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In Kürze

  • Selbstständige können zwischen der gesetzlichen und privaten Krankenversicherung wählen.
  • Bei den gesetzlichen Krankenkassen sind 95 Prozent der Leistungen festgelegt. Bei privaten Krankenversicherungen können Versicherte das gewünschte Leistungspaket individuell zusammenstellen.
  • Im Gegensatz zur gesetzlichen Krankenversicherung richten sich die Beiträge bei privaten Anbietern vor allem nach dem individuellen Gesundheitsrisiko.
  • Junge Menschen können sich oft günstig privat versichern, auch bei Gehaltserhöhungen bleiben die Beiträge konstant.
  • Mit dem Alter steigen die Prämien in der privaten Krankenversicherung tendenziell. Versicherte können dann verschiedene Maßnahmen ergreifen.
Selbstständige können frei zwischen gesetzlichen und privaten Krankenkassen wählen.

Selbstständige können frei zwischen gesetzlichen und privaten Krankenkassen wählen.

Gesetzlich oder privat versichern?

Eine private Krankenversicherung hat viele Vorteile, die sich fast jeder Selbstständige sichern kann: kaum Wartezeiten, Chefarztbehandlung im Krankenhaus und stets eine Therapie, die höchsten Standards entspricht. Ein Wermutstropfen sind die steigenden Prämien im Alter.

Laut dem GKV-Spitzenverband gibt es bei medizinischen Behandlungen in Deutschland für niemanden Privilegien. Allerdings gestand der ehemalige Gesundheitsminister Hermann Gröhe seinerzeit ein, dass lange Wartezeiten für gesetzlich Versicherte „keine Einzelfälle“ seien.

Grundsätzlich gilt: Wer den Schritt in die Selbstständigkeit wagt, hat – anders als Angestellte – unabhängig vom Einkommen die Wahl zwischen einer privaten Krankenversicherung und der freiwilligen Mitgliedschaft in einer der gesetzlichen Krankenkasse. Gründer haben drei Monate Zeit für die Entscheidung.

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Fünf Vorteile der privaten Krankenversicherung

Wer sich als Selbstständiger für die Mitgliedschaft in der privaten Krankenversicherung entscheidet, hat dadurch zahlreiche Vorteile:

  • Günstiger Einstiegstarif
  • Kostenvorteile für gutverdienende Unternehmner
  • Steuervorteile für Selbstständige
  • Bessere Leistungen
  • Altersrückstellungen

Günstiger Einstiegstarif

Bei vielen Gründern ist die Unsicherheit zunächst groß. Sie kennen ihr Einkommen bei Gründung ihrer Firma noch nicht und wollen gerade anfangs die Kosten gering halten. Zudem fällt vielen ehemaligen Arbeitnehmern erst jetzt auf, dass sie als Selbstständige doppelt so viel für ihre Krankenversicherung zahlen wie zuvor, da der Arbeitgeberanteil entfällt. Auch Geringverdiener müssen derzeit mit 356,23 Euro Mindestbeitrag für die freiwillige gesetzliche Krankenversicherung kalkulieren. Günstige Einstiegstarife in der privaten Krankenversicherung sind für junge Gründer ohne Vorerkrankungen schon ab etwa 160 Euro zu haben. Ab 2019 dürfte dieser Kostenvorteil allerdings Vergangenheit sein: Die Bundesregierung plant, den Mindestbeitrag für Selbstständige in der gesetzlichen Krankenversicherung auf 170 Euro zu senken. Dieser Mindestbetrag soll dann für alle Selbstständigen gelten, die weniger als 1.142 Euro brutto im Monat verdienen.

