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In Kürze

  • Nur Angestellte mit einem Bruttojahreseinkommen, das über der Versicherungspflichtgrenze liegt, haben die Wahl zwischen gesetzlicher und privater Krankenversicherung.
  • Die Versicherungspflichtgrenze liegt 2018 bei 59.400 Euro im Jahr bzw. 4.950 Euro monatlich.
  • Während der Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen zu 95 Prozent vorgegeben ist, können Privatversicherte individuell vereinbaren, welche Leistungen ihr Vertrag einschließen soll.
  • Privat Krankenversicherte profitieren in jungen Jahren von vergleichsweise niedrigen Beiträgen.
  • Bei der GKV hängen die monatlichen Beiträge von der Höhe des Gehalts ab. In der PKV sind das Alter sowie Vorerkrankungen und das damit verbundene Risiko maßgeblich.
Besserverdiener können zwischen gesetzlicher und privater Krankenversicherung wählen.

Besserverdiener können zwischen gesetzlicher und privater Krankenversicherung wählen.

Nur gutverdienende Angestellte können sich privat versichern

Während die gesetzlichen Krankenkassen immer mehr Leistungen streichen, müssen sich die privaten Krankenversicherer an individuell vereinbarte Leistungskataloge halten. Erst ab einem Einkommen oberhalb der Versicherungspflichtgrenze können Arbeitnehmer einen Vertrag in der PKV abschließen.

Eine private Krankenversicherung können abhängig Beschäftigte nur abschließen, wenn ihr jährliches Bruttoeinkommen über der Versicherungspflichtgrenze liegt. Diese beträgt 2018 59.400 Euro. Wer in der gesetzlichen Kasse bleibt, erhält den Status als „freiwillig Versicherter“. Persönliche Vorteile bringt das in der Regel nicht. Bei der gesetzlichen Krankenversicherung gilt das Solidarprinzip: Wer viel verdient, zahlt mehr als die wirtschaftlich Schwächeren, erhält jedoch dieselbe Leistung.

Die Leistungen der Krankenversicherungen

Ob Knochendichtemessung oder spezielle Reha-Maßnahmen: Die gesetzlichen Krankenversicherer bezahlen aus finanziellen Gründen immer weniger Behandlungen – trotz in der Regel steigender Beiträge. Bei der privaten Krankenversicherung ist hingegen jede Leistung im Vertrag bis ins Detail geregelt. Der Versicherer ist verpflichtet, sich an die vereinbarten Leistungen zu halten. Der Privatpatient kann sich daher darauf verlassen, dass die private Krankenversicherung das zahlt, was individuell vereinbart wurde. Das Leistungspaket können Versicherte nach dem Baukastenprinzip festlegen. Es lohnt sich dabei, genau zu definieren, was besonders wichtig ist, denn ein Rundum-sorglos-Paket ist in der Regel teuer. Dies sind die wichtigsten Bausteine, die Arbeitnehmer einschließen können:

  • Stationäre Leistungen
  • Ambulante Leistungen
  • Zahnmedizinische Versorgung
  • Krankentagegeld
  • Pflegeversicherung

Stationäre Leistungen

Abhängig vom Tarif können sich Mitglieder der privaten Krankenversicherung für Ein- oder Zweibett-Zimmer im Krankenhaus sowie für die Behandlung durch den Chefarzt entscheiden. Zum Leistungskatalog im stationären Bereich zählen zudem die freie Krankenhauswahl, die Kostenübernahme für Krankentransporte, Anschlussbehandlungen und auch die Zahlung eines angemessenen Krankenhaustagegelds.

Ambulante Leistungen

Die ambulanten Leistungen des Baukastensystems umfassen die ärztliche Behandlung bei einem niedergelassenen Allgemeinmediziner, bei einem Facharzt oder in der Ambulanz eines Krankenhauses. Versicherte können unter anderem die freie Arztwahl und die Kostenübernahme bei Vorsorgeuntersuchungen oder Behandlungen durch einen Heilpraktiker vereinbaren.

Zahnmedizinische Versorgung

Je nach individueller Vereinbarung übernimmt der Versicherer bestimmte Kosten beim Zahnarzt, die über den Leistungskatalog der gesetzlichen Kassen hinausgehen. Dazu zählen etwa Keramikinlays als Alternative zu Amalgamfüllungen.

Krankentagegeld

Das Krankentagegeld ist ein monetärer Ausgleich für den Verdienstausfall im Krankheitsfall: Die ersten sechs Wochen erhalten Angestellte ihr Gehalt bzw. ihren Lohn weiter vom Arbeitgeber. Ab der siebten Krankheitswoche zahlt die zuständige Krankenkasse ein Krankengeld. Dieses beträgt etwa 70 Prozent des letzten Bruttoverdienstes, niemals aber mehr als 90 Prozent des Nettoeinkommens. Privat Krankenversicherte können ihr Einkommen ab dem 42. Tag der Erkrankung mithilfe des Krankentagegeldes auf 100 Prozent des letzten Einkommens aufstocken.

