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In Kürze

  • Jeder fünfte Erwerbstätige scheidet aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig aus dem Arbeitsleben aus.
  • Die gesetzliche Erwerbsminderungsrente liegt für die meisten bei nur 32 Prozent des letzten Bruttoeinkommens.
  • Selbst dieses Geld fließt nur, wenn Betroffene in keiner beruflichen Tätigkeit mehr länger als drei Stunden pro Tag einsetzbar sind.
  • Jeder Erwerbstätige ist daher gut beraten, eine Berufsunfähigkeitsversicherung möglichst in jungen Jahren abzuschließen.
  • Die Höhe des Beitrags hängt vor allem vom ausgeübten Beruf, dem Alter bei Vertragsabschluss, der Laufzeit und der Höhe der vereinbarten Rente ab.
  • Zu den Pflichten des Versicherten gehören die wahrheitsgetreue Beantwortung der Gesundheitsfragen und die Meldung im Leistungsfall.
Eine Berufsunfähigkeitsversicherung schließt die Einkommenslücke, wenn Sie nicht mehr arbeiten können.

Eine Berufsunfähigkeitsversicherung schließt die Einkommenslücke, wenn Sie nicht mehr arbeiten können.

Unverzichtbarer Risikoschutz bei Berufsunfähigkeit

Eine Berufsunfähigkeitsversicherung zählt für jeden, der von seinem Arbeitseinkommen lebt, zu den wichtigsten Absicherungsformen überhaupt. Wer durch eine Krankheit oder einen Unfall seinen Beruf nicht mehr ausüben kann, dem bezahlt der Versicherer eine monatliche Rente. Vom Staat ist in solchen Fällen wenig zu erwarten – zumindest für alle, die nach 1961 geboren sind.

Es war die rot-grüne Bundesregierung unter Bundeskanzler Gerhard Schröder, die 2001 die staatliche Berufsunfähigkeitsrente abgeschafft hat. Seither haben Erwerbstätige, die nach 1961 geboren sind, nur noch Anspruch auf eine gesetzliche Erwerbsminderungsrente. Sie beträgt gerade einmal 32 Prozent des letzten Bruttoeinkommens. Die Betroffenen erhalten sie nur, wenn sie nicht nur in ihrem Beruf, sondern in jeder beliebigen Tätigkeit weniger als drei Stunden täglich arbeiten können. Wer noch bis zu sechs Stunden arbeiten kann, hat Anspruch auf den halben Satz. In beiden Fällen müssen Betroffene mindestens fünf Jahre lang in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt haben.

Daher muss beispielsweise ein Dachdecker, der seinem Handwerk aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr nachgehen kann, sein Glück als Portier oder im Büro versuchen. In schlimmeren Fällen, in denen Betroffene weniger als drei Stunden täglich arbeiten können, reicht die Absicherung nicht, um den Lebensstandard zu halten.

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Eine Berufsunfähigkeitsversicherung schließt Lücken

Eine Berufsunfähigkeitspolice kann die Lücke zwischen dem aktuellen Einkommen und der mageren staatlichen Absicherung schließen. Experten empfehlen, zwischen 70 und 80 Prozent des Nettoeinkommens als Berufsunfähigkeitsrente zu vereinbaren. Zudem sollten sich die Leistungen mit höheren Lebenshaltungskosten nach oben entwickeln („Dynamik“). Je früher Erwerbstätige den Vertrag abschließen, desto günstiger sind die Beiträge. Auch die Wahrscheinlichkeit überhaupt einen Vertrag zu bekommen, ist in jungen Jahren am höchsten. Mit zunehmenden Alter und bei ersten Vorerkrankungen wird es oft schwierig, durch die Gesundheitsprüfung zu kommen. Interessenten erhalten dann oft Absagen oder die Beiträge erreichen astronomische Höhen.

moneymeets Tipp: Besonders viele Handwerker scheiden aus gesundheitlichen Gründen vor Erreichen der Altersgrenze aus dem Berufsleben aus. Daher ist es beispielsweise für Fliesenleger oder Dachdecker schwierig, eine bezahlbare Versicherung zu bekommen. Wer ein Handwerk erlernt, sollte daher möglichst schon in der Ausbildung einen Vertrag abschließen.

Voraussetzungen für den Eintritt der Berufsunfähigkeit

Damit der Versicherer die vereinbarte Berufsunfähigkeitsrente zahlt, müssen zunächst einige grundlegende Voraussetzungen erfüllt sein.