Kostenvorteile für gutverdienende Unternehmer

Mit steigendem Einkommen erhöhen sich für gesetzlich Versicherte automatisch die Krankenkassenbeiträge, denn es gilt das Solidarprinzip: Alle Mitglieder erhalten die gleichen Leistungen, doch die wirtschaftlich Stärkeren zahlen höhere Beiträge und unterstützen so die Schwächeren. Erst wenn der Verdienst eines gesetzlich Versicherten die Beitragsbemessungsgrenze überschreitet, steigen die Beiträge zur gesetzlichen Krankenversicherung nicht weiter an. Für 2018 liegt die Grenze bei einem jährlichen Bruttoeinkommen von 53.100 Euro. Bei der privaten Krankenversicherung hingegen sind die Beiträge gehaltsunabhängig und steigen daher nicht, wenn sich das Einkommen erhöht. Die private Krankenversicherung kalkuliert die Beiträge nach dem individuellen gesundheitlichen Risiko des Versicherungsnehmers.

Steuervorteil für Selbstständige

Selbstständige können die Beiträge zur gesetzlichen und privaten Krankenversicherung (Basiskrankenversicherung) in ihrer Steuererklärung als Vorsorgeaufwendungen geltend machen. Während die Obergrenze für Angestellte und Beamte lediglich bei 1.900 Euro jährlich liegt, können Selbstständige bis zu 2.800 Euro ansetzen. Beiträge zur privaten Krankenversicherung von bis zu 233 Euro monatlich mindern also vollumfänglich die Steuerlast.

Bessere Leistungen

Kassenpatienten müssen im Gegensatz zu Privatversicherten oft lange auf Facharzttermine warten. Zudem lässt sich der Leistungsumfang bei der privaten Krankenversicherung individuell festlegen. Gerade zeitlich sehr eingebundene Unternehmer wissen im Krankheitsfall eine schnelle und bestmögliche medizinische Versorgung zu schätzen.

Altersrückstellungen

Wenn Menschen älter werden, steigen die Kosten für die medizinische Versorgung an – egal, ob bei den gesetzlichen Kassen oder bei Privatversicherten. Laut der Gesundheitsberichterstattung des Bundes liegen die durchschnittlichen Krankheitskosten der unter 45-Jährigen bei 1.700 Euro pro Jahr. Bei den über 65-Jährigen sind es schon 6.000 Euro und bei den über 80-Jährigen sogar 14.000 Euro im Jahr.

Private Krankenversicherer bilden daher Alterungssrückstellungen: Sie verlangen von jungen Versicherten höhere Beiträge als eigentlich notwendig wären und legen das Geld auf die hohe Kante. Der Gesetzgeber schreibt vor, dass Versicherer mindestens zehn Prozent auf den Beitrag aufschlagen müssen, um einen ausreichenden Sicherheitspuffer bilden zu können.

Das allein reicht allerdings häufig nicht, um Beitragssteigerungen abzufedern. Eine zusätzliche Vorsorge, etwa mit einem Fondssparplan, ist daher sinnvoll. Hier können junge Gründer ihre Ersparnis gegenüber der gesetzlichen Krankenversicherung, aber auch Beitragsrückerstattungen sinnvoll anlegen.

Welche Leistungen unterscheiden private und gesetzliche Krankenversicherung?

95 Prozent des Leistungskatalogs der gesetzlichen Krankenkassen ist gesetzlich festgelegt und bei allen Anbietern gleich. Anders bei den privaten Krankenversicherern: Angehende Privatversicherte können bei den meisten Anbietern ihren Risikoschutz mithilfe unterschiedlicher Bausteine individuell und bedarfsgerecht zusammenstellen. Versicherte sollten dabei stets bedenken, dass ein Rundum-sorglos-Paket auch seinen Preis hat. Wer also in jedem Bereich umfangreiche Leistungen wählt, sollte mit einem entsprechend hohen Beitrag kalkulieren.

