Wissen > > Pflegezusatzversicherung

In Kürze

  • Nach Prognosen des Statistischen Bundesamtes steigt die Zahl der Pflegebedürftigen bis zum Jahr 2030 auf rund 3,5 Millionen Menschen. Schon jetzt ist jeder Dritte über 80 Jahren auf Pflege angewiesen.
  • Für Betroffene und deren Angehörige ist Pflegebedürftigkeit oft auch eine finanzielle Herausforderung. So kostet der Platz in einem Pflegeheim ab 3.000 Euro aufwärts. Auch ambulante Pflegedienste verursachen schon in geringeren Pflegegraden spürbare Kosten.
  • Die gesetzliche Pflegeversicherung übernimmt meist nur einen Teil davon, denn sie ist keine „Vollversicherung“, sondern lediglich eine Art „Teilkasko“.
  • Die entstehende Lücke muss der Pflegebedürftige selbst zahlen oder aus Ersparnissen und Vermögen finanzieren. Andernfalls sind enge Angehörige dem Unterhalt verpflichtet.
  • Eine private Pflegezusatzversicherung kann Sie und Ihre Familie vor finanziellen Belastungen schützen.
Ohne Pflegezusatzversicherung sind Pflegeheim-Plätze für viele kaum bezahlbar.

Ohne Pflegezusatzversicherung sind Pflegeheim-Plätze für viele kaum bezahlbar.

Auch nach der Pflegereform drohen Deckungslücken bei der Pflegeversicherung

Die Beiträge zur gesetzlichen Pflegeversicherung sind mit dem schrittweisen Inkrafttreten des Pflegestärkungsgesetzes seit 2015 leicht angestiegen. Weiterhin drohen aber Deckungslücken in der Finanzierung, gerade bei stationär betreuten Pflegebedürftigen. In diesen Fällen müssen die Betroffenen selbst oder nahe Angehörige für die Kosten aufkommen.

Seit 2017 gibt es in Deutschland fünf Pflegestufen anstelle von dreien. Die meisten Pflegebedürftigen können seitdem mehr Geld für ihre Pflegekosten erwarten, errechnete das Verbrauchermagazin Finanztest. Vor allem Demenzkranke und ihre Angehörigen erhalten höhere Leistungen.

Die gesetzliche Pflegepflichtversicherung allein reicht in den meisten Fällen aber auch weiterhin nicht aus, um die Kosten zu decken. Besonders hoch sind die Kosten für stationär gepflegte Patienten. Ihnen und ihrer Familie droht eine enorme finanzielle Belastung: Sind in jungen Jahren die Eltern ihren Kindern gegenüber unterhaltspflichtig, so wendet sich das Blatt im Alter und die Kinder müssen für den Unterhalt ihrer Eltern aufkommen. Die private Absicherung mithilfe einer Pflegezusatzversicherung ist ein effektiver Schritt, finanzielle Belastungen zu vermeiden.

pflegebedürftige Rentnerin mit ihrer Pflegekraft

Optimal versorgt im Pflegefall

Damit Sie die Unterstützung bekommen, die Sie brauchen. Wunschdaten eingeben - Versicherung auswählen - Vertrag digital abschließen.

Pflegezusatzversicherung rettet Erbe und Vermögen

Ein Leben lang gespart, das Erbe für Kinder und Enkel bereits eingeplant, aber dann ein Pflegefall. Wer das finanzielle Erbe für Nachkommen bewahren will oder seinen Kindern die finanzielle Belastung ersparen möchte, sollte daher über eine private Pflegezusatzversicherung nachdenken.

Ohne Pflegeversicherung Lücke von 1.500 Euro monatlich

Am kostenintensivsten ist die vollstationäre Pflege in einem Altenheim. Dabei entstehen in den meisten Regionen Deutschlands monatlich Kosten von bis zu 3.500 Euro. Mit dem höchsten Pflegegrad 5 kommt die gesetzliche Pflegeversicherung für insgesamt 2.005 Euro auf. Es entsteht eine Lücke von knapp 1.500 Euro, die für die vollstationäre Pflege zu schließen ist.

