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In Kürze

  • Deutschland verfügt weltweit über eines der besten Sozialsysteme. Trotzdem können Betroffene im Ernstfall vom Staat meist nicht mehr als eine finanzielle Grundabsicherung erwarten.
  • Wenn der Hauptverdiener einer Familie stirbt, droht ohne private Vorkehrungen oft der soziale Abstieg.
  • Besonders wenn größere finanziellen Verpflichtungen wie Immobiliendarlehen vorliegen, sollten sich Paare für den Todesfall ihres Partners gegenseitig absichern.
  • Die Risikolebensversicherung ist zudem für alle Eltern eine sinnvolle, bewährte und preisgünstige Möglichkeit, die Familie auch beim Tod des Hauptverdieners finanziell über Wasser zu halten.
  • Die Höhe der Beiträge hängt von den individuellen Lebensumständen des Versicherten ab. Vor dem Vertragsabschluss stellen Versicherer ihren Kunden Fragen zu ihrer körperlichen und psychischen Gesundheit.
  • Die Kündigung ist zum Ende des Versicherungsjahres oder des gewählten unterjährigen Zahlungsabschnittes möglich.
Im Todesfall kann eine Risikolebensversicherung Ihre Liebsten zumindest finanziell entlasten.

Im Todesfall kann eine Risikolebensversicherung Ihre Liebsten zumindest finanziell entlasten.

Eltern brauchen eine Risikolebensversicherung

Es gibt Situationen, die sich die meisten Menschen kaum vorstellen können. Dazu zählt, dass Söhne oder Töchter plötzlich ohne Eltern dastehen und finanziell unversorgt bleiben könnten, weil der Hauptverdiener der Familie überraschend stirbt.

Es ist eine traurige Bilanz: 140.000 Bundesbürger unter 65 Jahren starben alleine im vergangenen Jahr. Jeder einzelne steht für ein Drama. Viele von ihnen hinterließen Ehepartner und Kinder. Eine Situation, die in Deutschland rasch zum sozialen Abstieg führen kann, vor allem wenn es den Hauptverdiener trifft. Der Hauptgrund dafür ist die magere staatliche Absicherung.

Ansprüche im Todesfall lückenhaft

In den ersten drei Monaten nach dem Tod erhält der hinterbliebene Ehepartner die volle gesetzliche Rente, die der Verstorbene bezogen hätte. Stirbt ein Ehepartner vor dem Rentenantritt, zahlt der Staat für diesen Zeitraum dessen potentielle Erwerbsminderungsrente. Die Voraussetzung dafür ist, dass er oder sie mindestens fünf Jahre in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt hat.

Partner erhält Witwenrente

Nach dem sogenannten „Sterbevierteljahr“ erhalten Angehörige die entweder die große oder die kleine Witwenrente. Anspruch auf die große Witwenrente haben Hinterbliebene, wenn sie nicht wieder geheiratet haben und der Partner mindestens fünf Jahre in die Rentenkasse eingezahlt hat. Zudem müssen sie mindestens eine der folgenden Anforderungen erfüllen:

  1. Sie müssen eine bestimmte Altersgrenze erreicht haben. Diese steigt jährlich, für 2018 liegt sie beispielsweise bei 45 Jahren und 7 Monaten.
  2. Sie müssen ein minderjähriges Kind erziehen.
  3. Sie kümmern sich um ein Kind mit Behinderung.
  4. Sie sind nicht erwerbsfähig.

Sind die Voraussetzungen erfüllt, zahlt der Staat 55 Prozent der gesetzlichen Rente des Verstorbenen. Diese Leistungen sind nicht zeitlich befristet, sondern gelten für das gesamte restliche Leben des hinterbliebenen Partners.

Alle anderen bekommen maximal die kleine Witwenrente – also 25 Prozent der Erwerbsminderungsrente. Hier sind die Regelungen etwas komplizierter: Wer vor 2002 geheiratet hat, der erhält die Witwenrente nach altem Recht. Die Bedingung: Der verstorbene Partner muss vor dem 2. Januar 1962 geboren worden ein. Die neue Regelung sieht vor, dass Hinterbliebene die kleine Witwenrente grundsätzlich nur über den Zeitraum von zwei Jahren erhalten.

Waisenrente für Kinder

Versterben ein oder beide Elternteile, haben die Kinder bis zu ihrem 18. Geburtstag Anspruch auf eine Waisenrente. Diese beträgt bei Halbwaisen zehn Prozent der gesetzlichen Rente des verstorbenen Elternteils. Bei Vollwaisen verdoppelt sich der Betrag auf 20 Prozent. Dabei zieht der Staat allerdings nicht die Summe der Renten beider Elternteile heran, sondern nur den höheren Betrag.

