Wissen > > Alternativen zur Berufsunfähigkeitsversicherung

In Kürze

  • Eine Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) zahlt eine Rente, wenn Erwerbstätige ihren Beruf aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausüben können.
  • Doch für viele Handwerker und Personen mit Vorerkrankungen ist eine solche Absicherung schwer zu bekommen.
  • Als Grundabsicherung kommen dann vor allem eine Erwerbsunfähigkeitsversicherung oder eine Dread-Disease-Versicherung infrage.
  • Eine Unfallversicherung allein kann die Risiken allerdings nicht abdecken. Denn 90 Prozent werden aus Krankheitsgründen invalide und nicht durch einen Unfall. Sie kann aber den Schutz ergänzen.
  • Auch eine Multi-Risk-Police kann Sinn machen.
  • Interessanten schalten jedoch bei diesen Policen einen Experten ein.
Die eigene Arbeitskraft sollte gut abgesichert sein.

Die eigene Arbeitskraft sollte gut abgesichert sein.

Alternativen für den Invaliditätsschutz

Es gibt nur wenige Versicherungen, die Verbraucherschützer ohne Einschränkungen empfehlen. Zu diesen zählt zweifellos die private Berufsunfähigkeitsversicherung. Denn sobald jemand seinem Beruf aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr nachgehen kann, ist die gesetzliche Absicherung lückenhaft. Doch nicht jeder Erwerbstätige bekommt eine Police.

Vor einigen Jahren hat der Gesetzgeber in Deutschland die gesetzliche Berufsunfähigkeitsversicherung für alle Jahrgänge abgeschafft, die nach 1961 geboren sind. Jetzt muss beispielsweise ein Installateur, der seinen Beruf aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausüben kann, irgendeine Stelle annehmen. Und die Erwerbsminderungsrente ist deutlich niedriger als das letzte Einkommen. Bei den meisten Betroffenen klafft daher eine riesige Versorgungslücke, sofern sie keine Berufsunfähigkeitsversicherung haben.

Doch nicht jeder bekommt einen Vertrag, der bezahlbar ist. So werden Menschen mit Vorerkrankungen oft abgelehnt. Für Handwerker und körperlich Tätige ist eine Absicherung oft sehr teuer, da das Risiko in diesen Berufsgruppen besonders hoch ist, aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig aus dem Erwerbsleben auszuscheiden. Auch für Spätentschlossene sind Neuabschlüsse oft sehr teuer.

Wer kann sollte daher bereits zu Beginn seiner beruflichen Laufbahn eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen.

Was leistet der Staat?

Die gesetzliche Erwerbsminderungsrente beträgt gerade einmal 32 Prozent des letzten Bruttoeinkommens für Menschen, die nach 1961 geboren sind. Und dieses Sicherungsnetz greift auch nur dann, wenn die Betroffenen nicht nur in ihrem Beruf, sondern in einer beliebigen Tätigkeit aus gesundheitlichen Gründen weniger als drei Stunden pro Tag eingesetzt werden können. Wer bis zu sechs Stunden arbeiten kann, hat Anspruch auf den halben Satz. Vorausgesetzt, der Betroffene hat mindestens fünf Jahre lang in die gesetzliche Rentenversicherung einbezahlt.

Diese Absicherung reicht in der Regel nicht, um den Lebensstandard zu decken. Eine private Berufsunfähigkeitspolice kann die Lücke schließen. Wer keinen Vertrag bekommt, hat zwar Alternativen. Doch keine andere Variante bietet einen wirklichen gleichwertigen Ersatz zu einer Berufsunfähigkeitspolice.

Erwerbsunfähigkeitsversicherung

Eine Erwerbsunfähigkeitsversicherung (EU) kommt dem Schutz einer Berufsunfähigkeitspolice sehr nah. Sie greift allerdings nur in Fällen, in denen Versicherte weder Ihren ursprünglichen Beruf noch eine andere berufliche Tätigkeit ausüben können. Während also eine Berufsunfähigkeitspolice beispielsweise einem Mechaniker, der wegen schwerem Rheuma in den Händen seinen Beruf nicht mehr ausüben kann, eine Rente zahlen würde, müsste er bei einer Erwerbsunfähigkeitsversicherung nachweisen, dass er auch keine Tätigkeit beispielsweise als Portier oder als Hausmeister mehr ausüben kann. Eine Erwerbsunfähigkeit ist also deutlich schwerwiegender als eine Berufsunfähigkeit. Dafür sind bei der Erwerbsunfähigkeitspolice auch psychische Erkrankungen versichert. Allerdings gibt es auch bei der Erwerbsunfähigkeitsversicherung eine Gesundheitsprüfung.

