News > Was würden Amazon, Google oder Facebook tun? - Teil I
© Sergey Nivens

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Serenus Zeitblom fasst in seiner Rezension auf Amazon zu dem Buch “Was würde Google tun“ von Jeff Jarvis das Buch wie folgt zusammen:

  1. Überlassen Sie Ihren Kunden die Kontrolle – sonst werden Sie Ihre Kunden verlieren.

  2. Machen Sie Ihr Unternehmen zur Plattform für die Kunden.

  3. Vertrauen Sie der Weisheit der Massen.

Google ist eine spannende Wachstumsstory, die jeden Gründer – auch uns – fasziniert. Für moneymeets interessierte uns aber in erster Linie, wie Amazon Konsumenten und Produzenten eine Handelsplattform bietet, wie facebook und XING als Interaktionsplattform “es” tun und natürlich auch Google als Vorreiter für freemium-Modelle.

Ich stelle nun dar, wie und warum wir mit moneymeets die genannten Punkte beantworten:

Überlassen Sie Ihren Kunden die Kontrolle

Dafür muss es einfach sein: moneymeets gibt über die Funktion des sozialen Netzwerkes dem Kollektiv die Kontrolle über Finanzprodukte. Natürlich zählen zum Kollektiv alle Beteiligten – aber eben gleichberechtigt: Konsumenten, Produzenten, Lagerstellen und auch professionell agierende Berater. Gleichberechtigt meint: Der Wissensvorsprung zwischen Produzenten und Konsumenten muss weitestgehend egalisiert sein. Wenn das Kollektiv der Finanzproduktkäufer Produkte, Strategien und Lösungen, die andere Konsumenten für sich gekauft haben, bewertet, kontrolliert sich das Kollektiv selber. Bei Finanzprodukten kommt neben der Kaufbewertung aber noch die Bewertung über die Zeit hinzu. Insofern sind Zeitreihen mindestens genau so entscheidend wie zeitpunktbezogene Bewertungen.

Eine klassische Bank geht bei der Zielplanung bekanntermaßen so vor: Die Ertragsziele werden geplant und auf die einzelnen Vertriebseinheiten und vor dem AnsFuG auch auf einzelne Berater herunter gebrochen. Eine interessante Anmerkung zu den Problemen dieser Vorgehensweise und anderen Möglichkeiten der Absatzplanung hierzu lieferte Dirk Elsner im Blick Log zum Social forecasting. Wenn aber die Bank die Ertragsplanung so vornimmt und der Berater (und dessen Erfolgsvergütung – übrigens nicht zu vergleichen mit den Boni von Investmentbankern) an der Erfüllung der Vertriebsziele gemessen wird – wie soll der Kunde die Kontrolle behalten??? Der mündige Verbraucher nimmt sie sich: Er kauft nicht mehr, sucht sich Alternativen – er kommt nicht mehr in die Bank oder er kauft wo anders. In dem o.g. Link zum AnsFuG beschreibt Prof. Tilmes für die Zeitschrift “Die Bank” das daraus entstehende Spannungsfeld als magisches Dreieck – implizit heißt das, dass der Kunde in dem System Bank 1.0 nie die Kontrolle erreichen kann.

Zeit also, dass sich etwas ändert, was die Kontrolle der Kunden angeht. Zeit dass sich Kunden die Empfehlungen untereinander geben und Produkte bewerten. moneymeets wird das ermöglichen.

Machen Sie Ihr Unternehmen zur Plattform für Ihre Kunden

Wer sind unsere Kunden? Wir haben Konsumenten, Produzenten, professionelle und semiprofessionelle Ratgeber, Lagerstellen, Gläubiger von Anleihen, Aktiengesellschaften, Medien, kurz die gesamte Wertschöpfungskette als Kunden definiert.

Wir glauben, dass nur der umfassende Ansatz über klassische Produkte von A wie Aktien, B wie Banksparplänen, F wie Fonds, H wie Hypotheken bis Z wie Zerobonds das Amazon-Modell abbildet und der Verbraucher Amazon als Modell genau deshalb schätzt. Mit Marc Bernegger von next-gfi hatte ich mich über die Möglichkeiten unseres Modells für Bank 2.0 Produkte ausgetauscht. Genau das ist unser Ziel: Wir werden Produkten wie p2p-lending, crowdfunding etc. gleichberechtigt als “Meta-Plattform”dienen – um so den Konsumenten auf moneymeets alle Möglichkeiten zu bieten. Das kann nur eine Plattform, niemals ein Vertrieb.

Finanzprodukte “nur”kaufen zu können, halten wir aber für zu kurz gesprungen. Auch wenn dieses Modell bei check24 hervorragend funktioniert: 65 Mio. € Umsatz und 12 Mio. € Ergebnis im Bilanzjahr 03/2009 bis 03/2010 sind ein deutliches Zeichen für das Funktionieren der Preisführerschaft. Scheinbare Transparenz bietet der reine Preisvergleich aber nur bei vergleichbaren und vorhersehbaren Produkten – das ist nicht die Transparenz die Verbraucherschützer und auch Branchenvertreter fordern – siehe Dirk Elsner im Blick Log 2011 über die Fondsbranche und eine Fidelity-Studie zum Verbrauchervertrauen.

Wer weiß schon, dass beispielsweise der Fonds Templeton Asian Growth der einen Lagerstelle 0,9% p.a. an Rückvergütungen zahlt, der anderen aber nur 0,7%. Und wenn wir bei moneymeets den Konsumenten in einem disruptiven Ansatz die Möglichkeit geben, von den offen gelegten Rückvergütungen über verschiedene Lagerstellen zu profitieren, sorgt das für mehr Transparenz im gesamten Markt. Übertragen wir das Modell der Offenlegung auf Tagesgelder, ist dort ein echter Preisvergleich möglich.

