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In Kürze

  • Die gesetzliche Rente ist für die meisten Erwerbstätigen der wichtigste Baustein ihrer Altersvorsorge. Im Schnitt kommen 64 Prozent des Alterseinkommens aus der Rente.
  • Die Finanzierung erfolgt nach dem Umlageverfahren: Arbeitnehmer und freiwillig versicherte Selbstständige finanzieren mit ihren Beiträgen die aktuellen Rentenzahlungen.
  • Derzeit steigt das reguläre Renteneintrittsalter schrittweise von 65 auf 67 Jahre. Wer vor Erreichen der Altersgrenze die Rente beantragt, muss Abschläge hinnehmen.
  • Für Rentner fallen die Beiträge zur Arbeitslosen- und zur Rentenversicherung weg. Kranken- und Pflegeversicherung müssen sie aber weiterhin zahlen.
  • Aktuell sind 76 Prozent der gesetzlichen Rente steuerpflichtig (Stand: 2018). Bis 2040 hebt der Gesetzgeber diesen Anteil sukzessive an. Wer ab diesem Jahr aus dem Berufsleben ausscheidet, muss seine Rente in voller Höhe versteuern.
  • Die Rentenhöhe ist vor allem abhängig vom Einkommen und von den Jahren der Erwerbstätigkeit.
  • Das Rentenniveau ist in den letzten Jahren immer weiter gesunken, wodurch zusätzliche betriebliche oder private Altersvorsorge zunehmend wichtiger wird.
Die gesetzliche Rente bildet in Deutschland die Basis der Altersvorsorge.

Die gesetzliche Rente bildet in Deutschland die Basis der Altersvorsorge.

Die Rente als Basis für die Altersvorsorge

Die meisten Bundesbürger können mit einer gesetzlichen Rente rechnen, wenn sie in den Ruhestand gehen. Wie hoch sie ausfällt, richtet sich vor allem nach den Beitragsjahren und der Einkommenshöhe. Derzeit macht die Rente deutschlandweit im Durchschnitt etwa zwei Drittel des Alterseinkommens aus.

Ende 2017 erhielten mehr als 17,5 Millionen Menschen in Deutschland eine gesetzliche Rente. Diese macht durchschnittlich 64 Prozent des Alterseinkommens der Deutschen aus. Ein Standardrentner – also jemand der 45 Jahre lang exakt das Durchschnittseinkommen erzielt hat – kommt in Westdeutschland aktuell auf eine Rente von 1.441 Euro brutto. In den neuen Bundesländern liegt der Betrag mit 1.381 Euro etwas niedriger. In der Realität erhalten viele Rentner allerdings deutlich weniger: Ein großer Teil von ihnen muss mit 800 bis 900 Euro auskommen. Für die meisten Menschen ist die gesetzliche Rente daher nur der Grundbaustein ihrer Altersvorsorge.

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Anspruch auf gesetzliche Rente

Etwa 38 Millionen Menschen in Deutschland sind derzeit aktive Mitglieder der gesetzlichen Rentenversicherung. Dabei handelt es sich hauptsächlich Pflichtversicherte, die entweder selbst Beiträge entrichten oder deren Beiträge von staatlicher Seite übernommen werden. Zur Gruppe der Pflichtversicherten zählen:

  • Arbeitnehmer
  • Auszubildende
  • Bundesfreiwilligendienstleistende
  • Menschen mit Behinderung
  • Studenten mit Nebenjob
  • Mütter und Väter in Elternzeit
  • Bezieher von Kranken- und Arbeitslosengeld
  • Nicht erwerbsmäßig tätige Pflegepersonen
  • Bestimmte Gruppen von Selbstständigen, z.B. Hebammen oder Künstler

Selbstständige, die sich freiwillig gesetzlich versichern, zählen ebenfalls zu den aktiv Versicherten. Im Gegensatz zu den Pflichtversicherten, deren Beiträge zur Hälfte vom Arbeitgeber oder vom Steuerzahler finanziert werden, kommen freiwillig Versicherte für den gesamten Betrag selbst auf.

Dem gegenüber stehen die passiv Versicherten, die in der Vergangenheit einen Anspruch auf Leistungen erworben haben, aber noch keine Rente beziehen. Dazu zählen etwa Hausfrauen, Beamte und Selbstständige, die aktuell keine Beiträge entrichten, dies aber früher getan haben.

Ein Anspruch auf Rentenzahlung besteht sowohl bei Pflichtversicherten als auch bei freiwilligen Mitgliedern der gesetzlichen Rentenversicherung. Die einzige Voraussetzung: Sie müssen mindestens fünf Jahre lang Beiträge gezahlt haben.