Drei Modelle für die Pflegezusatzversicherung

Trotz des offensichtlich hohen Bedarfs an privater Vorsorge bei der Pflegezusatzversicherung, gibt es in Deutschland immer noch verhältnismäßig wenig Verträge. Aktuelle Zahlen des Bundesministeriums für Gesundheit und dem Verband der Privaten Krankenversicherung zeigen: Von 71,45 Millionen gesetzlich Versicherten besitzen lediglich 3,41 Millionen eine private Pflegeversicherung. In Deutschland sorgen also nur 4,7 Prozent der durch die gesetzliche Pflegeversicherung abgesicherten Personen zusätzlich privat für den Pflegefall vor.

Der Pflegereport 2017 der Barmer zeigt gleichzeitig auf, dass statistisch gesehen etwa jeder zweite Mann (48 Prozent) und zwei von drei Frauen (67 Prozent) im Laufe ihres Lebens pflegebedürftig werden. Über die Dauer und den Grund der Pflegebedürftigkeit macht der Report allerdings keine Angaben. Versicherte, die nach einem Unfall oder einem Bandscheibenvorfall bettlägerig und auf Pflege angewiesen sind, fließen somit ebenfalls in diese Statistik ein.

In der privaten Pflegezusatzversicherung gibt es zwar grundsätzlich drei verschiedene Varianten, wobei die Pflegerentenversicherung jedoch nur sehr eingeschränkt zu empfehlen ist:

  • Pflegekosten-Police
  • Pflegetagegeld-Versicherung
  • Pflegerentenversicherung

Welche Variante die geeignete ist, hängt vom individuellen Bedarf des Versicherten ab.

Pflegekosten-Police: Die Tarife orientieren sich an der Praxis der Krankenversicherer. Sie erstatten entstandene Pflegekosten bis zu einem Höchstbetrag oder bis zu einem gewissen Prozentsatz. Sie sind durch Rechnungen nachzuweisen. Zudem sind Kosten für Unterkunft und Verpflegung bei manchen Tarifen nicht inklusive. Auch Familienhilfe bei der häuslichen Pflege wird finanziell kaum unterstützt. Dafür sind Kostensteigerungen bei Pflegeeinrichtungen meist abgedeckt, lobt der Bund der Versicherten.

Pflegetagegeld-Versicherung: Sie ist die gängigste Variante und gilt auch als gute Lösung für die privat organisierte Pflege. Abhängig vom Pflegegrad zahlt der Versicherer eine feste Summe pro Tag – unabhängig von konkreten Pflegeleistungen. Die Höhe des vereinbarten Tagegelds hängt von den gezahlten Beiträgen ab. Die Zahlungen setzen eine festgestellte Pflegebedürftigkeit voraus.

Pflegerentenversicherung: Hier zahlt der Versicherer ab Beginn der festgestellten Pflegebedürftigkeit eine monatliche Rente. Bezieher können zwar frei über das erhaltene Geld verfügen, dennoch rät der Bund der Versicherten von dieser Variante ab: „Die Pflegerentenversicherung ist eine undurchschaubare Kombination aus Versicherungsschutz und einem unrentablen Sparvorgang.“

Die Kosten einer privaten Pflegezusatzversicherung

Sowohl bei der Pflegekosten- als auch bei der Pflegetagegeldversicherung hängen die Kosten von drei maßgeblichen Faktoren ab: Dem Alter des Versicherten, seinem Gesundheitszustand und dem zugesicherten Leistungsumfang. Es ist daher lohnenswert, schon in jungen Jahren eine Police abzuschließen. Bei einem späterem Eintritt in die private Pflegeversicherung erhöht sich der Beitrag, weil der Versicherte weniger Zeit zum Ansparen hat.

Zumindest bis zum 55. Lebensjahr ist es sinnvoll, eine Pflegezusatzversicherung abzuschließen, raten Verbraucherschützer. Für Ältere und Menschen mit Vorerkrankungen ist der Pflege-Bahr eine interessante Alternative. Dieser Tarif steht auch Menschen mit Vorerkrankungen offen. Es handelt sich dabei um eine geförderte Pflegetagegeldversicherung, die im höchsten Pflegegrad immerhin bis zu 600 Euro monatlich zahlt.

Welche sagen die Pflegegrade aus?

Im Rahmen des zweiten Pflegestärkungsgesetzes (PSG II) wurden aus drei Pflegestufen fünf Pflegegrade. Dies diente unter anderem dazu, demenzkranken Patienten denselben Zugang zu Pflegeleistungen zu ermöglichen wie körperlich beeinträchtigten Patienten.

