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In Kürze

  • Es gibt eine Vielzahl von Zertifikaten, mit denen Anleger unterschiedliche Strategien verfolgen können.
  • Mit ausgewählten Papieren können Investoren auch auf sehr kleine Märkte setzen und von steigenden und fallenden Kursen profitieren.
  • Jedes Papier hat im Gegensatz zu Fonds aber ein Emittentenrisiko: Wenn das Unternehmen, das das Zertifikat aufgelegt hat, Insolvenz anmeldet, droht der Verlust des eingesetzten Kapitals.
  • Zudem bilden Zertifikate Märkte meist nicht nach, indem sie beispielsweise Aktien oder Anleihen kaufen. Sie nutzen stattdessen derivative Anlageinstrumente wie Optionen.
  • Interessierte können Zertifikate entweder bei der emittierenden Bank oder über die Börse kaufen.
  • Unterm Strich eignen sich die meisten Zertifikate vor allem für erfahrene Anleger.
Zertifikate eignen sich eher für erfahrene Anleger.

Zertifikate eignen sich eher für erfahrene Anleger.

Mit Zertifikaten können Anleger auf die Preisentwicklung von Wertpapieren, Rohstoffen, Währungen und anderen Basiswerten setzen, ohne diese selbst erwerben zu müssen. Sowohl für konservative als auch spekulative Investoren gibt es passende Produkte.

Zertifikate erfreuen sich bei Anlegern höchster Beliebtheit: 2017 lag das Handelsvolumen alleine in Deutschland bei rund 835 Milliarden Euro. Mehr als eine Million verschiedene Papiere können hierzulande laut Angaben des Deutschen Derivate-Verbandes an den Börsen gehandelt werden. Der größte deutsche Emittent ist die DZ Bank mit 70.685 Produkten (Stand: 22.02.2018).

Das Angebot reicht von Garantievarianten für sicherheitsorientierte Investoren bis zu hochspekulativen Hebelpapieren, die um ein vielfaches des Wertes des zugrundeliegenden Basiswertes schwanken.

Was ist ein Zertifikat?

Zertifikate gehören zur Anlageklasse der Derivate (von lat. derivare, „ableiten“). Das bedeutet, ihr Wert hängt von der Wertentwicklung anderer Anlageobjekte, sogenannter Basiswerte, ab. Sie können nicht nur die Entwicklung einzelner Aktien abbilden, sondern – ähnlich wie Fonds – auch die von Aktienindizes wie dem DAX, Anleihen, Rohstoffen oder Währungen.

Rechtlich gesehen gelten Zertifikate genau wie Anleihen als Schuldverschreibungen. Ein maßgeblicher Unterschied ist aber, dass Anleger bei Zertifikaten keine regelmäßigen Zinszahlungen erhalten, sondern lediglich am Erfolg oder Misserfolg des zugrundeliegenden Basiswertes teilhaben.

Vorteile von Zertifikaten?

Zertifikate ermöglichen es Privatanlegern, auch in oft schwer zugängliche Anlageklassen zu investieren. Dazu zählen etwa Rohstoffe, Devisen oder sehr kleine Aktienmärkte. Doch damit nicht genug: Wer auf stagnierende oder leicht fallende Kurse setzen will, der kann Discount-Zertifikate dafür nutzen. Spekulative Anleger, die starke Kursbewegungen erwarten, können in Hebelzertifikate investieren.

Mit Zertifikaten lässt sich allgemein auf Marktentwicklungen nach oben und unten spekulieren. Der Investor sucht sich abhängig von seiner individuellen Markteinschätzung den passenden Titel aus. Unterschiedlichste Rendite-Risiko-Profile lassen sich abbilden.

Zertifikate eignen sich wegen ihrer Komplexität aber vor allem für erfahrene Investoren, die schon länger an den Börsen aktiv sind.

Auf Grund der großen Vielfalt ist es schwierig, das beste Papier ausfindig zu machen. Eine gute Hilfestellung bieten die themenspezifischen Seiten des Handelsblattes und von OnVista.

Risiken von Zertifikaten

Bei Zertifikaten tragen Investoren je nach Zertifikatetyp unterschiedliche Kurs- oder Marktrisiken. Darüber hinaus gibt es einige spezielle Risiken zu beachten.

Emittentenrisiko

Da Zertifikate in rechtlicher Hinsicht als Schuldverschreibungen gelten, müssen Anleger damit rechnen, dass sie ihr eingesetztes Kapital verlieren können, wenn der Herausgeber des Papiers insolvent wird.

Ein prominentes Beispiel lieferte die letzte globale Finanzkrise: So musste mit Lehman Brothers erstmals ein Herausgeber von Zertifikaten Konkurs anmelden. Vermeintlich sichere Garantiezertifikate wurden so von einem Tag auf den anderen wertlos. Da Ratingagenturen die Finanzkraft von Lehman Brothers trotz der heiklen Lage noch bis zur Pleite durchweg positiv bewerteten, gab es für Investoren kaum Indizien, die auf Probleme des Unternehmens hinwiesen.