Grundsätzlich nicht gesetzlich versichert sind Beamte und Vertreter bestimmter Berufsgruppen wie Ärzte und Rechtsanwälte. Sie unterhalten in der Regel eigene Versorgungswerke. Der Durchschnitt der Beamtenpensionen liegt derzeit bei 2.970 Euro. Darüber hinaus zahlt der Staat im Alter 70 Prozent der Krankheitskosten. Daher ist die finanzielle Not im Alter meist geringer als bei gesetzlich Versicherten.

Finanzierung der Rente

Bei der gesetzlichen Rente kommt das sogenannte Umlageverfahren zum Einsatz. Das bedeutet, dass die Beitragszahler die Bezüge der aktuellen Rentenbezieher finanzieren. Wer heute arbeitet, dessen spätere Rente wird dementsprechend durch die nachfolgenden Generationen finanziert. Damit Versicherte später selbst Ansprüche auf Rentenzahlungen haben, sammeln sie durch ihre Beiträge zur Rentenversicherung während des Erwerbslebens sogenannte Entgeltpunkte. Dieses auf Solidarität ausgerichtete Prinzip ist auch als Generationenvertrag bekannt.

Durch das Umlageverfahren ist die Höhe der Rente an die Lohnentwicklung gekoppelt. Steigt das Durchschnittseinkommen der jetzigen Beitragszahler, so erhöhen sich auch die Zahlungen an die jetzigen Rentner.

Die Regelaltersgrenze liegt für alle Jahrgänge bis 1949 noch bei 65 Jahren. Für alle, die danach geboren sind, steigt sie sukzessive an. Ab dem Jahrgang 1964 greift die neue Regelaltergrenze von 67 Jahren.

So hoch ist der Pflichtbeitrag

Sozialversicherungspflichtige Arbeitnehmer zahlen einen Teil ihres Einkommens in die Rentenversicherung ein. Der Pflichtbeitrag liegt 2018 bei 18,6 Prozent des Bruttoeinkommens. Arbeitnehmer und Arbeitgeber zahlen jeweils die Hälfte. Rentenversicherungspflichtig ist das Einkommen jedoch nur bis zum Erreichen der Beitragsbemessungsgrenze. 2018 liegt diese bei 6.500 Euro monatlich (78.000 Euro p.a.) im Westen Deutschlands und bei 5.800 Euro (69.600 Euro p.a.) in den neuen Bundesländern. Wer mehr verdient, muss auf den Teil des Einkommens, der über diese Grenze hinausgeht, keine Beiträge zahlen.

Höhe der gesetzlichen Rente

Jeder, der mindestens fünf Jahre lang Beiträge in die Rentenkasse einzahlt, hat Anspruch auf eine gesetzliche Rente. Wie hoch diese ausfällt, hängt insbesondere davon ab, wie viele Entgeltpunkte Versicherte im Laufe ihres Erwerbslebens durch ihre Beiträge sammeln.

Zudem ist es möglich, sich bestimmte beitragsfreie Zeiten anrechnen zu lassen. Möglich ist das in folgenden Fällen:

  • Arbeitsunfähigkeit, Krankheit und Rehabilitation
  • Schwangerschaft und Mutterschutzfristen
  • Arbeitslosigkeit
  • Schule und Studium
  • Erziehungszeiten

Wie hoch die Rente ist, die ihnen zusteht und wie sich diese voraussichtlich entwickelt, entnehmen Erwerbstätige ihrer individuellen Renteninformation: Sie weist für jeden Beitragszahler die Höhe der voraussichtlichen Regelaltersrente und einer möglichen Erwerbsminderungsrente aus.

Abgaben auf die Rente

Auch Ruheständler müssen gewisse Sozialabgaben einplanen: Zwar entfallen die Beiträge zur Arbeitslosen- und zur Rentenversicherung, Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge müssen sie aber weiterhin entrichten.