Vergleich Erwerbsunfähigkeits-(EU) und Berufsunfähigkeitspolice (BU)

Kriterien EU-Police BU-Police
Wann wird gezahlt? Wenn aus gesundheitlichen Gründen keine Erwerbstätigkeit ausgeübt werden kann. Wenn aus gesundheitlichen Gründen der Beruf nicht mehr ausgeübt werden kann.
Ausschluss von Krankheiten? nein nein
Psychische Erkrankungen mitversichert? Ja Ja
Auszahlung Rente Rente
Kosten günstiger als BU  
Gesundheitsprüfung Ja Ja
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Dread-Disease-Versicherung

Eine weitere Alternative ist eine Dread-Disease-Versicherung, die bei schweren Krankheiten eine Einmalzahlung leistet. Diese Krankheiten sind in den jeweiligen Vertragsbedingungen definiert. Beispiele sind eine Krebserkrankung, ein Schlaganfall oder ein Herzinfarkt. Versicherte sind nur im Fall dieser klar definierten Krankheitsbilder abgesichert. Dafür sind im Versicherungsfall strittige Punkte meist geregelt, sodass Rechtsstreitigkeiten vermieden werden. Ein weiterer Vorteil: Versicherte können über diese Auszahlung frei verfügen, auch wenn sie nach Heilung der Krankheit rasch wieder arbeiten können.

Achtung: Psychische Krankheiten und chronische Skeletterkrankungen wie Rückenleiden sind nicht versichert.

Vergleich Dread-Disease- und Berufsunfähigkeitspolice (BU)

Kriterien Dread-Disease BU-Police
Wann wird gezahlt? Im Falle von vorab definierten schweren Krankheiten. Wenn aus gesundheitlichen Gründen der Beruf nicht mehr ausgeübt werden kann.
Ausschluss von Krankheiten? ja nein
Psychische Erkrankungen mitversichert? nein Ja
Auszahlung Einmalzahlung Rente
Kosten etwa gleich hoch wie BU  
Gesundheitsprüfung Nein Ja

Grundfähigkeitsversicherung

Schließlich gibt es noch die Grundfähigkeitsversicherung, die bestimmte elementare Fähigkeiten, wie Sehen, Gehen und ähnliches abdeckt. Versicherte erhalten eine regelmäßige Rente, wenn sie eine dieser Fähigkeiten verlieren. Die Prüfung, ob jemand Anspruch auf eine Leistung hat, gestaltet sich relativ einfach, weil es genaue Regelungen gibt, wann eine Fähigkeit als verloren gilt.

Die Hürden für eine Leistung sind aber relativ hoch, sodass die Grundfähigkeitsversicherung genau wie die Multi-Risk-Versicherung keinen gleichwertigen Ersatz für eine BU darstellt.

Vergleich Grundfähigkeits- und Berufsunfähigkeitspolice (BU)

Kriterien Grundfähigkeit-Police BU-Police
Wann wird gezahlt? Wenn vorab definierte Fähigkeiten wie sehen oder Hände gebrauchen verloren gehen. Wenn aus gesundheitlichen Gründen der Beruf nicht mehr ausgeübt werden kann.
Ausschluss von Krankheiten? ja nein
Auszahlung Rente Rente
Kosten günstiger als BU  
Gesundheitsprüfung Nein Ja

Unfallversicherung

Eine Unfallversicherung statt einer Berufsunfähigkeitsversicherung abzuschließen, ist verbreitet. Denn die Prämien bei Unfallpolicen sind meist erheblich billiger. Doch die Anzahl der Invaliditätsfälle, die aufgrund eines Unfalls berufsunfähig wurden, liegt laut Statistik nur bei etwa zehn Prozent. Und hier sind Arbeitsunfälle, die gesetzlich abgesichert sind, nicht eingerechnet. Daher kann eine Unfallversicherung keine vollwertige Alternative zu einer Berufsunfähigkeitspolice sein und den Basisschutz nur ergänzen.

