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In Kürze

  • Ob gesetzlich oder privat versichert: Mit zunehmendem Alter steigen die Ausgaben für Arztrechnungen und Medikamente.
  • Die privaten Krankenversicherer bilden mit einem Teil der Beiträge in jungen Jahren Altersrückstellungen, damit sich die Beiträge ab 65 Jahren möglichst wenig verteuern.
  • Der medizinische Fortschritt verbessert die Behandlungsmöglichkeiten zwar, macht sie aber gleichzeitig auch teurer. Dies kann privat Versicherte finanziell überfordern.
  • Privat Krankenversicherte können einige Maßnahmen ergreifen, um zu hohe Beiträge zu verhindern.
  • Die Sozialtarife der privaten Krankenkassen fangen ältere Versicherte schlimmstenfalls auf, sollten sie sich Prämien nicht mehr leisten können.
Beim Renteneintritt ändert sich einiges in der Krankenversicherung.

Beim Renteneintritt ändert sich einiges in der Krankenversicherung.

Kein Beitrags-Stress im Ruhestand

Rund 660.000 Rentner in Deutschland sind privat krankenversichert. Viele künftige Ruheständler fragen sich, ob die Prämien zur PKV für sie auch im Alter bezahlbar bleiben. Womit ist beim Renteneintritt zu rechnen und welche Maßnahmen können Versicherte vorher ergreifen?

Steigende Beiträge, Zuschüsse und Basistarif – all dies sind Begriffe, die privat Krankenversicherte im Hinblick auf ihren Ruhestand häufiger zu hören bekommen. Während die Beihilfen für Beamte steigen und sich deren Eigenanteil vermindert oder zumindest konstant bleibt, sind viele Angestellte und Selbstständige besorgt, wenn das Rentenalter naht. Was können Versicherte tun, um auch im Alter von den Spitzenleistungen der privaten Krankenversicherung zu profitieren?

Das ändert sich mit dem Renteneintritt

Mit dem Ende des Erwerbslebens beginnt ein neuer Lebensabschnitt, der einige Veränderungen mit sich bringt – auch beim Thema Krankenversicherung. Folgende Dinge sollten angehende Rentner im Blick haben:

  • Wegfall des Arbeitgeberanteils bei Angestellten
  • Zuschuss der Deutschen Rentenversicherung
  • Beitragsminderung durch Altersrückstellungen
  • Abwahl des Krankentagegeldes
  • Vergleich von Krankenkassentarifen
  • Vorteile bei Abgaben
  • Anpassung der Leistungen
  • Wechsel in den Standardtarif

Der Arbeitgeberanteil an der Krankenversicherung fällt weg

Selbstständige zahlen von Anfang an den gesamten Beitrag zur privaten Krankenversicherung selbst. Bei Angestellten hingegen übernimmt der Arbeitgeber die Hälfte der Prämien. Mit dem Eintritt in den Ruhestand müssen allerdings auch Angestellte grundsätzlich den kompletten Beitrag zur privaten Krankenversicherung zahlen.

Zuschuss zur PKV beantragen

Wer eine gesetzliche Rente bezieht, kann bei der Deutschen Rentenversicherung einen Zuschuss zur privaten Krankenversicherung beantragen. Dessen Höhe hängt von der gezahlten Rente und somit auch vom Beitrag ab, der für die gesetzliche Krankenversicherung fällig wäre. Erhält ein Versicherter beispielsweise eine Rente von 2.500 Euro, müsste er 14,6 Prozent davon an seine Krankenkasse zahlen – in diesem Fall also 365 Euro. Davon übernähme die Deutsche Rentenversicherung die Hälfte. Wäre der tatsächliche Beitrag zur privaten Krankenversicherung niedriger, würde die Rentenversicherung die Hälfte des tatsächlichen Beitrags zahlen. Meistens liegen die Prämien für privat versicherte Rentner aber höher. Im Schnitt liegt das Sparpotential aber immerhin bei 20 bis 30 Prozent.

moneymeets Tipp: Damit das Geld sofort bei Rentenantritt zur Verfügung steht, ist es sinnvoll den Antrag auf den Zuschuss zeitgleich mit dem Rentenantrag bei der Deutschen Rentenversicherung zu stellen.

Altersrückstellungen der Krankenkasse senken Beiträge

Über Jahre zahlen Mitglieder der privaten Krankenversicherung höhere Beiträge als eigentlich aufgrund ihres Gesundheitszustands notwendig wäre. Mindestens zehn Prozent des Beitrags fließen in die Altersrückstellungen, die Beitragssteigerungen abfangen sollen. Im Alter von 60 Jahren ist die Sparphase beendet und Mitglieder einer privaten Krankenversicherung zahlen rund zehn Prozent weniger.

