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In Kürze

  • Mit der Flexirente können gesetzlich Versicherte ihre gesetzliche Rente aufbessern.
  • Für Arbeitnehmer und andere Pflichtversicherte gelten dabei Einschränkungen. Versicherte sollten sich daher frühzeitig informieren, welche Möglichkeiten für sie infrage kommen.
  • Freiwillig Versicherte können jederzeit zusätzliche Beiträge in die gesetzliche Rentenkasse einzahlen.
  • Rentner, die nebenher arbeiten und alle, die später in Rente gehen wollen, können entscheiden, ob sie nach Erreichen der Altersgrenze weiter Beiträge zur Rentenversicherung zahlen wollen.
  • Frührentner dürfen innerhalb gewisser Grenzen hinzuverdienen. Bis zu einem Hinzuverdienst von 6.300 Euro im Jahr werden die Einkünfte nicht auf die Rente angerechnet.
Mit der Flexirente können sich Erwerbstätige ohne Nachteile früher oder später in den Ruhestand verabschieden.

Mit der Flexirente können sich Erwerbstätige ohne Nachteile früher oder später in den Ruhestand verabschieden.

2016 wurde das Flexirentengesetz verabschiedet. Es soll Erwerbstätigen helfen, den Übergang in die gesetzliche Altersrente flexibler zu gestalten. Die Reform eröffnet drei Wege, die Rente aufzustocken: Freiwillige Zusatzbeiträge einzahlen, später in Rente gehen oder als Frührentner hinzuverdienen.

Die meisten Menschen können keine lückenlose Erwerbsbiographie vorweisen, wie sie bei der Modellrechnung zur gesetzlichen Rente (der sog. „Standardrente“) unterstellt wird. Einkommensausfälle – etwa aufgrund von Arbeitslosigkeit oder langwierigen Krankheiten – führen häufig dazu, dass die Rente zu niedrig ausfällt, um den gewohnten Lebensstandard aufrecht zu halten.

Das 2016 eingeführte „Gesetz zur Flexibilisierung des Übergangs vom Erwerbsleben in den Ruhestand und zur Stärkung von Prävention und Rehabilitation im Erwerbsleben“ (kurz Flexirentengesetz) soll dieses Problem beheben. Es bietet gesetzlich Rentenversicherten verschiedene Möglichkeiten, ihre Bezüge aufzubessern.

Freiwillig Beiträge einzahlen

Es lohnt sich, zusätzliche Beiträge in die gesetzliche Rentenkasse einzuzahlen, wenn die Zeit bis zum geplanten Renteneintritt vergleichsweise kurz ist. Wer noch mindestens zwanzig Jahre Zeit bis zum Ruhestand hat, ist hingegen mit anderen Anlageformen besser beraten. Die folgende Tabelle zeigt beispielhaft die monatliche Zusatzrente, die sich mit einem jährlichen Investment von 6.000 Euro erzielen lässt:

Jahre bis zum Rentenbeginn Flexirente (1)* Sofortrente (2)* Rürup-Rente (3)*
5 134 90 111
10 256 210 223
15 363 360 349
20 462 510 469
25 556 740 591
30 649 880 719

(1)* Die 6.000 Euro fließen Jahr für Jahr in die gesetzliche Rentenkasse.

(2)* Die 6.000 Euro werden bis zum Rentenbeginn zu durchschnittlich drei Prozent p.a. angelegt und bei Renteneintritt in eine Sofortrente investiert.

(3)* Der Versicherte schließt eine Rürup-Rente mit 0,9 Prozent Garantiezins ohne Hinterbliebenenabsicherung ab und zählt jährlich 6.000 Euro in diese ein.

Quelle: gesetzliche Rente/ Rürup-Rente = Finanztest, Sofortrente = eigene Recherchen

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Hohe Flexibilität bei freiwillig Versicherten

Freiwillig Versicherte können jederzeit zusätzlich in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen und sich selbst neben ihrer Rente aus einem berufsständischen Versorgungswerk oder ihrer Beamtenpension noch eine Zusatzrente aus der gesetzlichen Rentenversicherung aufbauen.

Sie können dafür laufend Beiträge in die Rentenkasse einzahlen. Der Mindestbeitrag liegt für 2019 bei 83,70 Euro pro Monat (1.004,40 Euro jährlich), der Höchstbeitrag bei 1.209 Euro (14.508 Euro pro Jahr).

Zu den freiwilligen Beitragszahlern zählen:

  • Freiberufler und Selbstständige, die nicht pflichtversichert sind,
  • Hausfrauen und -männer,
  • Beamte,
  • und vor 1955 geborene Mütter, die trotz Kindererziehungszeiten in der gesetzlichen Rentenversicherung nicht auf die für eine Regelaltersrente nötige Mindestversicherungszeit von fünf Jahren kommen.

Enge Grenzen bei Pflichtversicherten

In der gesetzlichen Rentenversicherung können Pflichtversicherte, zu denen vor allem Arbeitnehmer zählen, ihre Rente nicht nach Belieben aufstocken. Es gibt für sie lediglich zwei Möglichkeiten für ein freiwilliges Rentenplus:

  1. Sie gleichen zuerst Abschläge aus, die bei einem vorzeitigen Renteneintritt fällig wären, arbeiten dann aber doch bis zur Regelaltersgrenze weiter.

