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In Kürze

  • Mit der Flexi-Rente können Versicherte ihre gesetzliche Rente aufbessern.
  • Für Arbeitnehmer und andere Pflichtversicherte gelten dabei Einschränkungen. Versicherte sollten sich daher rechtzeitig informieren, um keine Frist zu verpassen. Die erste läuft bereits im Alter von 46 Jahren ab.
  • Freiwillig Versicherte können hingegen jederzeit zusätzliche Beiträge einzahlen.
  • Rentner, die nebenher arbeiten und alle, die später in Rente gehen wollen, können entscheiden, ob sie nach Erreichen der Altersgrenze weiter Beiträge zur Rentenversicherung zahlen wollen.
  • Auch Frührentner dürfen innerhalb gewisser Grenzen hinzuverdienen.
Mit der Flexi-Rente können Sie sich ohne Nachteile früher oder später in den Ruhestand verabschieden.

Mit der Flexi-Rente können Sie sich ohne Nachteile früher oder später in den Ruhestand verabschieden.

Wege zum Rentenplus

2016 wurde die Flexi-Rente beschlossen, die den Übergang in die Altersrente flexibler gestalten soll. Die Reform bietet drei Wege, um die gesetzliche Rente aufzustocken: Zusätzlich freiwillige Beiträge einzahlen, später in Rente gehen oder Hinzuverdienen in der Frührente.

Angesichts der aktuell niedrigen Zinsen ist eine Aufstockung der gesetzlichen Rente durch freiwillige Beiträge wieder erheblich attraktiver geworden. Das zeigt auch folgende Übersicht:

Freiwillige Beiträge einzahlen

Was ein Investment von 6.000 Euro pro Jahr bringt, wenn Anleger Versicherungszeiten in der gesetzlichen Rente nachkaufen, das Geld konservativ anlegen und dann in eine Sofortrente investieren oder für den Betrag eine Rürup-Rente abschließen?

Jahre bis Rentenbeginn Flexi-Rente (1)* Sofortrente (2)* Rürup-Rente (3)*
5 134 90 111
10 256 210 223
15 363 360 349
20 462 510 469
25 556 740 591
30 649 880 719

(1)* Anleger zahlen den Betrag Jahr für Jahr in die gesetzliche Rentenkasse ein.

(2)* Anleger erzielen mit dem Geld über die Jahre bis Rentenbeginn im Schnitt drei Prozent Plus per annum und zahlen das Geld dann in eine Sofortrente ein.

(3)* Anleger schließen eine garantierte Rürup-Rente mit 0,9 Prozent Garantiezins ohne Hinterbliebenenabsicherung ab.

Quelle: gesetzliche Rente/ Rürup-Rente = Finanztest 2/2017, Sofortrente = eigene Recherchen

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Freiwillig Versicherte: Sehr flexibel

Für Pflichtversicherte sind die Möglichkeiten, freiwillige Beiträge zu zahlen, streng reglementiert. Freiwillig Versicherte können hingegen jederzeit zusätzlich in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen und sich selbst neben ihrer Rente aus einem berufsständischen Versorgungswerk oder ihrer Beamtenpension noch eine Zusatzrente aus der gesetzlichen Rentenversicherung aufbauen.

Sie können dafür laufend Beiträge in beliebiger Höhe zwischen einem Mindestbeitrag von monatlich 84,15 Euro (1.009,80 Euro pro Jahr) und einem Höchstbeitrag von monatlich 1.187,45 Euro (14.249,40 Euro pro Jahr) einzahlen. Die Mindest- und Höchstbeiträge werden jedes Jahr neu festgelegt.

Zu den freiwilligen Beitragszahlern zählen:

  • Freiberufler und Selbstständige, die nicht pflichtversichert sind
  • Hausfrauen und –männer
  • Beamte
  • vor 1955 geborene Mütter, die trotz Kindererziehungszeiten in der gesetzlichen Rentenversicherung nicht auf die für eine Regelaltersrente nötige Mindestversicherungszeit von fünf Jahren kommen.

Pflichtversicherte: Enge Grenzen

In der gesetzlichen Rentenversicherung können Pflichtversicherte, zu denen vor allem Arbeitnehmer zählen, Ihre Rente nicht nach Belieben aufstocken. Es gibt für sie vor allem zwei Möglichkeiten für ein freiwilliges Rentenplus.

Früher in Rente

Wer bei Renteneintritt mindestens 35 Versicherungsjahre nachweisen kann, darf früher in Rente gehen und die dann anfallenden Rentenabschläge durch zusätzliche Beitragszahlungen ausgleichen. Schul- und Hochschulbesuch ab dem 17. Lebensjahr, Arbeitslosigkeit, sowie Berücksichtigungszeit für Kindererziehung zählen dabei mit. Wer dann letztlich doch bis zum regulären Renteneintrittsalter weiterarbeitet, erhält ein Rentenplus. Zudem können Versicherte für Zeiten der Schul- und Hochschulausbildung Beiträge nachzahlen. Hierfür läuft die Frist aber mit 46 Jahren aus.