Vergleich Unfall- und Berufsunfähigkeitspolice (BU)

Kriterien Unfallversicherung BU-Police
Wann wird gezahlt? Wenn nach Personenschäden bei einem Unfall der Beruf nicht mehr ausgeübt werden kann. Wenn aus gesundheitlichen Gründen der Beruf nicht mehr ausgeübt werden kann.
Auszahlung Einmalzahlung oder Rente Rente
Kosten billiger als BU  
Gesundheitsprüfung Nein Ja

Multi-Risk-Versicherung

Diese Variante ist eine Kombination, die sich meist aus den Elementen Schwere-Krankheiten-, Grundfähigkeits- und Pflegeversicherung zusammensetzt. Kunden erhalten eine Rente in vereinbarter Höhe, wenn sie durch bestimmte Schäden an inneren Organen invalide werden oder notwendige Fähigkeiten verlieren. Sie sind auch im Fall einer Pflegebedürftigkeit versichert. Auch Unfallversicherer bieten Policen an, die meist noch eine Unfallpolice einschließen. Die Voraussetzungen für eine Rente können aber hier relativ streng sein. So fließen Zahlungen nach Unfallfolgen meist erst, wenn Betroffene als mindestens 50 Prozent invalide gelten. Außerdem sind psychische Erkrankungen hier ebenfalls nicht abgedeckt. Achtung: Bei manchen Anbietern können die Beiträge nahezu unbegrenzt steigen. Achten Sie auf entsprechende Klauseln - oder schalten Sie einen Experten ein.

Vergleich Multi-Risk-Versicherung und Berufsunfähigkeitspolice (BU)

Kriterien Multi-Risk-Police BU-Police
Wann wird gezahlt? Im Falle von vorab definierten schweren Krankheiten, beim Verlust wichtiger Fähigkeiten, bei Pflegebedürftigkeit und oft nach Unfällen. Wenn aus gesundheitlichen Gründen der Beruf nicht mehr ausgeübt werden kann.
Psychische Erkrankungen mitversichert? nein Ja
Auszahlung Einmalzahlung oder Rente Rente
Kosten Bei manchen Policen nahezu unbegrenzte Betragserhöhungen möglich. Klar vereinbart.
Gesundheitsprüfung Ja, aber weniger streng Ja

moneymeets-Tipp: Knapp 2.400 Euro gab der Durchschnittsdeutsche 2016 für Versicherungen aus – Beiträge zur gesetzlichen Renten-, Kranken- Pflege- und Arbeitslosenversicherung nicht eingerechnet. Die meisten können einige Hundert Euro sparen. Denn manche Policen kosten Geld, bieten aber kaum zusätzlichen Schutz. Andere hingegen sind wichtig. Sie sollten nicht darauf verzichten. Erfahren Sie im großen Versicherungs-Sparratgeber, welche Verträge Experten für überflüssig und welche für sinnvoll halten und warum. Erfassen Sie zudem Ihre Policen in der Finanzübersicht von moneymeets und lassen Sie deren Qualität analysieren.

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Fazit

Checkliste

  • Prüfen Sie, ob eine klassische Berufsunfähigkeitsversicherung für Sie infrage kommt. Ist das der Fall, so ist ein Abschluss in der Regel die beste Alternative.
  • Werden Sie abgelehnt, sollten Sie besser einen Experten einschalten.
  • Psychische Krankheiten sind statistisch gesehen der häufigste Grund für eine Invalidität. Sie werden aber nur durch eine Erwerbsunfähigkeitsversicherung mitversichert.
  • Gibt es in Ihrer Familie immer wieder auftretende Fälle bestimmter Krankheiten wie Krebs kann eine Dread-Disease-Police Sinn machen.
  • Bei Multi-Risk-Versicherungen können Fallstricke auftreten.

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