge aus privaten Lebensversicherungen und aus Vermietung der Beitragspflicht zur Krankenversicherung. Für die Kalkulation der PKV ist hingegen nicht relevant, wie viel Versicherte im Alter hinzuverdienen oder ob sie eine Betriebsrente beziehen.

Leistungen der PKV anpassen

Der medizinische Fortschritt verbessert die Heilungschancen und verlängert Leben, doch er ist nicht zum Nulltarif zu haben – weder bei den gesetzlichen noch bei den privaten Krankenversicherungen. So liegt die „Inflationsrate Medizin” im Schnitt derzeit bei etwa fünf Prozent pro Jahr. Über Jahrzehnte erhöhten sich die Kosten für die Mitglieder beider Versicherungsformen etwa gleich stark.

In den letzten Jahren erhöhten die privaten Anbieter ihre Beiträge jedoch deutlich stärker: Alleine von 2017 auf 2018 lag der Anstieg bei rund neun Prozent. Wem die Beiträge zu hoch werden, der kann Leistungen wie Einbettzimmer abwählen. Grundsätzlich ist Spitzenmedizin ein Vorteil, der im Alter immer wichtiger wird. Versicherte sollten daher genau prüfen, wie wichtig ihnen bestimmte Leistungen sind. Dabei gilt es zu bedenken: Gesetzlich Versicherte müssen häufig zuzahlen, vor allem, wenn sie sich nicht mit Standardleistungen zufrieden geben.

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Notfalls in den Standard- oder Basistarif wechseln

Die Sozialtarife der privaten Krankenversicherer stehen für alle bereit, die sich Beiträge nicht mehr leisten können. Vor allem der Standardtarif hat Kostenvorteile: Wer ihn bekommt, zahlt maximal den Höchstbeitrag zur GKV. Da Versicherte ihre Altersrückstellungen in voller Höhe mitnehmen, liegt der tatsächliche Beitrag meist deutlich darunter.

Die Bundesregierung bezifferte den Durchschnittsbeitrag beim Standardtarif mit 285 Euro im Monat. Attraktiv ist der Tarif zudem, wenn beide Ehepartner privat versichert sind: Zusammen zahlen sie dann maximal 150 Prozent des Höchstbeitrags zur gesetzlichen Krankenversicherung, sofern ihr Gesamteinkommen die Beitragsbemessungsgrenze der gesetzlichen Krankenversicherung nicht übersteigt.

Der Tarif steht allerdings nur Versicherten offen, die vor dem 1. Januar 2009 in die private Krankenversicherung eingetreten und dort bereits seit mindestens zehn Jahren versichert sind. Außerdem müssen sie eine der folgenden Voraussetzungen erfüllen:

  • Sie sind älter als 65 Jahre.
  • Sie sind älter als 55 Jahre und erzielen ein Einkommen, das unter der Jahresarbeitsentgeltgrenze liegt.
  • Sie beziehen eine gesetzliche Erwerbsminderungsrente oder Witwenrente und verfügen über ein Einkommen, das unter der Entgeltgrenze liegt.

Der Leistungsumfang ist einem gesetzlich Krankenversicherten etwa gleichgestellt. Wer in den Standardtarif darf, kann alternativ auch in den Basistarif wechseln. Diesen Tarif können auch Privatversicherte mit Verträgen wählen, die nach dem 1. Januar 2009 abgeschlossenen wurden. Sie zahlen in der Regel den Höchstbeitrag in der gesetzlichen Krankenversicherung plus den durchschnittlichen Zusatzbeitrag der Kassen. Dafür sind die Leistungen im Standardtarif hochwertiger und sie können Kranken-Zusatzversicherungen abschließen.

Fazit

  • Viele privat Krankenversicherte sind nach Beitragserhöhungen verunsichert.
  • Kunden haben grundsätzlich bei Verteuerungen ein Sonderkündigungsrecht. Meist ist es jedoch wenig ratsam, den Anbieter zu wechseln.
  • Wer zurück in die gesetzliche Krankenkasse wechseln will, muss einige Voraussetzungen erfüllen.
  • Zuschüsse und Leistungsanpassungen ermöglichen einen langfristigen Verbleib in der privaten Krankenversicherung.

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