Rentenabschläge ausgleichen

Pro Monat, den Pflichtversicherte früher in Rente gehen, verringert sich das Altersgeld lebenslang um 0,3 Prozent. Dieser Abschlag kann durch eine Ausgleichszahlung wettgemacht werden. Bisher war es ab 55 Jahren möglich, dafür Ausgleichszahlungen zu leisten. Ab 1. Juli ist es schon ab 50 Jahren möglich, dafür zusätzlich Beiträge einzuzahlen und Einzahlungen auf mehrere Jahre zu „strecken“. Letzteres ist auch aus steuerlichen Gründen häufig sinnvoll.

Denn wer zusätzlich in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlt, kann die Beträge steuerlich als Vorsorgeaufwendungen geltend machen. Inklusive der regulären Rentenversicherungsbeiträge können Ledige derzeit bis zu 22.767 Euro jährlich absetzen, Verheiratete bis zu 45.534 Euro.

Diese Aufwendungen mindern das zu versteuernde Einkommen und damit die Steuerlast. Und da aufgrund der Steuerprogression der Steuersatz mit steigenden Einkommen steigt, ist der Vorteil umso größer, je mehr Einkommen Sie pro Jahr versteuern müssen.

Beispiel: Ein 1958 geborener Mann hat in den alten Bundesländern 40 Jahre lang durchschnittlich verdient und kann mit 66 Jahren regulär in Rente gehen. Seine Rente läge dann bei 1.309 Euro, errechnet Finanztest. Bei einem Rentenantritt mit 63. Jahren erhält er nach heutigem Stand 1.218 Euro. Entscheidet er sich, mit 63 Jahren in Frührente zu gehen, beträgt der Abschlag 10,8 Prozent (36 Monate x 0,3). Das ergibt knapp 132 Euro weniger, sodass ihm letztlich 1.086 Euro bleiben. Von diesem Betrag gehen noch Steuern und Sozialversicherungsbeiträge ab.

Um mit 63 Jahren auf die vollen 1.218 Euro Bruttorente zu kommen, muss er 33.602 Euro aufwenden. Geht er dann doch regulär mit 66 Jahren in Rente und zahlt drei weitere Beitragsjahre wie bisher, wird aus dem Abschlagsausgleich ein Rentenplus. Die monatliche Bruttorente würde dann voraussichtlich 1.441 Euro betragen. Zur ursprünglichen Rente von 1.309 Euro kämen 132 Euro aus dem Ausgleich hinzu.

Dafür würde der jetzt 59-jährige vier Jahre lang 8.400 Euro in die Rentenkasse einzahlen. Seine regulären Rentenversicherungsbeiträge liegen 2017 bei 6.300 Euro. Er kann die vollen 8.400 Euro als Vorsorgeaufwendungen geltend machen und so seine Steuerlast senken. Könnte er die Zahlung aber über noch mehr Jahre strecken, würde ein höherer Grenzsteuersatz gelten und der Steuervorteil wäre größer.

moneymeets Tipp für Versicherte aus den neuen Bundesländern: In Ostdeutschland gelten zwar die gleichen prozentualen Abschläge wie in der restlichen Bundesrepublik. Wegen des derzeit niedrigeren Rentenwerts im Osten bedeutet dies jedoch unterm Strich einen geringeren Abschlag. Somit ist für einen Ausgleich weniger Geld nötig und Versicherte bekommen für weniger Einzahlung mehr Rente als in den alten Ländern. Im Jahr 2025 hat sich dieser Vorteil allerdings erledigt. Dann wird die Rente in ganz Deutschland einheitlich berechnet.

Schulzeiten nachkaufen

Neben dem Ausgleich von Abschlägen für potenzielle Frührentner haben Pflichtversicherte eine zweite Möglichkeit für ein Rentenplus: Sie können für die Zeit Ihrer Schulausbildung zwischen dem 16. und 17. Lebensjahr freiwillig Beiträge nachzahlen. Darüber hinaus können auch Versicherte, die länger als acht Jahre lang studiert haben, Beiträge in die Rentenversicherung nachzahlen. Pflichtversicherte, die diese Chance nutzen und Beiträge für die Ausbildungszeit nachzahlen wollen, haben dafür nur bis zum 45. Geburtstag Zeit.

Später in Rente gehen

Immer mehr Menschen arbeiten nach Erreichen der Altersgrenze weiter, um ihre Rente aufzustocken. Wer sich dafür entscheidet, kann zwischen drei Modellen wählen:

  1. Der Versicherte beantragt die Rente und arbeitet zusätzlich zur vollen Rente weiter.

  2. Dann hat er die Wahl, weiterhin in die Rentenkasse einzuzahlen, oder nicht.

  3. Der Versicherte beantragt die Rente vorerst nicht und lebt weiterhin von seinem Gehalt.

Bei der ersten Option (Rente plus Gehalt) steigen die Einnahmen. Denn der Versicherte erhält ein Gehalt plus einer Rente. Darüber hinaus fallen, sofern nicht anders vereinbart, keine Rentenbeiträge mehr an. Die Rente bleibt dann auf gleichem Niveau. Nur wenn sie später beantragt wird, steigt sie. Für jeden Monat Rente, auf den der Versicherte verzichtet, erhöhen sich die Bezüge lebenslang um 0,5 Prozent. Beispielsweise erhöht sich die Rente um sechs Prozent, wenn ein Beitragszahler den Rentenbeginn ein Jahr lang aufschiebt. Davon abgesehen steigt die Rente natürlich weiterhin durch die Rentenbeiträge, die vom Gehalt abgezogen werden.