Der Versicherte muss nachweisen können, dass er entweder unter einer Krankheit oder einem Kräfteverfall leidet. Relevant sind in diesem Zusammenhang alle körperlichen und psychischen Beschwerden, die dauerhaft verhindern, dass der Versicherte seinem Beruf weiterhin nachgeht. Als dauerhaft gilt bei den meisten Anbietern ein Zeitraum von mindestens sechs Monaten. Den Nachweis der Beeinträchtigung muss der Versicherte mit entsprechenden ärztlichen Bescheiden erbringen. Dabei ist es wichtig, dass der Arzt die gesundheitlichen Beschwerden auf die Folgen für die berufliche Tätigkeit bezieht.

Ebenfalls eine wichtige Rolle spielt die sogenannte „50-Prozent-Regel“. Viele Versicherer werten nur diejenigen als berufsunfähig, die dauerhaft maximal 50 Prozent ihrer vorherigen Arbeitsleistung erbringen können. Üblicherweise müssen Versicherte dann ihren bisherigen Tagesablauf dokumentieren und darlegen, welche Tätigkeiten von der Berufsunfähigkeit betroffen sind.

Der Versicherte muss nachweisen können, dass seine Beschwerden ihn daran hindern, seiner Tätigkeit weiter nachzugehen.

Der Versicherte muss nachweisen können, dass seine Beschwerden ihn daran hindern, seiner Tätigkeit weiter nachzugehen.

Das Risiko der Verweisung bei der Berufsunfähigkeitsversicherung

Ein großes Hindernis bei der Anerkennung der Berufsfähigkeit ist die sogenannte „Verweisung“. Diese ermöglicht es dem Versicherer ,die Zahlung der Berufsunfähigkeitsrente zu verweigern. Möglich ist das, wenn der Versicherte zwar nicht mehr seinem Beruf, aber einer anderen zumutbaren Tätigkeit nachgehen kann. Allgemein gilt es, zwischen zwei Formen – der abstrakten und der konkreten Verweisung – zu unterscheiden.

Abstrakte Verweisung

Falls der Versicherte eine anderen Beruf als seinen bisherigen ausüben könnte, kann der Versicherer sich weigern zu leisten. Dafür müssen folgende Voraussetzungen gegeben sein:

  • Der Versicherte ist trotz gesundheitlicher Beschwerden für die alternative Tätigkeit berufsfähig.
  • Die Arbeitsbedingungen im neuen Beruf sind besser oder zumindest der ehemaligen Tätigkeit ebenbürtig.
  • Das Einkommen muss mit dem des zuletzt ausübten Tätigkeit vergleichbar sein. In der Regel betrachten Versicherer Einbußen von bis zu 20 Prozent als zumutbar.

Für eine abstrakte Verweisung ist es nicht relevant, ob auf dem Arbeitsmarkt überhaupt entsprechende Stellen für die alternative Tätigkeit verfügbar sind. Aus Sicht des Versicherers ist lediglich von Bedeutung, dass der Versicherte theoretisch in der Lage wäre, den Job auszuüben.

Konkrete Verweisung

Übt ein Versicherter nicht mehr seinen bisherigen Beruf aus, dafür aber eine andere Tätigkeit, die seinen Fähigkeiten und Kenntnissen entspricht, dann kann der Versicherer eine konkrete Verweisung aussprechen. In diesem Fall erfolgt die Zahlung der Berufsunfähigkeitsrente nur, wenn der Versicherte seinen aktuellen Job nicht mehr ausüben kann.

Für eine konkrete Verweisung müssen folgende Bedingungen erfüllt sein:

  • Der Versicherte besitzt für seine aktuelle Tätigkeit eine entsprechende Vorbildung.
  • Die Tätigkeit darf den Versicherten nicht über- oder unterfordern.
  • Das Einkommen muss mit dem des vorherigen Berufs vergleichbar sein. Einbußen von bis zu 25 Prozent gelten als zumutbar.
  • Die aktuelle Tätigkeit bietet eine vergleichbare soziale Wertschätzung wie die bisherige.

Beruft sich der Versicherer auf eine konkrete Verweisungsklausel, ist der Versicherte in der Pflicht: Er muss plausibel begründen, warum er auch im Hinblick auf die neue Tätigkeit berufsunfähig ist.

