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In Kürze

  • Bei der Betriebsrente sparen Arbeitnehmer in der Sparphase Steuern, müssen aber später Abgaben auf die Rente zahlen. Das ist von Vorteil, denn im Alter ist der Steuersatz meist niedriger.
  • Arbeitgeber sind ab 2019 dazu verpflichtet, ihre Mitarbeiter beim Aufbau einer Zusatzrente zu unterstützen. Sie müssen mindestens die Sozialabgaben, die sie durch Entgeltumwandlung sparen, in den Vertrag einzahlen. Zunächst gilt diese Regelung nur für Neuabschlüsse, ab 2022 aber auch für Altverträge.
  • Produkte zur betrieblichen Altersvorsorge sind außerdem oft kostengünstiger als jene zum privaten Vermögensaufbau.
  • Es gibt verschiedene Formen der betrieblichen Altersvorsorge. Daher wird es bei einem Arbeitgeberwechsel oft kompliziert.
  • Gesetzlich Krankenversicherte zahlen im Alter Beiträge auf die Betriebsrente. Bei Privatversicherten wirkt sich die Höhe der Rente nicht auf die Prämien für Kranken- und Pflegeversicherung aus.
  • Es ist grundsätzlich nicht möglich, den Vertrag vorzeitig zu kündigen. Bei einem finanziellen Engpass kann er aber vorübergehend oder dauerhaft freigestellt werden
Bei der betrieblichen Altersvorsorge wird ein Teil des Gehaltes für eine spätere Zusatzrente angelegt.

Bei der betrieblichen Altersvorsorge wird ein Teil des Gehaltes für eine spätere Zusatzrente angelegt.

Die Betriebsrente ermöglicht es Arbeitnehmern, mit der Hilfe ihres Arbeitgebers für das Alter vorzusorgen. Ein Teil des Gehalts kann dabei steuer- und sozialabgabenfrei angelegt werden. Welches Produkt in einem Unternehmen verfügbar ist, entscheidet der Arbeitgeber. Ab 2019 muss er sich dafür aber auch an den Beiträgen beteiligen.

Jeder Arbeitnehmer soll die Möglichkeit haben, sich mit der Unterstützung seines Arbeitgebers eine Zweitrente aufzubauen – das ist die Grundidee der betrieblichen Altersvorsorge. Das hat Vorteile für beide Seiten: Der Arbeitnehmer hat im Alter mehr Geld zur Verfügung und der Arbeitgeber spart Sozialabgaben. Trotzdem besitzen laut dem Statistikportal Statista bisher erst 57 Prozent aller Angestellten einen entsprechenden Vertrag. Mit dem Anfang 2018 in Kraft getretenen Betriebsrentenstärkungsgesetz will die Bundesregierung diese Art der Vorsorge attraktiver machen.

Vorteile der betrieblichen Altersvorsorge

Es gibt zahlreiche Produkte, die für die betriebliche Altersvorsorge infrage kommen. Welche Variante für welchen Arbeitnehmer am vorteilhaftesten ist, hängt letztlich vom Einzelfall ab. Dennoch gibt es einige Vorteile, die für alle Formen der Betriebsrente gelten:

Vorteile bei Steuern und Sozialabgaben

Wer eine betriebliche Altersvorsorge abschließt, sichert sich nicht nur eine Zweitrente, sondern genießt auch schon während des Berufslebens finanzielle Vorteile: Beiträge in Höhe von bis zu acht Prozent der Beitragsbemessungsgrenze der Rentenversicherung können direkt vom Bruttogehalt oder -lohn abgezogen werden (Entgeltumwandlung). Dadurch verringert sich das zu versteuernde Einkommen und die Steuerlast sinkt. Zudem fallen für Beiträge, die bis zu vier Prozent der Bemessungsgrenze betragen, keine Sozialabgaben an.

Zwar werden Betriebsrenten im Alter voll besteuert, doch der Steuersatz ist im Ruhestand meist deutlich niedriger als während des Arbeitslebens. Außerdem fallen auch im Rentenalter Sozialabgaben an, allerdings nur für die gesetzliche Kranken- und Pflegeversicherung. Für privat Krankenversicherte ist das Einkommen nicht beitragsrelevant.

Arbeitgeberzuschuss

Schon jetzt beteiligen sich viele Firmen an den Beiträgen ihrer Mitarbeiter zur Betriebsrente. Ab 2019 ist für Neuverträge und ab 2022 für bestehende Betriebsrenten eine Leistungsverpflichtung der Arbeitgeber vorgesehen. Sie sollen mindestens ihre Einsparungen an Sozialversicherungsbeiträgen in Direktversicherungen, Pensionsfonds oder Pensionskassen einzahlen. Das sind, wenn Steuer- und Abgabegrenzen eingehalten werden, rund 15 Prozent.