Beispiel: Ein Arbeitnehmer erwartet eine Brutto-Rente von 1.061 Euro. Er entscheidet sich, die Rente vorerst nicht zu beantragen und für 1.750 Euro im Monat Teilzeit zu arbeiten, schreibt finanztest. Beantragt er die Rente zwölf Monate nach Erreichen der regulären Altersgrenze, erhöht sich seine Rente um sechs Prozent. Statt 1.061 Euro bekäme er 1.125 Euro. Davon unabhängig würde er noch rund 20 Euro mehr Rente bekommen, weil er ein weiteres Jahr in die Rentenkasse einzahlt. Der Versicherte würde bei diesem Modell auf eine Jahresrente von 12.732 verzichten, um nach einem Jahr lebenslang 64 Euro brutto mehr Rente zu erhalten. Verglichen mit privaten Angeboten für eine Rentenzahlung kann sich dieser Schritt durchaus lohnen.

Achtung: In den meisten Arbeitsverträgen endet das Arbeitsverhältnis mit dem Erreichen des regulären Rentenalters. Ein Anspruch, darüber hinaus beschäftigt zu werden, besteht nicht. Nach Erreichen der Regelaltersgrenze muss daher ein neuer Vertrag ausgehandelt werden. Dabei entfallen Abgaben zur Arbeitslosenversicherung. Sollte der Arbeitnehmer seine Anstellung verlieren, bekommt er kein Arbeitslosengeld, sondern muss die Rente beantragen. Mit dem Flexi-Renten-Gesetz entfällt auch der Beitragsanteil für den Arbeitgeber.Es empfiehlt sich, mit dem neuen Vertrag bei Bedarf auch den Umfang der Arbeitszeiten neu auszuhandeln. Viele Rentner, die über die Regelaltersgrenze hinaus weiter arbeiten, entscheiden sich für eine Teilzeitstelle.

Als Frührentner hinzuverdienen

Wer mindestens 35 Jahre in die Rentenkasse eingezahlt hat, kann mit 63 Jahren eine Frührente beantragen. Der Preis dafür sind Abschläge: Jeder Monat, den der Versicherte vor Erreichen der Regelaltersgrenze in Rente geht, kostet ihn 0,3 Prozent Abschlag bei der Rente. Diese Abschläge können durch Einzahlungen ausgeglichen werden. Nur wer 45 Beitragsjahre angesammelt hat, darf abschlagsfrei in Rente gehen.

Versicherte können ihre Frührente aber mit einem Job aufbessern. Ab dem 1. Juli gilt: Bis zu einem Jahresverdienst von 6.300 Euro bleiben Frührente und Gehalt voll verfügbar. Gehälter, die über diesen Betrag hinaus gehen, werden zu 40 Prozent auf die Rente angerechnet. Ist die Regelaltersgrenze schließlich erreicht, fällt die Anrechnung weg.

Beispiel: Angenommen, ein Angestellter kann 2017 mit 63 Jahren vorzeitig in Rente gehen. Er nimmt dafür beispielsweise einen Abschlag von 9,6 Prozent hin.

  • Reguläre Jahresrente: 14.400
  • Rente mit Abschlägen: 13.018
  • Nach Abzug von Kranken- und Pflegeversicherung: 11.560

Bei Aufnahme eines Minijobs (450 Euro pro Monat) erhält er 5.400 Euro im Jahr steuer- und sozialversicherungsfrei. Netto wären das 16.960.

Ein höherer Hinzuverdienst lohnt oft nicht. Würde der Frührentner beispielsweise 15.000 Euro verdienen, dann würden ihm nach Abzügen nur knapp 18.500 Euro bleiben.

moneymeets Tipp: Egal, ob Sie also zusätzlich Beiträge zahlen oder länger arbeiten wollen, lassen Sie sich vorher von einem Fachmann beraten. Denn Fehler sind im Nachhinein schwer zu korrigieren.

Fazit

  • Mit der Flexi-Rente können Arbeitnehmer und Selbstständige ihre gesetzliche Rente aufbessern.
  • Für Pflichtversicherte gelten aber einige Einschränkungen.
  • Angesichts der Niedrigzinsen kann es für ältere Arbeitnehmer durchaus attraktiv sein, Versicherungszeiten nachzukaufen.
  • Auch später in Rente zu geben oder neben der Frührente zu arbeiten, wurde vereinfacht.

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