Kosten einer Berufsunfähigkeitsversicheurng

Die Prämienhöhe richtet sich nach dem Alter, der Laufzeit und dem Beruf des Versicherten. Je jünger Versicherte bei Vertragsabschluss sind, desto günstiger ist die Versicherung. Je höher zudem das Alter bei Vertragsende ist, desto teurer wird der Beitrag, denn mit den Jahren steigt das Risiko der Berufsunfähigkeit. Das wichtigste Kriterium jedoch ist der Beruf. Vor allem Handwerker zahlen oft deutlich höhere Prämien als etwa Büro-Angestellte. Laut Statistik geht mehr als jeder zweite Dachdecker oder Fliesenleger aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig in Rente. Daher kosten Versicherungen mit einer Berufsunfähigkeitsrente von 1.500 Euro für einen 30-jährigen Verwaltungsangestellten etwa 45 Euro monatlich. Ein Pflasterer im selben Alter zahlt hingegen für den gleichen Tarif mindestens 160 Euro, zeigt ein Vergleich von moneymeets.

Die vergleichsweise hohen Kosten schrecken viele vom Abschluss einer Police ab. So gibt es laut dem Versicherungsverband GDV deutschlandweit nur 17 Millionen Berufsunfähigkeitsversicherungen, aber 26 Millionen private Unfallpolicen. Letztere sind deutlich kostengünstiger. Was die Statistik allerdings auch zeigt: Nur zehn Prozent der Fälle von Berufsunfähigkeit gehen auf Unfälle zurück. Die meisten Betroffenen können ihren Beruf aufgrund von Krankheiten nicht mehr ausüben. In diesen Fällen ist eine Berufsunfähigkeitsversicherung die beste Absicherungsform.

Wer sparen will, sollte möglichst in frühen Jahren einen Vertrag abschließen. Ältere und Menschen mit Vorerkrankungen prüfen Alternativen wie Dread Disease-, Erwerbsunfähigkeits- oder Grundfähigkeitsversicherungen.

Was ist bei einem Vertragsabschluss wichtig?

Wer eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließt, sollte auf folgende Punkte achten, um böse Überraschungen zu vermeiden:

  • Versicherungsdauer: Der Vertrag sollte die Zeit bis zum voraussichtlichen Rentenbeginn abdecken. Bei einer kürzeren Versicherungsdauer entsteht zwischen dem Vertragsende und dem Beginn der Altersrente eine Lücke, die Versicherte im Ernstfall mit eigenen Ersparnissen abdecken müssen.
  • Dynamik: Empfehlenswert sind zudem vor allem für jüngere Versicherungsnehmer Tarife, bei denen die Berufsunfähigkeitsrente dynamisch nach oben angepasst wird. Nur so lässt sich ein steigender Kapitalbedarf aufgrund einer Änderung des Lebensstandards abbilden. Das ist zum Beispiel nach einer Familiengründung wichtig.
  • Verweisung: Der Berufsunfähigkeitsversicherer sollte auch dann zahlen, wenn der Versicherte nur den erlernten Beruf nicht mehr ausüben kann. Ein Maurer, der gut versichert ist, muss beispielsweise im Notfall dann nicht versuchen, einen Bürojob zu finden. Versicherte sollten darauf achten, dass der Vertrag möglichst keine Klausel zur Verweisung enthält – weder abstrakt noch konkret.
  • Sechs-Monats-Frist: Wichtig ist auch, dass der Versicherer die Berufsunfähigkeit anerkennt, wenn ein Arzt sie für voraussichtlich sechs Monate prognostiziert. Denn viele Ärzte halten sich mit längerfristigen Prognosen zurück. Der Versicherer sollte zudem auch rückwirkend zahlen, wenn die Berufsunfähigkeit zunächst nicht eindeutig feststand, aber ein Arzt sie nach mehr als sechs Monaten attestiert. Eine rückwirkende Zahlung von bis zu drei Jahren ist möglich.
  • Nachversicherungsgarantie: Mit einer solchen Klausel kann der Versicherte seinen Vertrag ohne erneute Gesundheitsprüfung erweitern. Ein Grund wäre zum Beispiel eine Familiengründung.

Pflichten des Versicherten

Vor dem Vertragsabschluss stellt der Versicherer Fragen nach Risiken, die er für seine Annahmeentscheidung für maßgeblich hält – die sogenannten Gesundheitsfragen. Zu den Obliegenheiten des Versicherten zählt es, diese Fragen wahrheitsgemäß zu beantworten. Wer Krankheiten oder Risiken verschweigt, riskiert im Ernstfall den Verlust des Versicherungsschutzes. Versicherer prüfen im Leistungsfall fast immer nach, ob eine Vorerkrankung schon vor dem Vertragsabschluss vorlag.