Es ist daher sinnvoll, sich nicht nur auf Ratings verlassen, um die Zahlungsfähigkeit eines Emittenten einschätzen zu können. Sogenannte Credit Default Swaps liefern tagesaktuell Aufschluss über die Bonität von Emittenten.

Risikopuffer beachten

Viele Zertifikate-Arten bieten die Möglichkeit, sich durch vertraglich festgelegte Risikopuffer vor Verlusten zu schützen. Dabei handelt es sich um einen individuell festgelegten Prozentwert, den das Papier an Wert verlieren darf, ohne dass der Anleger am Verlust teilnehmen muss.

Ein Risikopuffer von 30 Prozent bietet in normalen Marktphasen etwa bei einem Bonus-Zertifikat meist ausreichenden Schutz vor Rückschlägen. Doch während der Finanzkrise fielen die Kurse vieler Aktien zeitweise um 50 Prozent und mehr. Damit verloren Inhaber von Bonus-Zertifikaten ihren Anspruch auf die Bonuszahlung und machten die Abwärtsentwicklung der Basiswerte voll mit.

Die beliebtesten Zertifikate-Typen

Etwa 70 Milliarden Euro haben Anleger hierzulande den Zertifikate-Emittenten anvertraut. Dabei gibt es klare Favoriten:

Garantie-Zertifikate

Diese Produkte sind hierzulande sehr beliebt. Etwa 22 Milliarden Euro sind in diesem Segment investiert. Sie sichern Käufern zum Ende der Laufzeit – meist sind dies mehrere Jahre – eine Auszahlung in Höhe des eingesetzten Kapitals zu. Außerdem besteht oft die Chance auf eine Zusatzrendite, die aber stark von den jeweiligen Zertifikatsbedingungen abhängt. Die Garantie gibt es allerdings nicht kostenlos. Entweder partizipieren Inhaber solcher Papiere nur zum Teil an Zuwächsen des Basiswertes oder die Emittenten verlangen hohe Gebühren, welche die Rendite erheblich mindern.

Garantiezertifikate können sich auf einen Index, auf Zinssätze, Rohstoffe oder auch bunt zusammengewürfelte Aktienkörbe beziehen. Die Rückzahlung des Kapitals zum Ende der Laufzeit ist gesichert, sofern der Emittent in der Zwischenzeit nicht pleite geht. Während der Laufzeit können die Kurse schwanken und auch unterhalb des Einstandspreises liegen. Wer also zwischenzeitlich Garantiezertifikate verkauft, muss mögliche Verluste in Kauf nehmen.

Express-Zertifikate

Etwa elf Milliarden Euro haben die Deutschen in diese Papiere investiert, bei denen sie eine vorab definierte Rendite erhalten, wenn ein Index an bestimmten Stichtagen mindestens auf dem Niveau des Ausgabedatums notiert. In solchen Fällen endet die Laufzeit vorzeitig und die Investoren bekommen ihr Geld zuzüglich Zinsen zurückgezahlt. Notiert das Papier an einem dieser festgelegten Termine unterhalb des Ausgabepreises, so besteht an weiteren jährlichen Stichtagen die Chance auf Rückzahlung. Dabei steigt der Zins in der Regel mit jedem Jahr der Laufzeit an. Wenn das Anlageziel bis zum Ende der Laufzeit nie erreicht wird, drohen Verluste.

Aktienanleihen

Die Zinsen sind derzeit mager. Auch aus diesem Grund hielten die Deutschen im ersten Quartal 2017 Aktienanleihen im Wert von rund neun Milliarden Euro. Für diese Papiere ist meist die Kursentwicklung einer Aktie oder eines Aktienindizes ausschlaggebend. Anlegern wird aber vor allem eine Zinszahlung angeboten, die meist deutlich über dem üblichen Niveau liegt. Die Rendite hängt aber davon ab, wie das Kapital zurückbezahlt wird: Notiert der Basiswert, also etwa eine Aktie, am Laufzeitende über einem vorab festgelegten Niveau, erhält der Investor das Kapital zurück. Liegt der Kurs aber darunter, bekommt er Aktien geliefert und zwar in einer vorab vereinbarten Stückzahl. Unterm Strich kann der Investor dann viel Geld verlieren.

Discount-Zertifikate

Mit solchen Papieren erwerben Investoren eine Aktie zu einem Preis, der unter dem aktuellen Börsenkurs liegt. Die Rückzahlung orientiert sich dagegen am Börsenwert zum Ende der Laufzeit. Dank dieser Konstruktion können Anleger mit Discount-Zertifikaten sogar bei leicht fallenden Kursen positive Renditen erzielen. Die Papiere eignen sich deshalb vor allem für stagnierende und leicht fallende Märkte. Der Haken: Steigen die Kurse entgegen den Erwartungen stark an, profitieren Käufer nur begrenzt davon. Ab einem vorher festgelegten Höchstkurs, dem sogenannten Cap, sind sie nicht mehr an steigenden Kursen beteiligt.