Die Pflegegrade geben die noch vorhandene Selbstständigkeit der Patienten an:

Pflegegrad Punkte Beeinträchtigung
Pflegegrad 1 12,5 bis <27 Punkte Geringe Beeinträchtigung der Selbstständigkeit
Pflegegrad 2 27 bis <47,5 Punkte Erhebliche Beeinträchtigung der Selbstständigkeit
Pflegegrad 3 47,5 bis <70 Punkte Schwere Beeinträchtigung der Selbstständigkeit
Pflegegrad 4 70 bis <90 Punkte Schwerste Beeinträchtigung der Selbstständigkeit
Pflegegrad 5 90 bis 100 Punkte Schwerste Beeinträchtigung der Selbstständigkeit mit besonderen Anforderungen an die pflegerische Versorgung

Den Grad der Beeinträchtigung ermittelt ein Gutachter des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung oder einer anderen Prüfstelle. Das Prüfverfahren, das im Rahmen des Pflegestärkungsgesetzes neu konzipiert wurde, stellt die noch vorhandene Selbstständigkeit fest.

Notwendigkeit der Pflegestufen

Pflegebedürftigkeit ist vom Grad der Beeinträchtigung der Selbstständigkeit abhängig. In der Selbstständigkeit beeinträchtigt sind nicht nur körperlich kranke oder behinderte Menschen, sondern auch psychisch Kranke, Demenzkranke und geistig behinderte Menschen. Diese wurden nach alter Gesetzeslage noch benachteiligt und hatten nicht denselben Zugang zu Pflegeleistungen wie es Menschen mit körperlichen Gebrechen hatten.

Pflege-Pauschbetrag bei selbstständiger Pflege

Angehörige, die in ihrer Selbstständigkeit nur gering eingeschränkt sind, können auch von der Familie zu Hause gepflegt werden. Neben dem Zuschuss aus der gesetzlichen Pflegeversicherung gibt es dann einen weiteren Vorteil: Den Pflege-Pauschbetrag.

Jeder, der eine pflegebedürftige Person unterstützt, kann die Zeit und die Aufwendungen in der Steuererklärungen geltend machen. Der Pflege-Pauschbetrag 2018 beträgt 924 Euro pro Jahr. Im Rahmen der Einkommenssteuererklärung kann dieser Pauschbetrag als außergewöhnliche Belastung abgesetzt werden.

Staatliche Förderung der Pflegezusatzversicherung

Die gesetzliche Pflegeversicherung ist keine Vollversicherung. Seit 2013 unterstützt der Staat aber privat vorsorgende Bürger. Wer für die private Pflegeversicherung monatlich mindestens fünfzehn Euro aufbringt, erhält vom Staat eine Förderung von fünf Euro pro Monat. Diese Förderung soll vor allem junge Menschen, die noch geringe Beiträge aufwenden müssen, zur privaten Vorsorge bewegen.

moneymeets Tipp: Die Suche nach einer neuen Pflegezusatzversicherung war bisher sehr aufwendig und zeitintensiv. Damit ist jetzt Schluss: Der Tarifassistent von moneymeets durchsucht für Sie nahezu den gesamten Versicherungsmarkt und findet immer den Tarif, der am besten zu Ihrem Absicherungsbedarf passt.

Jetzt Tarifassistent starten!

Fazit

  • Die gesetzliche Pflegeversicherung deckt bei einer Aufnahme in ein Pflegeheim nur einen Teil der Kosten ab.
  • Deckungslücken von 1.500 bis 2.000 Euro sind wahrscheinlich. Genügen die Rente oder das eigene Vermögen nicht, um die Kosten zu decken, bittet der Staat Familienangehörige zur Kasse.
  • Eine private Pflegeversicherung hilft, diese Lücke zu schließen.
  • Relativ günstige Pflegekostentarife zahlen nachgewiesene Rechnungen, etwa bei einer stationären Pflege. Bei häuslicher Betreuung gehen Bedürftige oft leer aus. Eine Pflegetagegeldpolice ist hier besser. Sie zahlt je nach Pflegegrad eine bestimmte Summe aus.
  • Für Menschen mit Vorerkrankungen und für Interessierte ab 55 Jahren ist der Pflege-Bahr eine lohnenswerte Alternative.

Erstellt am:

War dieser Artikel hilfreich für Sie?

Testen Sie unseren kostenlosen Newsletter – und verpassen Sie keine Tipps rund um Ihre Finanzen & Versicherungen.