Gesetzlich krankenversicherte Rentner

Wer mindestens 90 Prozent der zweiten Hälfte seines Erwerbslebens gesetzlich krankenversichert war, darf Mitglied der Krankenversicherung für Rentner (KVdR) werden. Ruheständler, die die Aufnahmevoraussetzungen erfüllen, müssen nur auf bestimmte Einkünfte Abgaben entrichten. Jene, die die Aufnahmevoraussetzungen nicht erfüllen, können freiwillige Mitglieder der KVdR werden, sie müssen allerdings auf alle Einkünfte Beiträge zahlen. Die folgende Tabelle zeigt die Unterschiede:

Krankenversicherungsbeiträge als gesetzlich versicherter Rentner

Einkunftsart Pflichtversicherte   Freiwillig Versicherte  
  Beitragspflicht Beitragssatz (in %)* Beitragspflicht Beitragssatz (in %)*
Gesetzliche Rente Ja 7,3 Ja 7,3
Versorgungsbezüge (z.B. Betriebsrente) Ja 14,6 Ja 14,6
Erwerbseinkommen Ja 14,6 Ja 14 oder 14,6 (abhängig von Tätigkeit)
Mieteinnahmen Nein - Ja 14
Zinsen und Dividenden Nein - Ja 14
private Renten Nein - Ja 14

*Versicherte müssen zusätzlich zum allgemeinen Beitragssatz den individuellen Zusatzbeitrag ihrer Krankenkasse zahlen.

Quelle: Deutsche Rentenversicherung Bund

Für die gesetzliche Pflegeversicherung gelten bezüglich der Beitragspflicht die gleichen Regelungen, jedoch müssen Versicherte den Beitrag in voller Höhe selbst tragen. Der allgemeine Beitragssatz liegt für 2018 bei 2,55 Prozent. Kinderlose Versicherte müssen einen Zuschlag von 0,25 Prozent zahlen.

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Privat Krankenversicherte Rentner

Wer im Alter privat krankenversichert ist, kann bei der Deutschen Rentenversicherung einen Zuschuss zur PKV beantragen. Dessen Höhe hängt von der gezahlten Rente und somit auch vom Beitrag ab, der für die gesetzliche Krankenversicherung fällig wäre. Erhält ein Versicherter beispielsweise eine Rente von 2.500 Euro, müsste er 14,6 Prozent davon an seine Krankenkasse zahlen – in diesem Fall also 365 Euro. Davon übernähme die Deutsche Rentenversicherung die Hälfte. Ist der tatsächliche Beitrag zur privaten Krankenversicherung niedriger, zahlt die Rentenversicherung die Hälfte des tatsächlichen Beitrags.

Die Pflegeversicherung müssen auch Privatversicherte allerdings komplett aus eigener Taschen finanzieren. Hier sieht der Gesetzgeber keine Zuschüsse vor.

Steuerpflichtiger Anteil steigt bis 2040

Im Jahr 2005 hat der Gesetzgeber das Alterseinkünftegesetz verabschiedet. Dieses besagt, dass bis zum Jahr 2040 der einkommensteuerpflichtige Anteil der gesetzlichen Rente auf 100 Prozent steigen soll. Wer 2018 in Rente geht, muss 76 Prozent seiner Rente versteuern. Bis 2020 steigt dieser Anteil noch um zwei Prozent jährlich, danach nur noch jeweils um ein Prozent. Jeder Ruheständler zahlt nur für den Anteil seiner Rente Steuern, der im Jahr des Renteneintritts maßgeblich war, Steigerungen sind nicht möglich.

Viele Rentner zahlen jedoch kaum oder gar keine Steuern: Für sie gilt wie auch für Erwerbstätige der allgemeine Grundfreibetrag zur Einkommensteuer. Aktuell liegt dieser bei 9.000 Euro brutto jährlich. Alle Einkünfte unterhalb dieses Betrages sind steuerfrei.

Auch Senioren müssen Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung leisten. Übersteigt die Rente den Grundfreibetrag von derzeit 9.000 Euro, kommen noch Steuern hinzu.

Auch Senioren müssen Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung leisten. Übersteigt die Rente den Grundfreibetrag von derzeit 9.000 Euro, kommen noch Steuern hinzu.

So wird die Rente berechnet

Arbeitnehmer erwerben Rentenansprüche, die auf einem Rentenkonto gesammelt werden. Die genaue Berechnung der Rente folgt einer speziellen Formel:

Die Rentenformel

Monatliche Rente = Zugangsfaktor x Entgeltpunkte x Aktueller Rentenwert x Rentenartfaktor

Die Rentenformel verstehen

Zugangsfaktor: Wer genau mit Erreichen der Regelaltersgrenze aufhört, zu arbeiten, kalkuliert mit dem Zugangsfaktor 1,0 ( = 100 Prozent). Bei vorzeitigem Renteneintritt müssen Versicherte Abschläge in Kauf nehmen. Die Bruttorente verringert sich dann um 0,3 Prozent für jeden Monat der vorzeitigen Inanspruchnahme. Das sind immerhin 3,6 Prozent pro Jahr. Dieser Rentenabschlag bleibt bestehen und fällt nicht bei Erreichen der regulären Altersgrenze wieder weg. Bei späterem Rentenbezug ergibt sich ein Zuschlag zur Rente von 0,5 Prozent pro Monat beziehungsweise 6,0 Prozent pro Jahr.