Zuschüsse für Geringverdiener

Arbeitgeber erhalten Steuervorteile, wenn sie zwischen 240 und 480 Euro jährlich für Beschäftigte einzahlen, die weniger als 2.200 Euro brutto im Monat verdienen. Zudem gilt seit 2018 ein Freibetrag von 208 Euro pro Monat, der nicht auf die staatlich zugesicherte Mindestversorgung (Grundsicherung) angerechnet wird. Somit bleibt vielen Ruheständlern mehr von ihrer Rente als bisher.

Rechtsanspruch

Beschäftigte haben seit 2002 das Recht, einen Teil ihres Lohnes oder Gehalts in Beiträge zur betrieblichen Altersvorsorge umzuwandeln (Entgeltumwandlung). Grundsätzlich entscheidet aber der Arbeitgeber, welches Produkt er seinen Angestellten anbietet. Den Rechtsanspruch auf Entgeltumwandlung erfüllt das Unternehmen, wenn es eine Direktversicherung, eine Pensionskasse oder einen Pensionsfonds anbietet. Gibt es im Unternehmen noch keinen konkreten Durchführungsweg, haben Angestellte ein Recht auf den Abschluss einer Direktversicherung, wobei der Arbeitgeber das Versicherungsunternehmen bestimmen kann.

Formen der betrieblichen Altersvorsorge

Die betriebliche Altersvorsorge kann über fünf Wege gestaltet werden. Ab 2019 ergänzt die Nahles-Rente das Angebot.

1. Direktversicherung

Diese Form der Betriebsrente zählt bisher zu den beliebtesten Varianten. Das Prinzip ist simpel: Der Arbeitgeber schließt eine Kapitallebens- oder Rentenversicherung für seine Mitarbeiter ab und bestimmt dabei den Anbieter.

Eine Invaliditäts- und Hinterbliebenenabsicherung ist optional möglich. Ob sich das lohnt, hängt von den Konditionen des jeweiligen Anbieters ab. Die Gebühren für den Abschluss und die Provision des Vermittlers sind allerdings oft nicht ohne weiteres erkennbar. Dafür besteht ein Rechtsanspruch auf Übertragung im Falle eines Arbeitgeberwechsels. Eine Direktversicherung garantiert lebenslange Rentenleistungen.

2. Die Pensionskasse

Pensionskassen bieten ähnliche Leistungen wie Direktversicherungen. In der Regel erfolgt die Auszahlung in Form einer lebenslangen garantierten Rente. Wie bei der Direktversicherung ist eine Kombination mit Invaliditäts- und Hinterbliebenenschutz möglich. Der Unterschied zur Direktversicherung besteht darin, dass die Pensionskasse für den Arbeitgeber die Verwaltung der Betriebsrente in der Anspar- und Auszahlphase übernimmt und der Arbeitgeber ausschließlich die Beiträge abführt.

In der Regel bieten Pensionskassen klassische Rentenversicherungen mit einem Aktienanteil von maximal 35 Prozent an. Der Beschäftigte erhält eine garantierte Mindestrente auf Basis des Garantiezinses und bekommt die erzielten Überschüsse gutgeschrieben. Immer häufiger bieten Pensionskassen auch fondsgebundene Policen an. Ähnlich wie bei der Riester-Rente wird hier garantiert, dass beim Renteneintritt zumindest die eingezahlten Beiträge zur Verfügung stehen. Die Rendite hängt dabei von der Entwicklung des Fonds ab.

Die Konditionen sind oft besser als bei privaten Lebens- oder Rentenversicherungen. Allerdings sind die Kosten für den Abschluss und die Provision des Vermittlers für den Arbeitnehmer nicht ohne weiteres erkennbar. Es besteht ein Rechtsanspruch auf Übertragung bei einem Wechsel des Arbeitgebers.

3. Der Pensionsfonds

Pensionsfonds bieten ein höheres Maß an Flexibilität als andere Modelle der betrieblichen Altersvorsorge. Sie unterliegen nicht den strengen Beschränkungen herkömmlicher Lebens- und Rentenversicherungen. Daher dürfen sie das Kapital ihrer Kunden zu 100 Prozent am Aktienmarkt anlegen, um Renditechancen zu erhöhen. Der Nachteil ist, dass höheren Renditechancen auch ein höheres Risiko gegenübersteht. Der Arbeitgeber haftet jedoch mindestens in Höhe der eingezahlten Beiträge für die Leistungen. Auch hier besteht ein Rechtsanspruch auf Übertragung bei einem Arbeitgeberwechsel.