Index-Zertifikate

Mit diesen Produkten begann im Jahr 1990 die Erfolgsstory der Branche. Sie bilden die Entwicklung von Börsenindizes wie dem DAX oder dem Dow Jones eins zu eins ab. Investoren partizipieren an Kurszuwächsen, machen aber auch Bewegungen nach unten voll mit. Die Entwicklung ist bei populären Indizes wie dem Euro Stoxx 50 leicht nachvollziehbar. Doch Achtung: Anleger sollten Papiere bevorzugen, bei denen sie in den Genuss der Dividenden kommen. Daher gilt es, vor allem Zertifikate auf Performance-Indizes zu kaufen.

Strategie-Zertifikate

Strategie-Zertifikate bieten die Möglichkeit, bestimmte Strategien – vornehmlich an Aktienmärkten – zu verfolgen. Das Geld wird dabei nach einem genau festgelegten Ansatz investiert, wie zum Beispiel der Dividendenstrategie. In diesem Fall würden Aktien mit konstant hohen Ausschüttungen bevorzugt. Andere Strategiezertifikate investieren etwa nach einem saisonalen Ansatz oder setzen auf Übernahmekandidaten. Das Ziel ist stets, eine bessere Rendite zu erzielen als ein herkömmlicher Aktienindex.

Bonus-Zertifikate

Diese Papiere bieten sich an, wenn ein Investor mit steigenden Kursen einer Aktie oder eines Indexes rechnet, aber auch moderate Rückschläge nicht ausschließt, denn sie sind mit einem Risikopuffer ausgestattet. Wird eine fixe Kursschwelle nicht unterschritten, kassieren Investoren eine vorab definierte Bonuszahlung. Wird der vereinbarte Kurs allerdings unterschritten, entfällt die Bonuszahlung und die Rückzahlung orientiert sich an der Performance der zugrundeliegenden Aktie. Von Kursanstiegen profitieren Investoren uneingeschränkt. Um die Struktur zu finanzieren, müssen Anleger aber auf die Dividenden verzichten. Mit „Reverse“-Bonuszertifikaten können Anleger auch auf fallende Kurse setzen. Der Mechanismus wirkt dann genau umgekehrt. Das heißt, die Kursschwelle liegt oberhalb des Einstiegskurses.

Hebel-Zertifikate

Bei dieser Variante profitieren Investoren überproportional von der Kursentwicklung eines Basiswertes. Dabei kann es sich um eine Aktie, einen Index, Zinsen oder auch eine Währung handeln. Bei einem Hebel von fünf verdoppelt sich der Wert des Zertifikats, wenn der Basiswert um 20 Prozent steigt. Allerdings drohen entsprechend hohe Verluste, wenn die Entwicklung in die andere Richtung geht. Mit Hebel-Zertifikaten lässt sich auf steigende und fallende Kurse setzen. Wird eine bestimmte Schwelle, die sogenannte Knock-out-Grenze, unterschritten, verfällt das Hebel-Zertifikat wertlos. Bei einigen Anbietern gibt es neben dieser Schwelle einen Stopp-Loss-Kurs. Wird dieser erreicht, wird der Restwert des Zertifikats ausgezahlt.

Screenshot Anlagestrategie Detailansicht

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Wo kann ich Zertifikate handeln?

Anleger, die Zertifikate erwerben möchten, haben grundsätzlich zwei Optionen: Entweder sie kaufen das Zertifikat ihrer Wahl direkt bei der emittierenden Bank oder über die Börse.

Eine Besonderheit im Vergleich zu anderen Wertpapieren ist, dass der Emittent jederzeit marktgerechte Rücknahmekurse stellt. Das hat den Vorteil, dass das Papier selbst bei völlig illiquiden Märkten problemlos wieder verkauft werden kann.

Fazit

  • Zertifikate eignen sich vor allem für erfahrene Anleger.
  • Die Papiere ermöglichen es Investoren, auch auf sehr exotische Märkte zu setzen und auf das Fallen oder auf eine Seitwärtsbewegung von Märkten zu spekulieren.
  • Es gibt jedoch eine Vielzahl von Produkten, die gehandelt werden und die es einzuschätzen gilt.
  • Zudem haben Zertifikate wie Anleihen ein Emittentenrisiko. Ist also das Unternehmen, das das Zertifikat aufgelegt hat, insolvent, sind Zertifikate-Inhaber nicht geschützt.
  • Zu kaufen sind Zertifikate entweder bei der emittierenden Bank oder über die Börse.

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