Wissen > > Gesetzliche Krankenversicherung

In Kürze

  • 72,6 Millionen Menschen sind in Deutschland Mitglied einer gesetzlichen Krankenkasse.
  • Nach aktuellen Angaben des GKV-Spitzenverbands betrugen die Ausgaben aller gesetzlichen Krankenkassen im Jahr 2017 rund 231 Milliarden Euro.
  • 95 Prozent des Leistungsumfangs sind im Sozialgesetzbuch vorgegeben, daher verfügen alle gesetzlichen Krankenkassen über ein weitgehend identisches Angebot.
  • Die Kassen konkurrieren vor allem über die Höhe der Zusatzbeiträge miteinander.
  • Ein Wechsel innerhalb der gesetzlichen Krankenversicherung lohnt sich vor allem in Bezug auf den niedrigeren Zusatzbeitrag oder die Aussicht auf bessere Leistungen.
Die gesetzliche Krankenversicherung ist die Basis des deutschen Gesundheitssystems.

Die gesetzliche Krankenversicherung ist die Basis des deutschen Gesundheitssystems.

Erprobte Solidargemeinschaft in der gesetzlichen Krankenversicherung

72,6 Millionen Bundesbürger waren zum Jahreswechsel 2018 in einer der gesetzlichen Krankenkassen versichert. Seit seiner Einführung im Jahr 1883 funktioniert das System nach dem gleichen Prinzip: Wirtschaftlich Stärkere zahlen mehr ein als die Schwächeren, erhalten aber dieselben Leistungen. Dieses Solidarsystem ermöglicht die flächendeckende Gesundheitsversorgung in Deutschland.

Am 15. Juni 1883 führte der damalige Reichskanzler von Otto von Bismarck die gesetzliche Krankenversicherung als Teil des deutschen sozialversicherungsrechtlichen Solidarsystems ein. Dabei handelte es sich um eines der ersten Gesetze überhaupt, das die soziale Sicherung der unteren Einkommensschichten bei Krankheit regelte. Seit 1910 besteht eine allgemeine Versicherungspflicht für Arbeiter und Angestellte. 72,6 Millionen Bundesbürger sind derzeit über die gesetzliche Krankenversicherung abgesichert. Jeder Einzelne hat unabhängig von der Höhe seines Beitrags Anspruch auf die gleiche Leistung.

Kosten der gesetzlichen Krankenversicherung

Die gesetzliche Krankenversicherung erhebt die Beiträge grundsätzlich nach dem Einkommen des Versicherten. Vorerkrankungen spielen im Gegensatz zur privaten Krankenversicherung dabei keine Rolle. Ehepartner und Kinder können oft kostenlos mitversichert werden. Der Leistungskatalog ist gesetzlich festgelegt und – unabhängig vom Beitrag – für jeden Versicherten gleich.

Seit der Einführung des Gesundheitsfonds zum 1. Januar 2009 gilt ein einheitlicher allgemeiner Beitragssatz. Er beträgt seit 2015 14,6 Prozent des Einkommens. Diesen Beitrag teilen sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer paritätisch. Beide zahlen also jeweils 7,3 Prozent des Beitrags. Die Zusatzbeiträge, die die Krankenkassen individuell erheben, sind bisher davon ausgenommen. Aktuell trägt der Arbeitnehmer diese Kosten alleine. Ab 2019 sollen sich dann auch Arbeitgeber hälftig am Zusatzbeitrag beteiligen – so haben es Union und SPD in ihrem Koalitionsvertrag vereinbart. Anders sieht es bei Selbstständigen aus, die in der GKV versichert sind: Sie müssen für die Beiträge in voller Höhe selbst aufkommen.

Gedeckelt sind die Zahlungen der Versicherten durch eine Beitragsbemessungsgrenze. Das bedeutet, dass die Beiträge ab einem gewissen Verdienst nicht mehr weiter steigen. Für 2018 liegt die Bemessungsgrenze für die gesetzliche Krankenversicherung bei 4.425 Euro brutto monatlich bzw. 53.100 Euro pro Jahr.