Krankentagegeld abwählen

Zukünftige Rentner sollten ihre private Krankenversicherung an die neuen Bedürfnisse anpassen. Vor allem Selbstständige vereinbaren im Berufsleben oft die Zahlung eines Krankentagegelds, um bei längeren Krankheitsphasen Einkommensverluste abzufangen. Künftige Rentner können diese Leistungskomponente getrost abwählen: Schließlich fließt die Rente auch im Krankheitsfall weiter.

Tarife der privaten Krankenkassen checken

Für Mitglieder der privaten Krankenversicherung kann es vor Renteneintritt sinnvoll sein, in einen günstigeren Tarif der gleichen Gesellschaft zu wechseln. Vor allem langjährig Versicherte können so oft erheblich sparen. Bei einem Wechsel innerhalb einer Gesellschaft bleiben Altersrückstellungen und Gesundheitseinschätzungen erhalten.

Dennoch gibt es Tücken: Wer beispielsweise einen modernen Unisextarif wählt, kann womöglich keinen beitragsgünstigen Standardtarif mehr bekommen. Wegen möglicher Fallstricke sollten Versicherte bei einem Tarifwechsel einen Experten hinzuziehen.

Abgabenvorteile bei der privaten Krankenversicherung nutzen

Privat Krankenversicherte können auch als Rentner ihre Beiträge einkommensmindernd in ihrer Steuererklärung ansetzen. Ein weiterer Vorteil gegenüber gesetzlich Krankenversicherten: Für die Kalkulationen der privaten Krankenkassen ist es nicht wichtig, ob Versicherte etwas hinzuverdienen oder eine Betriebsrente erhalten.

Bei gesetzlich versicherten Rentnern unterliegen hingegen betriebliche Renten und andere Versorgungsbezüge, Arbeitseinkommen sowie Pensionen der Beitragspflicht zur Krankenversicherung. Das gilt allerdings nur für jene, die die sogenannte 9/10-Regelung erfüllen. Alle, die nicht mindestens 90 Prozent der zweiten Hälfte ihres Erwerbslebens gesetzlich versichert waren, gelten als nicht pflichtversichert. Wer zu dieser Gruppe gehört, zahlt auch auf alle anderen Einkommensarten Krankenversicherungsbeiträge – etwa auf Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung.

Leistungen anpassen

Der medizinische Fortschritt verbessert die Heilungschancen und verlängert Leben, doch er ist nicht zum Nulltarif zu haben. So liegt die „Inflationsrate Medizin” im Schnitt bei etwa fünf Prozent pro Jahr. Wem die Beiträge zu hoch werden, der kann Leistungen wie Einbettzimmer im Krankenhaus abwählen. Grundsätzlich ist Spitzenmedizin für die Gesundheit ein Vorteil, der im Alter immer wichtiger wird. Versicherte sollten daher genau prüfen, wie wichtig ihnen bestimmte Leistungen sind.

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Letzter Ausweg: Wechsel in den Standardtarif der PKV

Die Sozialtarife der privaten Krankenversicherer stehen allen offen, die sich Beiträge nicht mehr leisten können. Vor allem der Standardtarif hat Kostenvorteile: Wer ihn bekommt, zahlt maximal den Höchstbeitrag zur gesetzlichen Krankenversicherung. Der tatsächliche Beitrag liegt meist deutlich darunter, da Versicherte ihre Altersrückstellungen in voller Höhe mitnehmen.

Die Bundesregierung bezifferte den Durchschnittsbeitrag beim Standardtarif unlängst auf 285 Euro im Monat. Attraktiv ist der Tarif zudem, wenn beide Ehepartner privat versichert sind. Zusammen zahlen sie maximal 150 Prozent des Höchstbeitrags zur gesetzlichen Krankenversicherung, sofern ihr Gesamteinkommen die Beitragsbemessungsgrenze nicht übersteigt. Den Tarif können nur Versicherte abschließen, die vor dem 1. Januar 2009 in die private Krankenversicherung eingetreten sind. Zudem müssen sie dort bereits seit mindestens zehn Jahren Mitglied sein. Außerdem müssen Versicherte eine der folgenden Voraussetzungen erfüllen:

  • Sie sind älter als 65 Jahre,
  • sie sind mindestens 55 Jahre alt und erzielen ein Einkommen, das unter der Jahresarbeitsentgeltgrenze liegt
  • oder sie beziehen eine gesetzliche Erwerbsminderungsrente oder Witwenrente.

Der Leistungsumfang ist dem eines gesetzlich Krankenversicherten etwa gleichgestellt, alternativ können Versicherte in den Basistarif wechseln. Sie zahlen in der Regel den Höchstbeitrag zur gesetzlichen Krankenversicherung plus den durchschnittlichen Zusatzbeitrag der Kassen.