Zu den Zusatzleistungen, die eine private Krankenversicherung bietet, zählen unter anderem:

  • Ambulante Leistungen, beispielsweise mit freier Arztwahl und den Einschluss homöopathischer Medizin
  • Stationäre Leistungen mit freier Krankenhauswahl, Behandlung durch ausgewählte Spezialisten (Chefarzt), Einbettzimmer
  • Zahnärztliche Leistungen nach Vereinbarung
  • Krankentagegeld, das Einkommensverluste bei Krankheit ausgleicht
  • Pflegegeld

Handlungsmöglichkeiten bei Beitragserhöhungen in der PKV

Die private Krankenversicherung (PKV) bietet viele Gestaltungsmöglichkeiten – auch für den Fall, dass die Beiträge steigen und zu teuer werden:

  • Selbstbehalt
  • Krankenhaustagegeld statt Krankentagegeld
  • Tarife vergleichen und wechseln
  • Leistungen anpassen
  • Wechsel in den Standardtarif

Selbstbehalt

Wer als Privatversicherter einen Teil der jährlichen Krankheitskosten aus eigener Tasche zahlt, kann seinen Krankenversicherungsbeitrag deutlich verringern. Häufig ist die Beitragsersparnis höher als der Selbstbehalt, zudem lässt sich dieser auf bestimmte Leistungsbausteine begrenzen. Dieses Instrument ist vor allem für Selbstständige attraktiv. Da sie ihre Beiträge vollständig aus eigener Tasche zahlen, profitieren sie – im Gegensatz zu Arbeitnehmern – auch zur Gänze von der Ersparnis.

Krankenhaustagegeld statt Krankentagegeld

Für Selbstständige lohnt es sich zwar, die Zahlung eines Krankentagegelds zu vereinbaren, um bei längeren Krankheitsphasen Einkommensverluste abzufangen. Die Versicherer leisten allerdings meist erst ab dem achten Krankheitstag. Zudem ist diese Form der Absicherung vergleichsweise teuer. Eine preisgünstige Alternative ist das Krankenhaustagegeld: Hier erhält der Versicherte ab dem ersten Tag der stationären Behandlung einen Einkommensausgleich.

Tarife vergleichen und wechseln

Für Mitglieder einer privaten Krankenversicherung kann es nach einigen Jahren sinnvoll sein, in einen günstigeren Tarif der gleichen Gesellschaft zu wechseln. Vor allem langjährig Versicherte können so oft erheblich sparen. Bei einem Wechsel innerhalb einer Gesellschaft bleiben Altersrückstellungen und Gesundheitseinschätzungen erhalten, dennoch gibt es Tücken: Wer beispielsweise einen modernen Unisextarif wählt, bekommt in Notfällen womöglich keinen beitragsgünstigen Standardtarif mehr. Wegen möglicher Fallstricke ist es bei einem Tarifwechsel ratsam, einen Experten einzuschalten.

Leistungen anpassen

Der medizinische Fortschritt verbessert die Heilungschancen und verlängert Leben, doch er ist nicht zum Nulltarif zu haben – weder bei den gesetzlichen noch bei den privaten Krankenversicherungen. Im Schnitt liegt die „Inflationsrate Medizin” derzeit bei etwa fünf Prozent pro Jahr. Wem die Beiträge zu hoch werden, der kann einzelne Leistungen wie Einbettzimmer abwählen. Grundsätzlich ist Spitzenmedizin ein Vorteil, der im Alter immer wichtiger wird. Versicherte sollten daher genau prüfen, wie wichtig ihnen bestimmte Leistungen sind.

Wechsel in den Standardtarif

Ob wegen eines Todesfalls, einer Scheidung oder aus einem anderen Grund: Die Sozialtarife der privaten Krankenversicherer stehen allen offen, die sich die regulären Beiträge nicht mehr leisten können. Vor allem der Standardtarif hat Kostenvorteile: Wer ihn bekommt, zahlt maximal den Höchstbeitrag zur gesetzlichen Krankenversicherung. Dieser liegt 2018 bei 646,06 Euro monatlich. Da Versicherte ihre Altersrückstellungen in voller Höhe mitnehmen, liegt der tatsächliche Beitrag meist deutlich niedriger. Die Bundesregierung beziffert den Durchschnittsbeitrag beim Standardtarif auf 285 Euro im Monat.