Zugangsfaktor bei frühem Renteneintritt

vor Erreichen der Altersgrenze Zugangsfaktor
1 Jahr früher 0,964
2 Jahre früher 0,928
3 Jahre früher 0,892
4 Jahre früher 0,856
5 Jahre früher 0,820

Zugangsfaktor bei spätem Renteneintritt

nach Erreichen der Altersgrenze Zugangsfaktor
1 Jahr später 1,06
2 Jahre später 1,12
3 Jahre später 1,18
4 Jahre später 1,24
5 Jahre später 1,30

Entgeltpunkte: Wer exakt das Durchschnittseinkommen erzielt, kann mit einem Entgeltpunkt pro Jahr rechnen. Fällt der Lohn oder das Gehalt höher oder niedriger aus als beim Durchschnittsverdiener, wirkt sich das auf die erzielten Entgeltpunkte aus: Beispielsweise Erhalten Erwerbstätige, die die Hälfte des Durchschnittseinkommens verdienen, nur 0,5 Punkte. Nach oben ist das Verfahren bei 1,8 Entgeltpunkten gedeckelt. Für 2018 veranschlagt die Deutsche Rentenversicherung ein durchschnittliches Bruttoarbeitsentgelt von 37.873 Euro.

Rentenwert: Hinter diesem Faktor versteckt sich der Wert eines Entgeltpunktes. Er richtet sich nach der Einkommensentwicklung und wird jedes Jahr neu berechnet. Aktuell beträgt er 32,03 Euro für Westdeutschland und 30,69 Euro für Ostdeutschland.

Rentenartfaktor: Die gesetzliche Rentenversicherung sieht neben der regulären Altersrente zahlreiche weitere Rentenarten vor. Diese werden unterschiedlich gewichtet: Altersrenten, Renten wegen voller Erwerbsminderung und Erziehungsrenten haben den Wert 1,0. Renten wegen teilweiser Erwerbsminderung 0,5, Vollwaisenrenten 0,2 und Halbwaisenrenten 0,1. Bei Witwenrenten beträgt der Faktor 0,25 oder 0,6. Diese Gewichtung soll sicherstellen, dass eine Rente, die das Arbeitseinkommen ersetzt, stets höher ausfällt als eine Zuschussrente wie die Witwenrente.

Warum die Rente allein nicht reichen wird

Derzeit beträgt das Rentenniveau nur noch 48,1 Prozent. Das bedeutet: Ein Standardrentner, der 45 Jahre lang das Durchschnittseinkommen verdient und entsprechend Beiträge bezahlt hat, erhält aktuell eine monatliche Bruttorente von 1.441 Euro Rente (West) bzw. 1.381 (Ost). Nach der Bundestagswahl 2017 verständigten sich die Union und die SPD auf eine Festschreibung des Rentenniveaus auf 48 Prozent bis 2025.

Bis 2020 soll eine von der Regierung eingerichtete Rentenkommission Reformvorschläge für die Zeit nach 2025 erarbeiten. Experten gehen allerdings davon aus, dass das aktuelle Rentenniveau auch mit höheren Beiträgen nur schwer zu halten sein wird.

Leider reicht die Rente allein bereits heute für viele Menschen nicht mehr aus, um ihren Lebensstandard zu halten. So erhielten Rentner, die 2017 in den Ruhestand gingen, durchschnittlich weniger als 1.000 Euro im Monat. Das geht aus den Daten der Deutschen Rentenversicherung hervor. Einer der Hauptgründe: Im Schnitt arbeiten die Deutschen nicht 45 Jahre wie der Standardrentner, sondern nur 35 Jahre. Eine zusätzliche Altersvorsorge ist also nahezu für jeden wichtig, um diese Lücke zu schließen.

Fazit

  • Die gesetzliche Rente ist für die meisten Deutschen die Basis der Altersvorsorge.
  • Beitragszahler finanzieren die aktuellen Rentenzahlungen, erwerben aber auch gleichzeitig Rentenansprüche. Deren Höhe lässt sich mit Hilfe einer festgelegten Formel berechnen.
  • Das Rentenniveau sinkt seit Jahren. Aktuell erhält der Durchschnittsrentner 48,1 Prozent seines letzten Bruttoverdienstes von der Deutschen Rentenversicherung.
  • Zusätzliche Altersvorsorge ist für jeden wichtig, der auch im Ruhestand seinen Lebensstandard halten will.

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