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In Kürze

  • Seit 1997 sind börsengehandelte Indexfonds (ETFs) in Deutschland erhältlich. Seit 2000 können sie an der Börse gehandelt werden. Mehr als 3.000 Produkte wurden seither zugelassen.
  • ETFs partizipieren nahezu eins zu eins an der Wertentwicklung des zugrunde liegenden Basiswerts.
  • Die Kosten der ETFs sind niedriger als bei herkömmlichen Investmentfonds, wo Fondsmanager das Vermögen aktiv verwalten.
  • ETFs steigen und fallen mit einem Markt. Ein aktiver Fondsmanager versucht, besser abzuschneiden. Dafür sind die Gebühren etwas höher.
  • Je spezieller ein Marktsegment, desto eher lohnt ein aktiv gemanagter Investmentfonds von guter Qualität.
  • ETFs können insbesondere bei Marktrückschlägen gefährliche Nebenwirkungen haben.
ETFs sind passiv gemanagte Fonds, die in der Regel Indizes nachbbilden.

ETFs sind passiv gemanagte Fonds, die in der Regel Indizes nachbbilden.

Was sind Exchange Traded Funds (ETFs)?

Der Markt für börsengehandelte Indexfonds (ETFs) wächst. Doch wie funktionieren ETFs, wann lohnen Investments und wann sollten Anleger ihr Geld besser in die Hände eines Fondsmanagers geben? Ein Vergleich aktiv gegen passiv.

Exchange Traded Funds (ETFs) konnten in den vergangenen zehn Jahren so große Erfolge verzeichnen wie kein anderes Finanzprodukt. Das in Europa verwaltete ETF-Vermögen stieg in diesem Zeitraum von 40 auf mehr als 500 Milliarden Euro an. ETFs sind sowohl bei privaten als auch bei institutionellen Anlegern beliebt. Der Grund dafür ist vor allem die günstige Kostenstruktur.

ETFs sind börsengehandelte Indexfonds. Sie bilden in ihrer Zusammensetzung einen Börsen- oder Branchenindex ab, wie etwa den deutschen Aktienindex DAX. Der erste Indexfonds wurde 1971 von der US-amerikanischen Bank Wells Fargo aufgelegt, war aber ausschließlich institutionellen Investoren vorbehalten. Vier Jahre später legten John Bogle und Burton Malkiel, Gründer der US-Investmentgesellschaft Vanguard, den ersten Indexfonds für Privatanleger auf.

Breites Angebot an ETFs

In Deutschland mussten zunächst die rechtlichen Rahmenbedingungen für die Zulassung von ETFs geschaffen werden. Seit sie im Jahr 2000 an deutschen Börsen gehandelt werden dürfen, erfreuen sie sich zunehmender Beliebtheit: Mehr als 3.000 ETFs sind laut der Fondsratingagentur Morningstar hierzulande zugelassen. Mit diesen Fonds haben Sie die Möglichkeit in verschiedene Regionen, Branchen oder Anlageklassen (z.B. Aktien, Anleihen, Immobilien oder Rohstoffe) zu investieren.

ETFs bilden meist einen Index eins zu eins ab. Sie machen also jede Bewegung nach oben oder unten mit. Dagegen entscheidet bei einem aktiv gemanagten Fonds der Manager über die Auswahl der Einzeltitel. Daher sind ETFs, die keiner intensiven Suche nach vielversprechenden Investments und daher auch keinerlei Manager benötigen, kostengünstiger als aktiv gemanagte Fonds. Indexprodukte sind dennoch nicht immer die beste Wahl.

Chancen von ETFs

Grundsätzlich gilt es in jeder Anlagekategorie zu vergleichen: Gibt es aktive Fonds mit Spitzenrating, die dauerhaft den Vergleichsindex schlagen? – Das sind oft nur wenige Produkte, die aber in vielen Fällen jahrelang weit vorne rangieren. Bei solchen Spitzenreitern gleicht der Mehrertrag die höheren Fondsgebühren oft wieder aus. Als Faustformel für ein Investment in Indexfonds gilt:

Es ist immer dann sinnvoll in ETFs zu investieren, wenn es in einem Markt nur wenige oder keine Fonds gibt, die ihren Vergleichsindex schlagen.

Je exotischer hingegen die Anlageklasse ist, desto eher kann ein aktiv gemanagter Fonds lohnen. Bei Nebenwerten oder in Schwellenländern (Emerging Markets) ist es für Fondsmanager oft leichter, echte Perlen zu finden, weil deutlich weniger Analysten die Aktien beobachten.