Attraktiv ist der Tarif zudem, wenn beide Ehepartner privat versichert sind: Zusammen zahlen sie maximal 150 Prozent des Höchstbeitrags zur gesetzlichen Krankenversicherung, sofern ihr Gesamteinkommen die Beitragsbemessungsgrenze nicht übersteigt. Der Tarif steht nur Versicherten offen, die vor dem 1. Januar 2009 in die private Krankenversicherung eingetreten sind. Zudem müssen sie dort bereits seit mindestens zehn Jahren versichert sein. Außerdem müssen Versicherte eine der folgenden Voraussetzungen erfüllen:

  • Sie sind älter als 65 Jahre,
  • sie sind älter als 55 Jahre und ihr Einkommen liegt unter der Jahresarbeitsentgeltgrenze
  • oder sie beziehen eine gesetzliche Erwerbsminderungsrente oder Witwenrente.

Der Leistungsumfang des Standardtarifs ist dem der gesetzlichen Krankenversicherung etwa gleichgestellt. Alternativ können Versicherte in den Basistarif wechseln. Sie zahlen in der Regel den Höchstbeitrag in der gesetzlichen Krankenversicherung zuzüglich des durchschnittlichen Zusatzbeitrags der Kassen.

Was Versicherte vor einem Abschluss beachten sollten

Anbieter sorgfältig auswählen: Je länger ein Vertrag läuft, desto größer ist der Nachteil bei einem Wechsel des Versicherers. Versicherten droht dann der Verlust ihrer Altersrückstellungen, die höhere Krankheitskosten im Alter abfedern sollen.

Leistung verpflichtet: Jeder Versicherungsnehmer hat Rechte und Pflichten. Wer sie nicht beachtet, setzt seinen Versicherungsschutz aufs Spiel. Zu den wichtigsten Pflichten eines künftigen Privatpatienten gehört die vollständige und wahrheitsgemäße Beantwortung der Gesundheitsfragen vor Vertragsabschluss. Anhand der Antworten schätzen private Krankenversicherer das individuelle Leistungsrisiko ein und bestimmen so die Höhe der Prämie. Das kann gegebenenfalls dazu führen, dass sie Risikozuschläge erheben oder bei bestimmten Erkrankungen Leistungen streichen. Wichtig zu wissen: Der Tarifwechsel innerhalb einer Versicherungsgesellschaft erfordert nicht zwingend auch eine erneute Gesundheitsprüfung. Diese Regelung gilt, falls der Leistungsumfang im neuen Tarif nicht größer oder qualitativ hochwertiger als beim alten Tarif ist. Falls doch, ist eine erneute Gesundheitsprüfung nötig, die aber nur die zusätzlichen Leistungen betrifft.

Rückkehr in die gesetzliche Krankenkasse: Wer maximal 55 Jahre ist, kann seine Selbstständigkeit aufgeben, in ein Angestelltenverhältnis wechseln und Pflichtmitglied in einer gesetzlichen Krankenkasse werden. Möglich ist dies, sofern das monatliche Bruttoeinkommen unter der Jahresarbeitsentgeltgrenze von derzeit 59.400 Euro liegt. Auch Versicherte, die sich arbeitslos melden, können wieder wählen. Ehemalige Selbstständige können Sie auch in der Familienversicherung unterkommen, sofern ihr Ehepartner Pflichtmitglied einer gesetzlichen Krankenkasse ist. In diesem Fall darf ihr monatliches Einkommen höchstens 435 Euro oder 450 Euro bei einem Minijob betragen.

Fazit

  • Unternehmer haben grundsätzlich die Wahl zwischen der gesetzlichen und der privaten Krankenversicherung.
  • Die private Krankenversicherung lohnt vor allem für jüngere und gutverdienende Unternehmer, die hier oft weniger Beitrag zahlen als in den gesetzlichen Krankenkassen.
  • Die Beiträge ermittelt die Krankenkasse anhand des individuellen Risikos des Versicherten.
  • Wer sich die Beiträge nicht mehr leisten kann, dem stehen die Sozialtarife der Versicherer offen.
  • Da es schwierig ist, zurück in die gesetzliche Krankenkasse zu wechseln, sollten Interessierte bei der Entscheidung einen Experten hinzuziehen.

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