Pflegeversicherung

Seit 1995 sind privat Krankenversicherte gesetzlich dazu verpflichtet, das Pflegerisiko mit einer privaten Pflegepflichtversicherung abzusichern. Die Leistungen entsprechen denen der gesetzlichen Pflegeversicherung. Wichtig: Dieser Pflicht unterliegen sowohl Angestellte als Privatpatienten als auch Beamte, Soldaten, Richter und Selbstständige sowie Freiberufler.

Die Kosten der Krankenkassen

In der gesetzlichen Krankenversicherung unterstützen die wirtschaftlich Stärkeren die Schwächeren. Dieses sogenannte Solidarprinzip gibt es in der privaten Krankenversicherung nicht. Stattdessen kalkulieren die Versicherer die Beiträge individuell. Das ausschlaggebende Kriterium für die Höhe der monatlichen Kosten ist das Risiko des Antragstellers. So zahlt ein junger und gesunder Versicherungsnehmer weniger als ein älterer. Zudem gilt es folgende Punkte beim Thema Kosten zu beachten:

  • Ersparnis für junge Versicherte
  • Beitragsstabilität bei Gehaltssteigerung
  • Altersrückstellungen
  • Beitragserstattungen bei Überschüssen

Ersparnis für junge Versicherte

Für junge, gesunde Menschen sind die Beiträge zur privaten Krankenversicherung oft niedriger als die zur gesetzlichen Krankenversicherung – und das trotz besserer Leistungen. Versicherte sollten die Ersparnis in einen Sparplan einzahlen, um Beitragssteigerungen im Alter abfedern zu können.

Beitragsstabilität bei Gehaltssteigerung

Ein wesentlicher Vorteil der privaten Krankenversicherung liegt in der Kostenersparnis, wenn sich das Einkommen des Versicherten erhöht. Bei der gesetzlichen Krankenversicherung steigen die Beiträge mit dem Einkommen so lange, bis die Beitragsbemessungsgrenze erreicht ist. Sie liegt 2018 bei einem jährlichen Bruttoeinkommen von 53.100 Euro. Der Gesetzgeber definiert diese Grenze jährlich neu.

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Altersrückstellungen

Egal, ob gesetzlich oder privat versichert: Menschen sind mit zunehmendem Alter immer anfälliger für Krankheiten. So liegen die Behandlungskosten der unter 45-jährigen Deutschen bei durchschnittlich 1.700 Euro pro Jahr. Bei den 65- bis 80-Jährigen sind es im Mittel 6.000 Euro, zeigt ein Vergleich des Bundesgesundheitsministeriums. Somit geben auch private Krankenversicherer für einen Kunden im Alter durchschnittlich mehr Geld aus.

Senioren müssten daher erheblich höhere Beiträge zahlen als jüngere Versicherungsnehmer. Diesen Effekt mildern die Altersrückstellungen: Die private Krankenversicherung verlangt in jungen Jahren einen etwas höheren Beitrag als aufgrund des individuellen Risikos des Versicherten notwendig wäre. Das zusätzliche Geld legt der Versicherer als Polster für das Alter auf die hohe Kante. Ab 65 puffert das Geld dann Beitragserhöhungen ab. Je länger Versicherte also Beiträge zur privaten Krankenversicherung bezahlt haben, desto geringer fallen die Beitragssteigerungen im Rentenalter aus.

Beitragserstattungen bei Überschüssen

Privatpatienten bekommen Geld zurück, wenn Versicherer gut gewirtschaftet und Überschüsse erzielt haben. Auch diese Zahlungen können für den Aufbau einer zusätzlichen Reserve verwendet werden.

Vor dem Abschluss einer privaten Krankenversicherung für Angestellte

Bevor gesetzlich versicherte Arbeitnehmer sich für den Wechsel in die private Krankenversicherung entscheiden, sollten sie sich einige grundlegende Gedanken machen:

Leistungsumfang festlegen

Angehende Privatversicherte können bei den meisten Anbietern ihren Versicherungsschutz mithilfe unterschiedlicher Bausteine individuell und bedarfsgerecht zusammenstellen. Zu bedenken ist dabei: Ein Rundum-sorglos-Paket, das selbst den kleinsten Wunsch erfüllt, hat seinen Preis. Es lohnt sich also, genau zu überlegen, welche Leistungen wirklich wichtig sind.

Anbieterwechsel

Sobald ein Privatversicherter seinen Anbieter wechseln möchte, verzichtet er auf einen großen Teil der bereits angesparten Altersrückstellungen. Vor allem, wenn der Vertrag bereits lange läuft, kann ein Wechsel des Versicherers daher fatale finanzielle Folgen haben. Interessenten sollten den privaten Krankenversicherer folglich sorgfältig aussuchen.