Konkret bedeutet das, dass Versicherte maximal den Beitrag zahlen, der bei einem Verdienst von 4.425 Euro brutto monatlich fällig wäre. Für den Teil des Einkommens, der über dieser Grenze liegt, fallen keine zusätzlichen Beiträge mehr an.

Preiskampf mit Zusatzangeboten

Die 110 verschiedenen gesetzlichen Krankenkassen treten über diverse Zusatzangebote miteinander in Wettbewerb. Dazu gehören Tarife mit Kostenerstattung und Selbstbehalt, aber auch zusätzliche Leistungen wie Auslandskrankenversicherungen oder die Unterbringung im Krankenhaus-Einzelzimmer. Die Kassen locken also mit besseren Leistungen, günstigen Extras oder verminderten Beiträgen. Außerhalb dieser Zusatzangebote ist das Leistungsspektrum der gesetzlichen Krankenkassen aber zu 95 Prozent identisch.

Was bringt ein Wechsel des Versicherers?

Die meisten Krankenkassen erheben Zusatzbeiträge, die allein von den Arbeitnehmern zu tragen sind. Sie sollen zum einen dabei helfen, finanzielle Engpässe der Kassen ausgleichen und zum anderen den Wettbewerb untereinander fördern. Die Spanne reicht von 0,3 bis 1,8 Prozent des Einkommens. Das daraus resultierende Sparpotenzial liegt bei durchschnittlich 46,38 Euro pro Monat oder 556,56 Euro im Jahr.

umgekipptes Glas Rotwein auf dem Teppich

Jetzt die beste Versicherung finden

So einfach geht Versicherung heute: Wunschdaten eingeben - Versicherung auswählen - Vertrag digital abschließen.

Was ist beim Wechsel der gesetzlichen Krankenversicherung zu beachten?

Generell sind Versicherte in der gesetzlichen Krankenkasse 18 Monate an ihren Vertrag gebunden. Nach Ablauf dieser Frist ist ein Wechsel jederzeit möglich. Die Kündigungsfrist beträgt zwei Monate. Wer beispielsweise am 1. April austreten will, muss spätestens Ende Januar kündigen. Die Kasse ist verpflichtet, die Kündigung innerhalb von zwei Wochen zu bestätigen. Diese Bescheinigung müssen Versicherte bei der neuen Kasse vorlegen.

Auch bei schwerwiegenden Erkrankungen müssen die Versicherungen den Antragsteller aufnehmen, eine Gesundheitsprüfung findet bei einem Kassenwechsel nicht statt. Bei einem Wechsel in eine private Krankenversicherung ist die Kündigung jederzeit möglich. Die Bindungsfrist von 18 Monaten entfällt dann.

Sonderkündigungsrecht bei Zusatzbeiträgen in der GKV

Versicherte haben ein Sonderkündigungsrecht, wenn ihre Krankenkasse erstmals einen Zusatzbeitrag erhebt. Dieses gilt auch, wenn Krankenkassen zuvor gezahlte Prämien streichen oder kürzen. Die Kündigung muss spätestens bis zur ersten Fälligkeit des Zusatzbeitrags erfolgen. Die Kassen müssen ihre Mitglieder mindestens einen Monat vorher über das Sonderkündigungsrecht informieren, andernfalls verlängert sich die Kündigungsfrist entsprechend. Von diesem Sonderkündigungsrecht ausgeschlossen sind Mitglieder, die sich mit einem Wahltarif für drei Jahre an ihre Krankenkassen gebunden haben.

Wer einen Versicherungsvertrag kündigen will, sollte dies grundsätzlich schriftlich per Einschreiben mit Rückschein erledigen. Nur so lässt sich der fristgemäße Eingang der Kündigung nachweisen. Gerade bei drohendem Fristablauf ist dies von Vorteil.

