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In Kürze

  • Termingeschäfte sollen dem Schutz vor Preisänderungen dienen. Sie werden eingesetzt, wenn das eigentliche Geschäft einige Zeit in der Zukunft liegt. Oftmals werden sie aber auch zur Spekulation verwendet.
  • Die Ware oder das Produkt, das Gegenstand des Vertrags ist, wird als Basiswert bezeichnet. Der Zeitpunkt des Kaufs oder Verkauf des Basiswertes und dessen Preis werden beim Abschluss des Vertrags festgelegt.
  • Für manche Termingeschäfte, wie Futures und Optionen, gibt es einen Börsenhandel. Andere hingegen (z.B. Forwards) werden nur außerbörslich gehandelt.
  • Fondsanleger investieren in Managed Futures.
  • Der Handel findet an Terminbörsen wie der EUREX oder der Chicago Merkantile Exchange statt.
Die Chicago Merkantile Exchange ist die größte Terminbörse der Welt.

Die Chicago Merkantile Exchange ist die größte Terminbörse der Welt.

Die Preise für Handelswaren und Finanzprodukte verändern sich stetig. Mithilfe von Termingeschäften kann das Risiko ungünstiger Preisentwicklungen eliminiert werden. Damit versuchen Käufer und Verkäufer sich Planungssicherheit für Geschäfte zu verschaffen, die erst zu einem späteren Zeitpunkt realisiert werden.

Termingeschäfte haben eine lange Geschichte. Schon 1617 wurde in Amsterdam die erste Terminbörse eröffnet. Ihr ursprüngliches Ziel war, durch entsprechende Vereinbarungen zwischen Käufer und Verkäufer, das Risiko von Preisänderungen bei Handelswaren auszuschalten.

Doch oftmals werden Termingeschäfte zu Spekulationszwecken genutzt, was bereits in der Vergangenheit zu zahlreichen Krisen führte. Die erste gut dokumentierte Krise, die durch den spekulativen Einsatz solcher Finanzinstrumente verursacht wurde, war die sogenannte „Tulpenblase“ in den Niederlanden zwischen 1630 und 1637.

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Was ist ein Termingeschäft?

Bei einem Termingeschäft schließen zwei Parteien einen Vertrag ab, der erst zu einem bestimmten Termin in der Zukunft erfüllt wird. Diesen Zeitpunkt legen die Vertragspartner individuell fest. Die Ware oder das Produkt, das Grundlage des Vertrags ist, wird als „Basiswert“ bezeichnet. Das können Aktien oder andere Wertpapiere, Edelmetalle, Rohstoffe, Währungen oder auch Lebensmittel sein. Der Preis, zu dem der Basiswert gekauft oder verkauft werden soll, wird direkt bei Vertragsabschluss festgelegt. Da sich der Wert eines Termingeschäfts vom jeweiligen Basiswert ableitet, zählen diese Finanzinstrumente zu den Derivaten (von lat. derivare, „ableiten“).

Beispiel: Ein Bauer möchte seine kürzlich gepflanzten Kartoffeln gewinnbringend verkaufen. Der Käufer, ein lokaler Supermarkt, möchte möglichst wenig für die Kartoffeln zahlen. Nach zähen Verhandlungen einigen sich beide auf einen Preis von 50 Cent pro Kilogramm. Da die Kartoffeln jedoch erst in einigen Monaten erntereif sind, vereinbaren sie, dass die Lieferung erst in einem halben Jahr erfolgen soll. Der Vorteil dieses Geschäftes: Beide Seiten haben die Sicherheit, dass die Kartoffeln in genau sechs Monaten zum vereinbarten Preis den Besitzer wechseln und das unabhängig davon, wie sich die Marktpreise entwicklen.

Wie das Beispiel zeigt, sollen Termingeschäfte also beiden Vertragspartnern Planungssicherheit ermöglichen. Da solche Instrumente jedoch vielfach zur Spekulation genutzt wurden und immer noch werden, stehen sie in der Kritik. Organisationen wie ATTAC und OXFAM beispielsweise werfen den Akteuren an den Finanzmärkten vor, durch ihre Wetten auf steigende oder fallende Lebensmittelpreise bewusst die Preise von Grundnahrungsmitteln in die Höhe zu treiben.