Beitragsstabilität

Die Entscheidung für den passenden Tarif sollten künftige Privatversicherte nicht allein anhand der Höhe der Beiträge und der Leistungsvielfalt des Anbieters fällen. Sie sollten sich auch die wirtschaftliche Situation jener privaten Krankenversicherer genauer ansehen, die in die engere Auswahl kommen. Viele Anbieter versuchen, im Rahmen ihrer Wachstumsstrategien möglichst viele neue Kunden zu gewinnen. Einsteiger zahlen hier zunächst sehr niedrige Beiträge. Im Nachhinein stellt sich oftmals heraus, dass diese vermeintlich günstigen Beiträge zur Kostendeckung nicht ausreichen. Die Folge sind meist Beitragsanhebungen.

Ehrlichkeit bei Gesundheitsfragen

Zu den wichtigsten Pflichten des künftigen Privatpatienten gehört die vollständige und vor allem wahrheitsgetreue Beantwortung der Gesundheitsfragen vor dem Vertragsabschluss. Wer falsche Angaben macht, setzt seinen Versicherungsschutz aufs Spiel. Anhand der Antworten schätzt die Versicherung das individuelle Leistungsrisiko des potenziellen Kunden ein. Die Analyse des Fragebogens kann gegebenenfalls auch zu Nachteilen führen: Unter Umständen verlangt die private Krankenversicherung etwa aufgrund von Vorerkrankungen Risikozuschläge oder sie schließt bei schwerwiegenden Erkrankungen Leistungen aus.

Selbstbehalt zum Beitrag sparen

Wer als Privatversicherter einen mehr oder weniger großen Teil der jährlichen Krankheitskosten aus eigener Tasche zahlt, verringert seinen Krankenversicherungsbeitrag teils deutlich. Häufig ist die Beitragsersparnis sogar höher als der Kostenanstieg durch den Selbstbehalt. Für Arbeitnehmer haben Selbstbehalte aber auch Nachteile. Das Problem: Bei Angestellten übernimmt der Arbeitgeber, wie auch bei der gesetzlichen Krankenversicherung, die Hälfte des Beitrags. Den Selbstbehalt trägt hingegen der Mitarbeiter allein. Zudem können Arbeitnehmer die Beiträge zur privaten Krankenversicherung als Sonderausgaben in der Steuererklärung geltend machen. Bei Selbstbehalten ist das nicht möglich.

Risikozuschläge

Versicherte mit gesundheitlichen Problemen müssen statistisch gesehen häufiger Leistungen in Anspruch nehmen, daher erheben die Versicherer Risikozuschläge. Die Beiträge für gesundheitlich angeschlagene Versicherte sind somit höher als für jene ohne Blessuren, doch der Risikozuschlag kann auch wieder sinken. Falls etwa eine Behandlung erfolgreich verläuft, muss der privat Krankenversicherte nachweisen, dass er von einem Leiden kuriert wurde. Dies kann er dann von seinem Versicherer überprüfen lassen. Kommt dieser zum selben Ergebnis, verringert oder streicht er den Risikozuschlag.

Rückkehr in die GKV

Wer zurück in eine gesetzliche Krankenkasse wechseln will, muss wissen: Eine Rückkehr ist für Angestellte nur möglich, wenn sie mit Ihrem jährlichen Bruttoeinkommen die Jahresarbeitsentgeltgrenze von derzeit 59.400 Euro unterschreiten. Arbeitnehmer, die mehr verdienen und dennoch aussteigen möchten, haben jedoch Gestaltungsmöglichkeiten. Sie können einen Teil ihres Bruttogehalts in eine betriebliche Altersvorsorge einzahlen oder sich einen Teil davon variabel auszahlen lassen. Mit der ersten Option lässt sich das Jahres-Bruttoeinkommen unter den Grenzwert drücken. Bei der zweiten Variante ist ausschlaggebend, dass die Jahresarbeitsentgeltgrenze allein das Festeinkommen betrifft. Nach einer Phase der Arbeitslosigkeit können Versicherte ebenfalls erneut über die Art der Versicherung entscheiden. Das ist allerdings nur bis zum Erreichen des 55. Lebensjahres möglich.

Fazit

  • Nur gutverdienende Angestellte haben die Wahl zwischen einer gesetzlichen und privaten Krankenversicherung.
  • Die privaten Krankenversicherer kalkulieren die Beiträge für jeden Versicherten individuell. Jeder zahlt für seinen persönlichen Versicherungsschutz, der Leistungsumfang ist also je nach Vertrag unterschiedlich.
  • Bei den gesetzlichen Krankenkassen unterstützen die Stärkeren die Schwächeren. Der Leistungsumfang ist vom Gesetzgeber größtenteils festgelegt. Er ist zu 95 Prozent bei allen Kassen gleich.
  • Die Entscheidung hängt von vielen Faktoren ab und sollte gut überlegt sein. Versicherte sollten daher einen Experten hinzuziehen.

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