Kostenerstattungsprinzip in der GKV

Die Krankenkassen übernehmen nur die Kosten, die für die sogenannte Regelversorgung anfallen. Darunter versteht der Gesetzgeber die Leistungen, die aus medizinischer Sicht als ausreichend und zweckmäßig gelten. Die Kosten für diese Behandlungen stellen Ärzte direkt der zuständigen Krankenkasse in Rechnung. Das regelt das in Deutschland das sogenannte Sachleistungsprinzip.

Speziell beim Zahnarzt können aufwendige Behandlungen aber sehr teuer werden. Die Regelversorgung sieht als Material für eine Zahnfüllung Amalgam vor. Eine Amalgamfüllung ist allerdings optisch nicht sonderlich ansprechend. Zudem gilt sie wegen des enthaltenen Quecksilbers als gesundheitsschädlich. Ein Keramik-Inlay ist ästhetischer und gesundheitlich unbedenklich, aber auch um einiges teurer. Trotzdem übernehmen die gesetzlichen Kassen nur den Betrag, der für die Amalgamfüllung anfällt. Die Differenz zu den tatsächlichen Kosten trägt der Patient dann selber.

Bei einigen Gesundheitsleistungen müssen Versicherte privat draufzahlen.

Bei einigen Gesundheitsleistungen müssen Versicherte privat draufzahlen.

Jeder Versicherte kann daher – ähnlich wie bei der privaten Krankenversicherung – mit seiner Krankenkasse die Abrechnung nach dem Kostenerstattungsprinzip vereinbaren. Sinnvoll ist das für alle Versicherten, die eine über eine entsprechende Zusatzversicherung verfügen. Gehen die Kosten wie im obigen Beispiel über die Regelversorgung hinaus, so begleicht zunächst der Patient die gesamte Rechnung. Die Krankenkasse erstattet den gesetzlich vereinbarten Anteil im Nachhinein. Den Restbetrag erstattet dann die Zusatzversicherung.

Frau schaut beim Zahnarzt in einen Handspiegel

Für ein strahlendes Lächeln

So einfach sparen Sie beim Zahnarztbesuch: Wunschdaten eingeben - Versicherung auswählen - Vertrag digital abschließen.

Zwischen Versicherungspflicht und Wahlrecht

Seit 2009 gilt in Deutschland die Krankenversicherungspflicht. Jeder Bundesbürger, der nicht Mitglied bei einer der gesetzlichen Krankenkassen ist oder sich privat versichert, verstößt somit gegen geltendes Recht.

Langzeitstudenten müssen entscheiden

Nicht sozialversicherungspflichtig angestellte Studenten sind bis zum Ende des 14. Fachsemesters oder bis zu ihrem 30. Geburtstag Mitglied der studentischen Krankenversicherung. Bis zu diesem Zeitpunkt profitieren sie vom deutlich günstigeren Studenten-Tarif, der bei etwa 90 Euro monatlich liegt. Danach müssen sie sich regulär über die gesetzliche Krankenversicherung absichern. Sie erhalten dann den Status als „freiwillig Versicherter“.

Damit verbunden ist zumeist eine drastische Steigerung des Versicherungsbeitrags: Bei freiwillig Krankenversicherten berechnet die Kasse den monatlichen Beitrag anhand der Mindestbemessungsgrundlage, diese liegt seit 2018 bei 1.015 Euro. Diese Summe setzt die Krankenversicherung als monatliches Einkommen des freiwillig Versicherten voraus. Auf dieser Grundlage berechnet sich der Mindestbeitrag von 153,27 Euro zuzüglich 28,42 Euro für die Pflegeversicherung.

Für viele Studenten lohnt sich in dieser Situation häufig der Wechsel in die private Krankenversicherung. Der Beitrag liegt meist unter dem zur GKV und die Gesundheitsleistungen sind ebenfalls besser.