Zurück zur Transparenz und der Frage, wie Kunden heute die Kontrolle gewinnen: Sie gehen einfach nicht mehr zur Bank. Sie erwerben statt dessen commodities: nur der Preis-oder Zinsvergleich zählt. In einer Runde von Business-Angels am Donnerstag in Düsseldorf habe ich die Gespräche genutzt um nur die eine Frage zu stellen: Wann waren Sie das letzte Mal in einer Bank, um sich beraten zu lassen? Die Nach-Denk-Zeiten waren länger … und das bei einer Zielgruppe, die für jeden (Private)Banker die Zielgruppe überhaupt darstellt.

Lassen Sie sich überraschen, wie wir mit moneymeets genau mehr Transparenz auch für scheinbare commodities bieten. Nur soviel sei heute verraten: Wir wollen es noch “disruptiver”.

Vertrauen Sie der Weisheit der Massen

Über crowdsourcing ist viel geschrieben worden, insofern möchte ich mich hier nicht wiederholen. moneymeets glaubt an die Weisheit der Massen (Weisheit der Konsumenten …) und hier noch mal der Hinweis auf das Thema social forecasting im Blick Log). Vor allem bedeutet “der Masse vertrauen” für Konsumenten, dass sie der Weisheit anderer Konsumenten mehr als der des Bankverkäufers vertrauen – der hat das Vertrauen verspielt. Es geht dabei also nicht nur um wissenschaftliche Beweise, was besser ist, sondern in der menschlichen Praxis auch um die Frage, was bequemer ist. Also muss der Zugang zu der Weisheit der Vielen und die Auswertung für die Nutzer letztlich wirtschaftlicher sein, als eine Alternative.

Jeder der bei Amazon eingekauft hat, kennt das Phänomen: Hat das Produkt A oder B bessere oder schlechtere Verbraucherbewertungen? Je nach dem, welche Studie man zu Rate zieht sind die Differenzen gewaltig: 17% so die GfK vertrauen Banken und Versicherungen im Allgemeinen, 34% vertrauen ihrem eigenen Bankberater. 85% schauen sich Verbraucherbewertungen im Internet an, über 50% der so wichtigen Zielgruppe der 30-49 jährigen suchen Informationen im Netz, bevor sie Finanzprodukte erwerben, so Prof. Dr. Schengber in einer Studie 2011.

Wenn die Masse also ihrer eigenen Weisheit vertraut und dies auch nutzt, hat sie die Kontrolle – nur wenn sie überwiegend “Experten” (mit anderen Interessen als der Vorteilsvermittlung für den Ratnehmer) vertraut, verliert sie die Kontrolle. Und wer will schon Kontrollverlust? Wir sind aber auch sicher, dass der wichtige innere Antrieb nach wie vor der ist, erfolgreichen Vorbildern zu folgen. Das ist die Legitimation jeder Bankberatung. Ich selber habe in meiner Praxis häufig die Frage gestellt bekommen: “Können wir es nicht so machen wie…” (beliebig austauschbar sind: Warren Buffet, Rothschild, Aldi, HedgeFonds, Profi-Fußballer etc.). Das heißt, dass bei aller Individualität im Netz und crowdsourcing hat Bankberatung genau daraus Anziehungskraft erhalten, egal wer nachgeahmt wird: Der Bankberaterexperte, die Experten der zentralen Vermögensverwaltung der Bank bis hin zu den Dachfondsmanagern.

Wir wollen erfolgreiche Vorbilder nachahmen – das geht aber sicher besser im Netz, als mit intransparenter und ineffizienter Bankberatung. Wir werden es mit moneymeets umsetzen, in dem wir den Mitgliedern es einfach möglich machen, einem erfolgreichen Vorbild zu folgen und über den Erfolg der Masse und über disruptive Modelle wirtschaftlich zu profitieren.

Andererseits sind Verbraucherbewertungen teilweise in Verruf gekommen. Das Problem stellt sich, wenn man den Meinungsschreibern andere Intentionen unterstellt und sie dies bezüglich nicht kontrollieren kann. Beispiele hierfür sind Reisebewertungsplattformen wie holidaycheck.de – hier hat der mündige Konsument aber immerhin noch die Chance, stark differierende Meinungen zu erkennen. Insofern ist die wichtigste Voraussetzung bei moneymeets für Bewertungen, dass Konsumenten und Produzenten, jeder, der als Ratgeber auf moneymeets auftritt, das empfohlene Produkt selbst erworben haben muss. Welchen besseren Vertrauensbeweis gibt es, als selber Geld in das Produkt zu investieren, dass wir anderen empfehlen? Nur dann funktionieren Verbraucherbewertungen im Netz – so wie wir unseren Freunden ein gutes Restaurant weiter empfehlen.

Was Sie im nächsten Beitrag erwartet…

Die weiteren Punkte in der genannten Rezension möchte ich nicht unterschlagen:

  1. Sorgen Sie dafür, dass alles immer noch einfacher wird.

  2. Tun Sie nur das, was Sie am besten können, für den Rest gibt es Links.

  3. Erkennen Sie Probleme. Und lösen Sie sie.

  4. Die Zukunft gehört nicht den Massen-, sondern den Nischenprodukten.

Ich werde im nächsten Beitrag darauf eingehen, wie moneymeets diese Themen löst.

Allen Lesern wünsche ich ein schönes Wochenende.

Johannes Cremer

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