Außerdem muss der Versicherte den möglichen Leistungsfall unverzüglich nachweisen. Er muss den Grund für seine Berufsunfähigkeit angeben sowie ausführliche Berichte der Ärzte vorlegen. Er muss die behandelnden Ärzte von ihrer Schweigepflicht entbinden. In der Regel schalten die Versicherer Gutachter ein. Entzieht sich der Versicherte ohne triftigen Grund der Aufforderung zur Nachuntersuchung, ist der Versicherer für den Zeitraum der Verweigerung von der Leistungspflicht befreit.

Lebensversicherung mit Berufsunfähigkeitsschutz reicht nicht aus

Die Kombination einer Kapitallebensversicherung mit einer Berufsunfähigkeitspolice hat einen gravierenden Nachteil: Es kann passieren, dass Versicherte in einer wirtschaftlich schwierigen Situation den Gesamtvertrag nicht mehr bezahlen können. Dann müssen sie die teure Kombi-Police kündigen und verlieren damit auch den Versicherungsschutz für die Berufsunfähigkeit. Außerdem ist die Versicherungssumme bei der Berufsunfähigkeitsabsicherung in Kombi-Tarifen oft zu niedrig angesetzt. Der Bund der Versicherten (BdV) empfiehlt daher, beide Verträge separat abzuschließen.

Wechsel von Tarif oder Anbieter gut überlegen

Ein Wechsel ergibt Sinn, wenn sich bei ansonsten gleichen Leistungen eine Beitragsersparnis ergibt oder bessere Leistungen zum gleichen Beitrag erhältlich sind. Allerdings überprüft der Versicherer den Gesundheitszustand dann erneut. Zudem richtet sich die Höhe der Beiträge auch nach dem Eintrittsalter des Versicherungsnehmers. Zwischenzeitlich eingetretene Erkrankungen erschweren den Wechsel zu besseren Konditionen. In einem solchen Fall kann es zu hohen Risikozuschlägen, dem Ausschluss von Krankheiten oder gar zu einer Ablehnung kommen. Die Kündigung der alten Police sollte auf jeden Fall erst dann erfolgen, wenn die Aufnahmeerklärung der neuen vorliegt. Andernfalls laufen Versicherte Gefahr, keinen Risikoschutz mehr zu haben.

Berufsunfähigkeitsversicherung nur kündigen, wenn neuer Vertrag vorliegt

Ihren Vertrag kündigen können Versicherte jeweils zum Ende des Versicherungsjahres. Bei unterjähriger Zahlung ist auch eine Kündigung zum Ende jedes Zahlungsabschnitts möglich – allerdings erst nach Ablauf des ersten Versicherungsjahres. Die Kündigungsfrist beträgt einen Monat. Bei einer Zusatzversicherung, wenn also der Vertrag beispielsweise an eine Risikolebensversicherung gekoppelt ist, ist der Hauptvertrag maßgeblich. Versicherte können beide Verträge meist nur gemeinsam kündigen.

Eine Kündigung sollte in jedem Fall gut überlegt sein. Der Abschluss einer neuen Berufsunfähigkeitsversicherung ist in der Regel teurer, weil sich die Beiträge auch nach dem Eintrittsalter richten. Zudem ist eine erneute Gesundheitsprüfung notwendig. Ab einem gewissen Alter und bei chronischen Krankheiten besteht die Gefahr, dass Versicherer Anträge ablehnen. Versicherte achten daher auf einen nahtlosen Übergang: Wer die alte Versicherung kündigt, sollte die neue Police schon sicher haben.

Grundsätzlich sollten Versicherte ihren Vertrag schriftlich kündigen. Zum Nachweis, dass das Kündigungsschreiben auch fristgemäß direkt bei der Versicherungsgesellschaft eingegangen ist, empfiehlt sich gerade bei drohendem Fristablauf die Versendung per Einschreiben mit Rückschein.

Fazit

  • Rund 20 Prozent der Erwerbstätigen scheiden aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig aus dem Berufsleben aus.
  • Für alle, die nach 1961 geboren sind, reicht die gesetzliche Absicherung in solchen Fällen nicht aus.
  • Eine Berufsunfähigkeitsversicherung kann diese Lücke schließen.
  • Weil eine strenge Gesundheitsprüfung üblich ist, sollten Erwerbstätige bereits in jungen Jahren einen Vertrag abschließen.
  • Experten empfehlen, als Berufsunfähigkeitsrente mindestens 70 Prozent des bisherigen Nettoeinkommens anzusetzen.
  • Wer seine Berufsunfähigkeitsversicherung wechseln möchte, sollte den alten Vertrag nur kündigen, wenn schon eine neue Police vorliegt.

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