Selbstständige in der GKV

In Vollzeit tätige Selbstständige können sich freiwillig in der GKV versichern lassen. Für sie gilt allerdings eine höhere Mindestbemessungsgrundlage als beispielsweise bei Studenten. Für 2018 liegt sie bei 2.283,75 Euro brutto monatlich. Der Mindestbeitrag zur GKV beträgt demnach bei 369,27 Euro zuzüglich individuellen Zusatzbeiträgen. Ab 2019 sollen Selbstständige mit geringen Einkommen aber entlastet werden: Wer dann maximal 1.142 Euro brutto pro Monat verdient, zahlt nur noch 171 Euro an seine Krankenkasse (ohne Berücksichtigung der Zusatzbeiträge). Der Höchstbeitrag liegt bei etwa 700 Euro ausgehend von der derzeitigen Beitragsbemessungsgrenze von 4.425 Euro.

Arbeitslos und krankenversichert?

In Deutschland müssen sich Arbeitslose grundsätzlich gesetzlich krankenversichern, selbst wenn sie vorher Mitglied in der PKV waren. Privatversicherte, die ALG I beziehen, können sich allerdings von dieser Pflicht befreien lassen und weiterhin in der PKV versichert bleiben. Voraussetzung dafür ist, dass die Mitgliedschaft in der PKV seit mindestens fünf Jahren besteht. Seit 2015 zahlt die Bundesagentur für Arbeit dann einen Zuschuss in Höhe der Beiträge für die gesetzliche Krankenversicherung.

Schulden bei der Krankenkasse

Die Versicherungspflicht macht die Mitgliedschaft in einer Krankenkasse zwingend notwendig. Auch bei Nichtzahlung der Beiträge besteht die Mitgliedschaft weiter, es sammeln sich aber Schulden an. Die Krankenkasse reagiert zunächst mit Mahnungen und legt anschließend weitere Rechtsmittel ein, bis hin zu Zwangsvollstreckungen und Pfändungen. Meistens einigen sich der Schuldner und die Kasse aber auf eine Ratenzahlung.

Arzt und Ärztin mit zufriedenem Blick

Spitzenmedizin ohne Eigenleistung

Sichern Sie sich die bestmögliche Behandlung beim Arzt: Wunschdaten eingeben - Versicherung auswählen - Vertrag digital abschließen.

Einstellung der Leistungen bei Nichtzahlung

Zahlt der Versicherte die fälligen Monatsbeiträge nicht, stellt die Krankenkasse ihre Leistungen weitestgehend ein. Der Anspruch auf Gesundheitsleistungen besteht dann nur noch in Notfällen und bei akuten Schmerzen. Eine Weiterversorgung sowie die Übernahme der Kosten für Medikamente ist dann aber nicht mehr vorgesehen.
Bei drohender Zahlungsunfähigkeit ist daher schnellstmöglich das Gespräch mit der Krankenkasse zu suchen, um diesen Fall abzuwenden.

Fazit

  • Die gesetzliche Krankenversicherung gewährleistet eine flächendeckende Gesundheitsversorgung in Deutschland.
  • Die Beitragshöhe richtet sich nach dem Einkommen. Sobald Versicherte mit ihrem Verdienst die Beitragsbemessungsgrenze überschreiten, steigen die Beiträge nicht mehr weiter.
  • Die Leistungen sind für alle Mitglieder grundsätzlich gleich.
  • Der Leistungskatalog der gesetzlichen Kassen ist zu 95 Prozent vom Gesetzgeber festgelegt.
  • Kassen können zusätzlich zum gesetzlichen Beitrag von 14,6 Prozent des Bruttoeinkommens Zusatzbeiträge einfordern. Das soll ihnen ermöglichen, finanzielle Polster aufzubauen. Zudem will der Gesetzgeber damit für mehr Wettbewerb unter den Kassen sorgen.

Erstellt am:

War dieser Artikel hilfreich für Sie?

Testen Sie unseren kostenlosen Newsletter – und verpassen Sie keine Tipps rund um Ihre Finanzen & Versicherungen.