  2. Sie zahlen Beiträge für Schul- und Hochschulausbildungszeiten nach.

Rentenabschläge ausgleichen

Pro Monat, den Pflichtversicherte früher in Rente gehen, verringern sich die Bezüge lebenslang um 0,3 Prozent. Dieser Abschlag lässt sich durch eine Ausgleichszahlung wettmachen. Dafür müssen allerdings zwei Bedingungen erfüllt sein:

  1. Der Versicherte muss mindestens 50 Jahre alt sein.
  2. Er muss vor Beginn seiner vorzeitigen Altersrente mindesten 35 Jahre lang Mitglied der gesetzlichen Rentenversicherung gewesen sein.

Wer nun doch bis zum Erreichen des Renteneintrittsalter weiterarbeitet, zahlt trotz getätigter Ausgleichszahlungen weiter in die Rentenkasse ein. Dadurch erhöht sich der Rentenanspruch entsprechend der zusätzlichen Beitragsjahre.

Beispiel: Ein 1964 geborener Erwerbstätiger erreicht 2031 mit 67 Jahren die Regelaltersgrenze. Hat dieser beispielsweise mit 18 Jahren angefangen sozialversicherungspflichtig zu arbeiten, kann er mit 63 vorzeitig in Rente gehen – also 2027. Sofern er trotzdem bis 2031 weiterarbeitet, zahlt er vier weitere Jahre Beiträge zur Rentenversicherung.

Schulzeiten nachkaufen

Neben dem Ausgleich von Abschlägen für potenzielle Frührentner haben Pflichtversicherte eine zweite Möglichkeit für ein Rentenplus: Sie können für die Zeit ihrer Schulausbildung nach dem 16. Lebensjahr freiwillig Beiträge nachzahlen. Darüber hinaus können auch Versicherte, die länger als acht Jahre lang studiert haben, Beiträge in die Rentenversicherung nachzahlen. Pflichtversicherte, die diese Chance nutzen und Beiträge für die Ausbildungszeit nachzahlen wollen, haben dafür nur bis zum 45. Geburtstag Zeit.

Später in Rente gehen

Immer mehr Menschen arbeiten nach Erreichen der Regelaltersgrenze weiter, um ihre Rente aufzustocken. Wer sich dafür entscheidet, kann zwischen zwei Modellen wählen:

  1. Der Versicherte beantragt die Rente und arbeitet zusätzlich zur vollen Rente weiter.

  2. Der Versicherte beantragt die Rente vorerst nicht und lebt weiterhin von seinem Gehalt.

Bei der Option „Rente plus Gehalt“ hat der Versicherte sofort höhere Einnahmen. Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung fallen auf das erzielte Einkommen nicht mehr an, es sei denn, der Versicherte beantragt dies. Wer sich dafür entscheidet, weiterhin in die Rentenkasse einzuzahlen, erhöht seinen Rentenanspruch entsprechend der geleisteten Beiträge. Andernfalls bleibt die Rente abgesehen von den jährlichen Rentenanpassungen auf dem gleichen Niveau.

Auch wer seine Rente erst später beantragt und nach Erreichen der Regelaltersgrenze vorerst regulär weiterarbeitet, kann seinen Rentenanspruch erhöhen. Für jeden Monat, den der Versicherte später in Rente geht, erhöhen sich die Bezüge lebenslang um 0,5 Prozent – nach einem Jahr sind das immerhin sechs Prozent mehr. Zudem können auch bei dieser Option weiter Beiträge zur Rentenversicherung gezahlt werden, wodurch der Rentenanspruch weiter steigt.

Eines gilt es dabei jedoch zu beachten: In den meisten Arbeitsverträgen endet das Arbeitsverhältnis mit dem Erreichen des regulären Renteneintrittsalters. Ein Anspruch, darüber hinaus beschäftigt zu werden, besteht nicht. In der Regel ist es daher notwendig, einen neuen Arbeitsvertrag auszuhandeln.

Rechtlich gesehen sind Arbeitnehmer im Rentenalter anderen Arbeitnehmern gleichgestellt. Der einzige Unterschied ist, dass sie keine Abgaben zur Arbeitslosenversicherung mehr leisten müssen. Dies gilt auch für den Arbeitgeber. Beim Verlust des Arbeitsplatzes besteht demzufolge auch kein Anspruch mehr auf die Zahlung von Arbeitslosengeld. Stattdessen muss der Versicherte in diesem Fall die Rente beantragen.

Als Frührentner hinzuverdienen

Wer mindestens 35 Jahre in die Rentenkasse eingezahlt hat, kann eine Frührente beantragen. Der Preis dafür sind Abschläge: Jeder Monat, den der Versicherte vor Erreichen der Regelaltersgrenze in Rente geht, kostet ihn 0,3 Prozent seiner Rente. Diesen Abschlag lässt sich aber durch Einzahlungen ausgleichen. Nur wer 45 Beitragsjahre angesammelt hat, darf als „besonders langjähriger Versicherter“ abschlagsfrei in Rente gehen.

Frührentner können ihre Bezüge mit einem Job aufbessern. Bis zu einem Hinzuverdienst von 6.300 Euro pro Jahr bleiben Frührente und Gehalt voll verfügbar. Gehälter, die über diesen Betrag hinaus gehen, werden zu 40 Prozent auf die Rente angerechnet. Ist die Regelaltersgrenze schließlich erreicht, fällt die Anrechnung weg.

Fazit

  • Mit der Flexirente können Arbeitnehmer und Selbstständige ihre gesetzliche Rente aufbessern.
  • Für Pflichtversicherte gelten aber einige Einschränkungen.
  • Angesichts der Niedrigzinsen kann es für ältere Arbeitnehmer attraktiv sein, Versicherungszeiten nachzukaufen.
  • Durch die Einführung der Flexirente ist es für Erwerbstätige deutlich einfacher, früher oder später in Rente zu geben oder neben der Frührente zu arbeiten.

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