Aktiv gemanagte Fonds verursachen höhere Verwaltungskosten, bei passiven Indexfonds sind die Kosten niedriger, die Renditen hingegen liegen im Marktdurchschnitt. (© Thomas Reimer)

Aktiv gemanagte Fonds verursachen höhere Verwaltungskosten, bei passiven Indexfonds sind die Kosten niedriger, die Renditen hingegen liegen im Marktdurchschnitt. (© Thomas Reimer)

Profis setzen zudem ETFs ein, wenn sie kurzfristig auf ein Anlagesegment spekulieren und die Gebühren gering halten wollen. Doch in vielen Fällen ist die Wahl zwischen ETFs und aktiven Fonds auch einfach Geschmacksache. Jeder Anleger sollte sich vor einem Investment den zugrundeliegenden Index des ETFs immer genau ansehen. Wichtig ist zum Beispiel, ob es sich um einen Performance- oder einen Kursindex handelt. Die erste Variante berücksichtigt Dividenden, die zweite nicht.

Vorteile aktiver und passiver Fonds im Vergleich

Vorteile von Indexfonds (ETFs) Vorteile aktiver Fonds
Sie können jederzeit an der Börse gehandelt werden. Die Fondsmanager beobachten die Entwicklungen auf den Märkten stetig und reagieren auf Veränderungen.
Aufgrund des entfallenden Managementaufwands fallen geringere Kosten an. Die Anlageentscheidungen erfolgen auf Basis fundierter Recherche.
Die Zusammensetzung von ETFs ist auch für Außenstehende erkennbar, daher bieten sie höchstmögliche Transparenz. Die Renditen können über dem Marktdurchschnitt liegen.
Es gibt keine Kündigungsfristen wie z.B. bei Immobilienfonds. Bei allgemeinen Marktrückschlägen können Fondsmanager durch clevere Umschichtungen Verluste begrenzen.

Kritik an ETFs

Wie aktive Fonds sind auch ETFs im Pleitefall des Emittenten geschützt. Anleger aktiver Fonds müssen zusätzlich zum Marktrisiko zudem noch damit rechnen, dass ihr Fondsmanager schlechter abschneidet als der Markt und somit die Gebühren womöglich nicht wert ist. ETF-Investoren haben letzteres Risiko zwar nicht, dennoch lauern einige Gefahren:

  • Marktrückschläge
  • Swap-Geschäfte
  • Flash-Crash
  • Trendverstärker

Marktrückschläge: „Gerade in Krisenzeiten zeigen aktive Fonds ihre Stärken“, schreibt Greg Meier, Vice President US Capital Markets Research & Strategy bei Allianz Global Investors. So schnitten nach dem Platzen der Technologieblase von 2000 bis 2002 und während der Finanzkrise 2008 bis 2009 aktive Fondsmanager bei US-Standardaktien um 471 beziehungsweise 100 Basispunkte besser ab als der Vergleichsindex. Wenn es also an den Märkten zu Rückschlägen komme, seien passive Anlagevehikel dem vollen Abwärtsrisiko des jeweils nachgebildeten Index ausgesetzt.

Swap-Geschäfte: Herkömmliche ETFs bilden den Index nach, indem sie die Wertpapiere kaufen, deren Wertentwicklung gespiegelt wird. In manchen Fällen wie beim MSCI World kaufen sie nicht alle 1.600 Titel, sondern womöglich nur 1.000. Bei synthetisch replizierenden ETFs besteht das Fonds­vermögen aus einem Korb beliebiger Wert­papiere, die zwar breit gestreut und zudem handel­bar sein sollten, aber eigentlich nichts mit dem Index zu tun haben müssen, den sie abbilden. Zusätzlich vereinbaren die ETF-Anbieter ein Tausch­geschäft (eng­l. „Swap“) mit einer Bank, welche die Wert­papiere aus dem Index hält. Der Fonds liefert die Wert­entwick­lung seines Wert­papierkorbes und erhält im Gegen­zug die Wert­entwick­lung des Index. Läuft der Index besser als der Aktienkorb, dann steigt der Wert des Swaps und umge­kehrt. Sollte zudem der Tausch­partner pleite­gehen, dann müssten Anleger hoffen, dass sich die Ersatz-Wert­papiere gut entwickeln.

Flash-Crash: Beispielsweise im August 2015 kam es an der Wall Street zu einem Kurs­einbruch, in dessen Folge auch die Kurse von ETFs abstürzten. Das Problem war, dass manche ETFs mehr verloren als die Aktien des Index, was eigentlich nicht sein dürfte. Der Grund: In turbulenten Phasen kann der Handel bestimmter Werte ausgesetzt werden. Können aber die ETFs die Aktien aus einem Index nicht mehr kaufen oder verkaufen, weil sie gerade nicht gehandelt werden, kann es zu diesem erhöhten Wertverlust kommen.

Trendverstärker: Ein weiterer Vorwurf ist, dass ETFs Trends verstärken und somit Crashs verschärfen können. Schließlich kaufen sie den Markt und setzen damit vor allem auf die Titel, die am meisten dazu gewinnen. Die wichtige Kontrollfunktion der Kapitalmärkte nimmt dadurch ab. Je mehr Geld in Indexfonds liegt, desto größer wird die Gefahr von Herdenverhalten.