Optimal auf die Rente vorbereitet

Am besten ist es natürlich, sich die wichtigen Frage zur privaten Krankenversicherung im Rentenalter schon bei Vertragsabschluss zu stellen. So geraten Versicherte im hohen Alter nicht in die Bredouille:

Krankenkassenbeiträge realistisch kalkulieren

Der medizinische Fortschritt hilft vielen Menschen, insbesondere im Alter. Eine höhere Lebenserwartung, bessere Heilungschancen und neue Behandlungsmethoden sind aber kostspielig. Es lohnt sich also, für Beitragserhöhungen zu sparen, dennoch sollten Versicherte auch nicht mit Prämien in astronomischen Höhen kalkulieren. Das zeigt die Antwort der Bundesregierung auf eine aktuelle Anfrage der Grünen: Demnach läge der Anteil der Privatversicherten, die mehr als den Höchstbeitrag der gesetzlichen Krankenkassen zahlen, bei lediglich 0,5 Prozent. Für 2018 liegt der Höchstbeitrag zur gesetzlichen Krankenversicherung übrigens bei 646,05 Euro monatlich.

Altersrückstellungen beitragsmindernd einplanen

Jeder privat Krankenversicherte baut monatlich Altersrückstellungen auf, die Versicherer ab dem Alter von 65 Jahren dafür verwenden, Beitragssteigerungen abzufedern. Nach Angaben des Marktführers Debeka zahlen 90-jährige Kunden keine höheren Beiträge als 65-jährige.

moneymeets Tipp: Mit dem Eintritt ins Rentenalter beginnt ein neuer Lebensabschnitt, der einige Änderungen mit sich bringt. Unser exklusiver Ratgeber „Günstig versichert in den Ruhestand“ erklärt Ihnen, was Sie als Rentner in puncto Krankenversicherung beachten müssen. Hier geht’s zum kostenlosen Download!

Beitragsentlastungstarif der Krankenversicherer wählen

Versicherer bieten ihren Kunden spezielle Beitragsentlastungstarife an. Gegen einen Aufschlag auf den aktuellen Beitrag können sich Privatversicherte so bessere Konditionen im Alter sichern. Die Tarife decken zwischen 60 und 100 Prozent des Beitrags ab, den der Versicherte zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses zahlt. Ab dem Alter von 65 Jahren greift die Entlastung dann in der Regel. Versicherte zahlen dann nur noch den Beitrag zum Entlastungstarif sowie den nicht abgedeckten Anteil ihres eigentlichen Beitrags.

Mit 50 endgültige Entscheidung über private oder gesetzliche Krankenkasse treffen

Ab 55 Jahren wird es schwierig, in die gesetzliche Krankenversicherung zurück zu wechseln. Versicherte sollten spätestens im Alter von 50 Jahren noch einmal die Vorteile und Nachteile beider Versicherungsformen gegenüberstellen. Die Rückkehr in eine gesetzliche Kasse ist für Angestellte vorher möglich, wenn sie mit ihrem jährlichen Bruttoeinkommen die Jahresarbeitsentgeltgrenze (JAEG) von derzeit 59.400 Euro unterschreiten. Wer mehr verdient und dennoch aussteigen möchte, hat verschiedene Gestaltungsmöglichkeiten.

Arbeitnehmer können einen Teil des Bruttogehalts in Beiträge zur betrieblichen Altersvorsorge umwandeln oder sich einen Teil des Gehalts variabel auszahlen lassen. Mit der ersten Option lässt sich das Jahres-Bruttoeinkommen unter den Grenzwert drücken. Bei der zweiten Variante ist ausschlaggebend, dass die Jahresarbeitsentgeltgrenze allein das Festeinkommen betrifft.

Arbeitnehmer können sich auch nach einer Phase der Arbeitslosigkeit neu entscheiden. Für Freiberufler und Unternehmer ist es schwieriger: Sie müssen ihre Selbstständigkeit aufgeben, erneut in ein Angestelltenverhältnis wechseln und auf diese Weise Pflichtmitglied einer gesetzlichen Krankenkasse werden. Das monatliche Bruttoeinkommen muss dabei unter der Arbeitsentgeltgrenze von derzeit 4.950 Euro monatlich liegen. Auch wenn sich Selbstständige arbeitslos melden, können sie wieder wählen.

Fazit

  • Im Alter steigen oft die Beiträge zur privaten Krankenversicherung. Darauf sollten sich Versicherte einstellen.
  • Bis zum Alter von 60 Jahren zahlen Privatversicherte höhere Beiträge als aufgrund ihres Gesundheitszustandes nötig wäre. Die Versicherer bauen mit diesem Geld Altersrückstellungen auf, die ab 65 Jahren Beitragserhöhungen abfedern.
  • Rentner können bei der Deutschen Rentenversicherung einen Zuschuss zur Krankenversicherung beantragen.
  • Langjährig Versicherte sollten prüfen, ob ein Tarifwechsel beim selben Anbieter für sie sinnvoll ist.
  • Vorsichtige Versicherte, die im Erwerbsleben stehen, sollten überlegen, ob sich ein Beitragsentlastungstarif für sie lohnt.

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