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4. Die Direktzusage

Direktzusagen werden meist nur Vorständen und Führungskräften angeboten. Bei dieser Variante lassen sich hohe Versorgungsleistungen festlegen. Die Direktzusage ist eine Verpflichtung des Arbeitgebers, dem Arbeitnehmer eine genau definierte Versorgungsleistung zu zahlen. Dabei kann es sich um einen einmaligen Betrag oder eine lebenslange Rente handeln.

Die Policen können auch Hinterbliebenen- und Berufsunfähigkeitsabsicherungen umfassen. Der größte Vorteil einer Direktzusage ist die unbeschränkte Leistungshöhe: Die Versorgungsleistungen sind bei dieser Form betrieblicher Altersvorsorge nicht gesetzlich nach oben gedeckelt. Dennoch bleiben die Beiträge in der Sparphase steuerfrei. Erst in der Auszahlphase sind die Leistungen zu versteuern. Allerdings müssen gesetzlich Krankenversicherte, wie bei allen Betriebsrenten, den vollen Beitrag an die Kranken- und Pflegekasse abführen. Die Direktzusage hat aber auch einen Nachteil: Es besteht kein gesetzlich festgeschriebener Anspruch auf die Mitnahme der Altersvorsorge zu einem anderen Arbeitgeber.

5. Die Unterstützungskasse

Mit einer Unterstützungskasse lagert der Arbeitgeber die Verwaltung der Betriebsrente aus, haftet aber dennoch gegenüber dem Mitarbeiter. In der Wahl der Anlagepolitik sind Unterstützungskassen frei, meist werden aber klassische Lebens- oder Rentenversicherungen abgeschlossen. Eine Kombination mit einer Berufsunfähigkeitsversicherung oder einem Hinterbliebenenschutz ist auch hier möglich. Die Auszahlung kann als Einmalbetrag oder in Form einer lebenslangen Rente erfolgen.

Die Beiträge in der Ansparphase sind in unbegrenzter Höhe steuerfrei. Diese Vorsorge ist deswegen besonders für Beschäftigte mit höherem Einkommen geeignet. Allerdings ist nach dem Ausscheiden aus dem Unternehmen keine Fortführung mit eigenen Beiträgen möglich. Es besteht auch kein Anspruch auf Übertragung bei einem Jobwechsel.

6. Die Nahles-Rente

Derzeit entwickeln die Sozialpartner für jede Branche ein eigenes Modell dieser neuen Vorsorge-Form. Infrage kommen grundsätzlich Direktversicherungen, Pensionsfonds oder Pensionskassen. Die Nahles-Rente wird nur in Unternehmen mit Tarifbindung und in Firmen erhältlich sein, die sich explizit dafür aussprechen, das Modell zu übernehmen. Neuverträge können ab 2019 abgeschlossen werden. Bis 2022 soll eine solche Betriebsrente für alle Beschäftigten in den entsprechenden Betrieben verfügbar sein.

Die Nahles-Rente ist eine reine Beitragszusage. Das bedeutet: Der Arbeitgeber ist verpflichtet, den vereinbarten Beitrag an die Versorgungseinrichtung zu bezahlen. Eine Garantie hinsichtlich der Höhe der späteren Rentenleistung gibt es nicht. Die geplanten Sozialpartnermodelle können aber Sicherungsbeiträge vorsehen, um ein gewisses Versorgungsniveau abzusichern.

Riester-Förderung

Manche Arbeitgeber bieten für die versicherungsbasierten Vorsorgeformen (Direktzusage, Pensionskasse und Pensionsfonds) eine Kombination mit einer Riester-Förderung an. Der Staat zahlt jedem Riester-Sparer eine Grundzulage von 175 Euro pro Jahr. Zusätzlich erhalten Eltern für jedes Kind, das ab dem 1.1.2008 geboren wurde, jährlich 300 Euro Kinderzulage. Für Nachwuchs, der vor 2008 das Licht der Welt erblickt hat, sind es 185 Euro. Außerdem können Riester-Sparer Beiträge in Höhe von bis zu vier Prozent ihres rentenversicherungspflichtigen Einkommens (max. 2.100 Euro) als Sonderausgaben steuerlich geltend machen. Im Rahmen einer Günstigerprüfung verrechnet das Finanzamt allerdings beide Förderungen miteinander. Riester-Sparer profitieren also nur von der Variante, über die sie mehr erhalten.