In Sonderfällen erhalten auch volljährige Kinder bis zur Vollendung des 27. Lebensjahres weiterhin die Waisenrente. Dafür muss eine der folgenden Voraussetzungen erfüllt sein:

  • Das Kind absolviert eine Schul- oder Berufsausbildung,
  • es studiert,
  • es absolviert ein freiwilliges ökologisches oder soziales Jahr,
  • es hat eine körperliche, geistige oder seelische Behinderung.

Risikolebensversicherung schließt Lücken

Die wenigsten Familien können mit den geringen Summen, die der Staat zahlt, ihren Lebensstandard aufrechterhalten. Eine Risikolebensversicherung ist daher eine sinnvolle Absicherung, die verhindert, dass Angehörige den Gang zum Sozialamt antreten müssen.

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So funktioniert eine Risikolebensversicherung

Eine Risikolebensversicherung zahlt, wenn die versicherte Person verstirbt, eine vorher vereinbarte Summe (die Versicherungssumme) an den Begünstigten des Vertrags. In den meisten Fällen dient die Police der finanziellen Absicherung von Familienangehörigen. Viele Eltern schließen deswegen beispielsweise eine Risikolebensversicherung zugunsten ihrer Kinder ab. Die Begünstigten müssen aber nicht zwingend aus dem Familien- oder Freundeskreis stammen: Auch Geschäftspartner, Unternehmen oder Vereine können von der Todesfallabsicherung profitieren.

Eine Sonderform ist die sogenannte verbundene Risikolebensversicherung. Dabei handelt es sich um einen Vertrag, mit dem sich zwei Personen gegenseitig absichern, falls der jeweils andere verstirbt. Diese Variante hat den Vorteil, dass die Versicherten nur für eine Police Beiträge entrichten müssen. Sterben allerdings beide Vertragsinhaber, so erhalten Hinterbliebene lediglich einmal Geld von der Versicherung.

Wie teuer ist eine Risikolebensversicherung?

Wie viel Versicherte für eine ausreichende Absicherung im Todesfall zahlen müssen, hängt von mehreren Faktoren ab:

  • Alter bei Vertragsabschluss
  • Vertragslaufzeit
  • Berufsrisiken
  • Bildungsstand
  • Freizeitrisiken (z.B. aufgrund von risikoreichen Hobbies wie Fallschirmspringen)
  • Gesundheitsrisiken (z.B. Vorerkrankungen oder Rauchen)
  • Höhe der Versicherungssumme.

Ein 40-jähriger Nichtraucher, der keiner körperlichen Tätigkeit nachgeht, kann seine Familie beispielsweise ab etwa 20 Euro Monatsprämie mit bis zu 200.000 Euro absichern. Raucht der Versicherte hingegen, so muss er trotz ansonsten gleicher Voraussetzungen mindestens das Doppelte zahlen.

Die Frage nach den Kosten einer Risikolebensversicherung lässt sich, wie das Beispiel zeigt, also nicht pauschal beantworten. Grundsätzlich gilt aber: Je älter der Versicherte beim Abschluss des Vertrags ist, desto höher fallen auch die Beiträge aus.

Gesundheitsprüfung bei der Risikolebensversicherung

Meistens hängt die Höhe der Beiträge – aber auch die Tatsache, ob überhaupt ein Vertrag zustande kommt – von den Antworten auf die Fragen bei der Gesundheitsprüfung des Versicherers ab. Die Fragen decken sowohl den Bereich der körperlichen als auch der psychischen Gesundheit ab. Grundsätzlich entscheiden Versicherungen individuell, welche Themen sie bei ihren Kunden abfragen.

Für Menschen, die beispielsweise wegen Übergewicht oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen Schwierigkeiten haben, eine Police zu bekommen, sind Risikolebensversicherungen mit vereinfachten Gesundheitsfragen eine lohnenswerte Alternative.

Versicherungssumme hoch ansetzen

Die Versicherungssumme ist bei jedem Vertrag frei wählbar. Viele Menschen setzen sie beim Abschluss des Vertrags allerdings zu niedrig an. Hier gilt es auszurechnen, wie viel Geld die Familie wirklich braucht, um allein über die Runden zu kommen. Verschiedene individuell zu beantwortende Fragen können dabei eine Rolle spielen:

  • Wie groß ist die Familie, die es abzusichern gilt?
  • Wie hoch ist das Einkommen des verbliebenen Eheparters/Elternteils?
  • Müssen die Hinterbliebenen Darlehen für ein Haus oder eine Wohnung abzahlen?
  • Brauchen die Kinder eine besondere Förderung (z.B aufgrund von Behinderungen)?
  • Fallen Kosten für ein Studium der Kinder an?