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Strategie für das ETF-Investment

Vor allem in vielen Aktienfonds-Segmenten stehen sich attraktive aktive Fonds und passive ETFs gegenüber. Auf der Webseite morningstar.de können Anleger beide Produktarten vergleichen. Weil aktiv gemanagte Fonds tendenziell teurer sind als ETFs, lohnt ein Investment nur bei Spitzenfonds, die eine hohe Wahrscheinlichkeit haben, auf Dauer besser abzuschneiden als der Durchschnitt, den ein ETF sehr wahrscheinlich erzielt. Das trifft auf Fonds zu, die Ratingagenturen mit Spitzennoten bewerten und die über mehrere Jahre einen höheren Ertrag erzielt haben als ihre Benchmark.

Sind solche Spitzenfonds verfügbar, dann haben Anleger die Wahl - auch bei den Kosten: So fließt der Ausgabeaufschlag, der einmalig beim Kauf zu zahlen ist, zur Gänze an den Vertrieb. Wer selbst entscheidet und bei moneymeets-Partnerbanken ordert, kann sich diese Gebühr meist zur Gänze ersparen. Zudem mindern jährliche Gebühren die Fondsperformance. Auch davon fließt ein Gutteil in Form von Bestandsprovisionen an den Vertrieb.

ETF für ein Investment auswählen

Wer sich nach dem Studium aller Vor- und Nachteile beim Investment mit Indexfonds für diese Variante der Geldanlage entscheidet, sollte zunächst einige grundsätzliche Fragen beantworten:

  • Welcher Markt soll dem ETF zugrundeliegen?
  • Soll der ETF physisch oder synthetisch sein?
  • Möchten Sie die Dividenden jährlich ausgezahlt bekommen oder reinvestieren?
  • Gibt es einen überdurchschnittlich performenden aktiv gemanagten Fonds, der im Zielmarkt aktiv ist?
  • Ist ein einmaliges oder ein stetiges Investment besser geeignet?

Zuallererst gilt es festzulegen, welchen Index der ETF nachbilden soll. Denkbar sind beispielsweise Investments in DAX-ETFs oder bei Interesse an europäischen Werten in den MSCI Europe. Ist der Markt oder die Branche ausgewählt, sollte entschieden werden, ob der ETF die Werte auch wirklich physisch halten soll oder sie, wie oben beschrieben, synthetisch nachbildet. Die Erträge, welche ein ETF jährlich erzielt, können entweder auf dem Konto des Anlegers landen (ausschüttende ETFs) oder in neue Anteile reinvestiert werden (thesaurierende ETFs).

Entscheidend ist zum Abschluss auch, ob sich nicht doch noch ein aktiv gemanagter Fonds findet, der im angestrebten Markt- oder Branchensegment seit Jahren überdurchschnittliche Erträge erwirtschaftet. In dem Fall ist ein Investment in den aktiven Fonds in Betracht zu ziehen, denn der Mehrertrag rechtfertigt die höheren Kosten.

Cost-Average-Effekt bei ETFs nutzen

Wer sich trotz der Beantwortung all dieser Fragen immer noch nicht hundertprozentig sicher ist, der kann auch stückweise monatlich oder quartalsmäßig in ETFs investieren. Zahlreiche ETFs sind auch als Sparpläne erhältlich. Durch den regelmäßigen Kauf der ETF-Anteile ergibt sich ein weiterer positiver Effekt, der sogenannte Cost-Average-Effekt.

Im Gegensatz zum Einmalkauf, bei dem alle Fondsanteile zum dann geltenden Preis gekauft werden, ist bei einem ETF-Sparplan die regelmäßige Anlagesumme konstant. Abhängig vom Stand des ETF werden für denselben Preis also bei niedrigen Kursen mehr und bei hohen Kursen weniger Anteile gekauft. Gerade in den ersten Monaten des Investments ergibt sich so ein Vorteil gegenüber dem Einmalkauf. Den Cost-Average-Effekt gibt es übrigens nicht nur bei ETF-Sparplänen, sondern auch bei Sparplänen für aktiv gemanagte Fonds.

Fazit

  • ETFs bilden Börsen- oder Branchenindizes nach und folgen daher deren Entwicklung meist eins zu eins.
  • Die Kosten, die bei ETFs anfallen, sind geringer als bei aktiv gemanagten Fonds.
  • ETFs lohnen sich insbesondere, wenn es in einem Markt wenige oder gar keine aktiv gemanagten Fonds gibt, die ihren Vergleichsindex schlagen.
  • Bei Insolvenz ist das Geld der Anleger als Sondervermögen geschützt.
  • In Krisenzeiten schneiden aktive Fonds meist besser ab.

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