Die riestergeförderte Betriebsrente unterscheidet sich in einem grundlegenden Punkt von anderen betrieblichen Vorsorgeformen: Arbeitnehmer müssen die Einzahlungen selbst von ihrem Nettogehalt tätigen. Auf die Beträge wurden also bereits Einkommensteuer und Sozialversicherungsbeiträge abgeführt. Die gezahlten Steuern können sie sich über die Steuererklärung zurückholen, bei den Sozialabgaben ist dies allerdings nicht möglich. Die Beiträge zur Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung müssen also in voller Höhe entrichtet werden.

Auch in der Auszahlphase der Rente mussten Beschäftigte in der Vergangenheit Steuern und Sozialabgaben zahlen. Das führte zu einer „Doppelverbeitragung“ der Sozialabgaben, da Arbeitnehmer sich diese in der Ansparphase nicht erstatten lassen können. Dieser Nachteil ist seit dem Inkrafttreten des Betriebsrentenstärkungsgesetzes Anfang 2018 aber Geschichte: Um die betriebliche Riester-Rente mit der privaten gleichzustellen, verzichtet der Staat bei der Auszahlung von Betriebsrenten nun auf die Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung.

Kündigung nicht vorgesehen

Der Gesetzgeber schreibt vor, dass die Auszahlung von Betriebsrenten erst im Rentenalter erfolgen darf. Eine Kündigung des Vertrags ist daher grundsätzlich nicht möglich. Ausnahmen von dieser Regelung sind nur in begründeten Ausnahmefällen möglich.

Alternativ können Beschäftigte ihre betriebliche Altersvorsorge beitragsfrei weiterführen. Die bis dahin angesparten Beiträge (zuzüglich aller Überschüsse) erhalten sie dann beim Renteneintritt. Für die Beitragsfreistellung können allerdings auch Kosten anfallen, die den Auszahlungsbetrag mindern. Es ist auch möglich, den Vertrag nur temporär beitragsfrei zu führen und die Zahlungen zu einem späteren Zeitpunkt wieder aufzunehmen.

Fazit

  1. Bei den meisten Verträgen können seit 2018 Beiträge in Höhe von bis zu acht Prozent der Beitragsbemessungsgrenze der Rentenversicherung (2018: 6.240 Euro) steuerfrei eingezahlt werden. Bei der Sozialversicherung sind Beträge bis zu vier Prozent der Beitragsbemessungsgrenze abgabenfrei (2018: 3.120 Euro).
  2. Steuern fallen erst bei der Auszahlung an. Das macht die betriebliche Rente attraktiv. Dafür gibt es zwei Gründe: Zum einen kann sich mehr Geld verzinsen und zum anderen ist der Steuersatz im Rentenalter meist niedriger.
  3. Ab 2019 sind Arbeitgeber dazu verpflichtet, sich an den Beiträgen ihrer Angestellten zu beteiligen. Sie müssen dann mindestens 15 Prozent zusätzlich einzahlen. Dies entspricht in etwa der Ersparnis an Sozialabgaben, die Arbeitgeber durch die Entgeltumwandlung erzielen.
  4. Für Geringverdiener war eine betriebliche Altersvorsorge bisher nicht unbedingt die beste Wahl. Durch die Entgeltumwandlung sinken die Beiträge zur Renten- und Krankenversicherung. Das mindert den Rentenanspruch und eventuelle Krankengeldzahlungen. Für Beschäftigte mit einem Bruttomonatseinkommen von bis zu 2.200 Euro dürfte es ab 2019 aber vermehrt Arbeitgeberzuschüsse geben. Der Grund: Einzahlungen zwischen 240 und 480 Euro im Jahr werden steuerlich begünstigt. Der Fiskus erstattet dann 30 Prozent des Zuschusses.
  5. Mitglieder einer privaten Krankenversicherung müssen in der Rentenphase keine zusätzlichen Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung auf die Betriebsrente zahlen – im Gegensatz zu gesetzlich Krankenversicherten.
  6. Bei einem Jobwechsel kann die Mitnahme des Vertrages schwierig sein – trotz des Betriebsrentenstärkungsgesetzes.
  7. Beim Ausscheiden aus einem Unternehmen können Beschäftigte zusätzlich in die Betriebsrente einzahlen. Dafür gibt es allerdings klare Grenzen: Bis zu vier Prozent der Beitragsbemessungsgrenze pro Beschäftigungsjahr können dann steuerfrei eingezahlt werden.
  8. Es ist nur in begründeten Ausnahmefällen möglich, einen Vertrag vorzeitig zu kündigen. Allerdings lassen sich Betriebsrenten beitragsfrei stellen. Auch eine Wiederaufnahme der Beitragszahlungen ist dann jederzeit möglich.

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