Arten von Termingeschäften

Es gibt verschiedene Arten von Termingeschäften, die sich hauptsächlich durch die vertragliche Ausgestaltung und die Art des Handels unterscheiden:

  • Futures
  • Forwards
  • Optionen

Futures

Hier handelt es sich um ein sogenanntes unbedingtes Termingeschäft. Beide Vertragspartner vereinbaren eine bestimmte Menge eines Basiswertes zu einem bestimmten Zeitpunkt in der Zukunft und zu einem bestimmten Preis zu kaufen bzw. zu verkaufen. Als „unbedingt“ wird diese Art von Termingeschäft bezeichnet, weil eine Pflicht zur Ausübung besteht. In der Regel werden Futures jedoch entweder vor Fälligkeit verkauft oder durch entsprechende Gegengeschäfte „glattgestellt“. So kann zum Beispiel eine Kaufposition („Long“) mit der passenden Verkaufsposition („Short“) glattgestellt werden.

Um sicherzustellen, dass sie an der Börse gehandelt werden können, sind solche Verträge standardisiert. Anhand des zugrundeliegenden Basiswertes unterscheidet man zwischen Financial Futures (bei Wertpapieren wie Aktien als Basiswert) und Commodity Futures (bei Rohstoffen als Basiswert). Da die Preise der Basiswerte tagtäglich schwanken, müssen beide Vertragspartner bei Abschluss eine Sicherheitsleistung auf einem separaten Konto hinterlegen. Diese macht aber nur einen Bruchteil des Volumens des gehandelten Wertes aus und ermöglicht auf diese Art mit Summen zu handeln, die das eigene Vermögen bei Weitem übersteigen. Der volle Wert des Kontraktes wird erst bei Fälligkeit abgerechnet, vorher müssen nur die Sicherheitsleistungen hinterlegt werden.

Forwards

Forwards sind ähnlich aufgebaut wie Futures, allerdings werden Sie nicht an der Börse gehandelt. Sie zählen zu den sogenannten OTC-Geschäften (engl.„over the counter“). Grundsätzlich werden die Konditionen solcher Kontrakte zwischen den Vertragspartnern individuell vereinbart.

Die genauen Konditionen bei einem Forward machen die beiden Vertragsparteien unter sich aus.

Die genauen Konditionen bei einem Forward machen die beiden Vertragsparteien unter sich aus.

Optionen

Mit dem Kauf einer Option erwerben Sie das Recht, den zugrundeliegenden Basiswert (z.B. eine Aktie) zu einem bestimmten Zeitpunkt in der Zukunft zu einem jetzt schon festgelegten Preis zu kaufen oder zu verkaufen. Optionen werden allgemein als bedingte Termingeschäfte bezeichnet, da Sie nicht dazu verpflichtet sind, Ihr Kaufs- oder Verkaufsrecht auszuüben.

Wenn Sie erwarten, dass der Kurs der Aktie steigt, erwerben Sie eine Kaufoption (auch Call genannt). Wenn Sie bei Fälligkeit die Aktien geliefert bekommen, können Sie diese anschließend zum höheren aktuellen Preis verkaufen. Erwarten Sie hingegen sinkende Kurse, sollten Sie eine Verkaufsoption erwerben (auch Put genannt). So können Sie die Aktien bei Fälligkeit teurer verkaufen als sie aktuell gehandelt werden. Die zweite Variante setzt natürlich voraus, dass Sie die Aktien zum Fälligkeitstermin auch besitzen.

Ihr anfänglicher Kapitaleinsatz beschränkt sich auf die Zahlung der sogenannten Optionsprämie. Diese ist der Preis dafür, dass Sie die Wahl haben, die Option auszuüben oder nicht, je nachdem, ob es sich für Sie lohnt. Sie müssen eine Option jedoch nicht bis zur Fälligkeit behalten, sondern können diese jederzeit über die Börse verkaufen.

Für Fondsanleger: Managed Futures

Bei dieser Spezialform von Investmentfonds fokussieren sich Fondsmanager auf die Geldanlage in Futures, Optionen oder andere Finanzderivate. Der Sinn solcher Fonds ist es, von Trends an den Finanz- und Rohstoffmärkten zu profitieren, ohne die zugrundeliegenden Werte direkt erwerben zu müssen.