Mithilfe eines Zinseszinsrechner können Versicherte errechnen, wie hoch sie die Versicherungssumme ansetzen sollten. Liegt sie zum Beispiel bei 100.000 Euro, dann erhält der Begünstigte bei einer Laufzeit von 20 Jahren monatlich 460 Euro. Wer 20 Jahre lang eine Zahlung von 1.000 Euro sicherstellen will, muss die Vertragssumme auf rund 220.000 Euro erhöhen. Beiden Berechnungen liegt ein Zinssatz von einem Prozent pro Jahr zugrunde.

moneymeets Tipp: Auszahlungen oberhalb des Erbschaftsteuerfreibetrags sind steuerpflichtig. Die Freibeträge sind je nach Verwandtschaftsgrad zum Erblasser gestaffelt. Ehepartner haben etwa einen Freibetrag von 500.000 Euro, Kinder 400.000 Euro und weiter entfernte Verwandte wie Nichten und Neffen lediglich 20.000 Euro. Wer seine Liebsten mit einer Risikolebensversicherung absichern will, der sollte bei der Entscheidung über die Höhe der Versicherungssumme auch steuerrechtliche Regelungen beachten.

Wie kündige ich meine Risikolebensversicherung?

Die Versicherung ist grundsätzlich jährlich zum Ende des Versicherungsjahres kündbar, sofern der Versicherte die Beiträge jährlich zahlt. Bei einer unterjährigen Zahlungsweise kann auch zum Ende jedes Zahlungsabschnitts gekündigt werden – jedoch frühestens nach Ablauf des ersten Versicherungsjahres. Hierfür muss der Versicherte meist nur eine Frist von einem Monat einhalten.

Wer einen Vertrag kündigen möchte, sollte dies in jedem Fall schriftlich tun. Zum Nachweis, dass das Kündigungsschreiben auch fristgemäß bei der Versicherungsgesellschaft eingegangen ist, empfiehlt sich insbesondere bei drohendem Fristablauf die Versendung per Einschreiben mit Rückschein.

Versicherte, die zu einem anderen Anbieter wechseln wollen, sollten sich die Kündigung gut überlegen: Verschlechtert sich die eigene Gesundheit, führt dies meist zu deutlich höheren Prämien. Zudem steigen die Beiträge mit dem Alter. Eine Risikolebensversicherung ist ein wichtiger Versicherungsvertrag für Familien. Niemand sollte ihn kündigen, bevor er weiß, dass er den benötigten Risikoschutz tatsächlich auch bei einem anderen Anbieter erhält. Hat sich der Gesundheitszustand verschlechtert, kann der Abschluss einer neuen Police zu einem aussichtslosen Unterfangen werden. Auch ab einem gewissen Alter schließen die meisten Versicherer keine neuen Verträge mehr ab.

Was taugt ein Kombi-Tarif mit einer Kapitallebensversicherung?

Eine Risikolebensversicherung wird oft im Paket mit einer Kapitallebens-Police verkauft. Auch beim Kombi-Tarif wird im Todesfall eine vereinbarte Summe an die Angehörigen ausgezahlt. Gleichzeitig wird ein Teil des Beitrags für die Altersvorsorge angespart.

Was auf den ersten Blick sinnvoll erscheint, hat bei näherem Hinsehen Tücken. Während der langen Laufzeiten ändern sich die Lebensverhältnisse der Versicherten. Wer in Not gerät und die Prämien nicht mehr zahlen kann, verliert neben der privaten Altersvorsorge auch den eigentlich weiterhin meist bezahlbaren Anteil der Risikolebensversicherung. Zudem reicht oft die Deckung bei solchen Kombi-Tarifen nicht aus, denn oftmals wählen Versicherte eine zu niedrige Versicherungssumme.

Dennoch sind Kombi-Tarife eine Alternative für alle, die keine Risikolebensversicherung bekommen. Das angesparte Kapital bringt Hinterbliebenen zusätzlich eine Zweitrente.

Fazit

  • Der Staat zahlt beim Tod eines Angehörigen lediglich die Witwenrente, die nur einem Bruchteil der gesetzlichen Rente des Verstorbenen entspricht. Kinder erhalten zudem die Waisen- oder Halbwaisenrente. Das reicht in den wenigsten Fällen aus, um den Lebensstandard der Hinterbliebenen aufrecht zu erhalten.
  • Eine Risikolebensversicherung zahlt eine zuvor vereinbarte Summe an die begünstigte Person aus, wenn der Vertragsinhaber verstirbt. Insbesondere für Familien ist diese Absicherung sinnvoll.
  • Vor allem, wenn es darum geht langfristige Darlehen abzuzahlen, kann der Todesfall des Hauptverdieners ohne entsprechende Absicherung zum finanziellen Desaster führen.
  • Die Höhe der Beiträge hängt von individuellen Faktoren wie Beruf, Gesundheit und Hobbies des Versicherten ab.
  • Es lohnt sich, frühzeitig eine Risikolebensversicherung abzuschließen. Bei Vorerkrankungen oder im hohen Alter ist ein Abschluss oft schwierig und kostspielig.

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