Grundsätzlich wird bei Managed Futures zwischen vier verschiedenen Strategien unterschieden:

Long-Term-Trendfolge: Hier wird der Markt über Monate oder gar Jahre beobachtet, und alle Kaufs- und Verkaufsentscheidungen beziehen sich auf diesen langfristigen Zeitraum.

Short-Term-Trendfolge: Basis dieser kurzfristig orientierten Strategie sind lediglich die Kursbewegungen innerhalb eines Handelstages.

FX-Trading: Diese Strategie beschäftigt sich mit dem Handel im Forex-Markt. Forex steht für “Foreign Exchange Market” und beschreibt den Markt für Devisen, also ausländische Zahlungsmittel.

Global-Macro-Strategie: Grundlage dieser Strategie sind die Entwicklungen an internationalen Märkten. Das Fondsmanagement beobachtet gesellschaftliche und politische Trends, Währungsschwankungen und Zinsentwicklungen in verschiedenen Ländern und reagiert entsprechend auf diese.

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Wofür nutzen Privatanleger Termingeschäfte?

Genau wie Unternehmen können auch private Anleger mit Hilfe von Termingeschäften Risiken absichern („Hedging“). Wer beispielsweise Urlaub außerhalb des europäischen Währungsraumes machen möchte, der sollte die Wechselkurse im Blick behalten. Steht der Kurs gerade besonders günstig, bietet es sich an, sich mittels eines Devisenterminkontraktes gegen eine negative Entwicklung abzusichern.

Folgendes Beispiel verdeutlicht, wie sehr sich Wechselkursänderungen auf den finanziellen Spielraum im Ausland auswirken können:

Familie Müller plant ihren Urlaub in Norwegen zu verbringen. Ihr Budget liegt bei 2.000 Euro. Zum Zeitpunkt der Planung würden sie für einen Euro zehn Norwegische Kronen erhalten. Als sie – kurz vor Beginn der Reise – bei ihrer Hausbank ihr Geld in Kronen umtauschen wollen, hat sich der Wechselkurs so verändert, dass sie nun nur noch acht Kronen für einen Euro erhalten. Durch die Änderung des Wechselkurses ist der Urlaub auf einen Schlag um zwanzig Prozent teurer geworden. Statt 20.000 Kronen erhält Familie Müller für ihre 2.000 Euro nun nur noch 16.000. Ohne eine Absicherung gegen Wechselkursschwankungen bedeutet das für Familie Müller: Entweder sie treten im Urlaub finanziell kürzer oder sie zahlen noch einmal 500 Euro zusätzlich, um die ursprünglichen 20.000 Kronen zu erhalten.

Auch für Immobilienfinanzierer können Termingeschäfte sinnvoll sein. Wenn die Festzinsbindung eines Darlehens in absehbarer Zeit abläuft, bieten Forward-Darlehen die Möglichkeit, sich den aktuellen Zinssatz (zuzüglich eines individuellen Aufschlags) bis zu fünf Jahre im Voraus zu sichern und so möglichen Zinserhöhungen zu entgehen.

Wo findet der Handel statt?

Der Handel mit Futures und Optionen findet an darauf spezialisierten Börsen, den sogenannten Terminbörsen statt. In Deutschland ist das die EUREX, die 1998 aus dem Zusammenschluss der DTB (Deutsche Terminbörse) und der SOFFEX (Swiss Options and Financial Futures Exchange) hervorging. Mit einem Volumen von 1,68 Milliarden gehandelten Kontrakten in 2017 ist die EUREX eine der größten Terminbörsen der Welt. Weitere große Vertreter dieses Börsensegments sind die Chicago Merkantile Exchange, die Korea Exchange und die NYSE Euronext.

Fazit

  • Termingeschäfte dienen grundsätzlich dazu, das Risiko von Preisänderungen auszuschalten.
  • Gegenstand von Termingeschäften können Aktien oder andere Wertpapiere, Edelmetalle, Rohstoffe, Währungen oder auch Lebensmittel sein. Diese werden als Basiswert bezeichnet.
  • Das tatsächliche Geschäft findet zu einem vereinbarten Zeitpunkt in der Zukunft statt und der Preis für den Basiswert wird bei Vertragsabschluss festgelegt.
  • Die gängigsten Termingeschäfte sind Forwards, Futures und Optionen. Für Fondsanleger eignen sich Managed Futures.
  • Der Handel mit Futures und Optionen findet an Terminbörsen wie der Eurex statt.

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