Die Digitalisierung von Geschäftsprozessen ist mittlerweile einer der zentralen Erfolgsfaktoren im Bankensektor. Das zeigt eine kürzlich veröffentlichte Analyse von Accenture. Die Ergebnisse im Überblick.

Bringt die Digitalisierung ihrer Geschäftsprozesse klassischen Banken messbare Wettbewerbsvorteile oder handelt es sich letzten Endes um einen Hype ohne substanzielle Basis? Dieser Frage sind die Analysten der irischen Unternehmensberatung Accenture in einer aktuellen Studie auf den Grund gegangen.

Untersucht wurden insgesamt 161 Banken aus 20 Ländern, unter anderem aus Deutschland, Frankreich, Italien, Japan und den USA.

Einschätzung nach Drei-Säulen-Modell

Zunächst haben die Analysten von Accenture untersucht, wie stark sich die einzelnen Institute in puncto Digitalisierung engagieren. Ihre Beurteilung stützt sich dabei auf drei Säulen:

  1. Die Kommunikation der Banken selbst
  2. Externe Bewertungen von Finanz-/Wirtschaftsanalysten
  3. Die Resultate eigener Untersuchungen

Um den Erfolg der Digitalisierungsmaßnahmen der Banken evaluieren zu können, wurden diese zunächst in verschiedene Gruppen eingeteilt: An erster Stelle stehen die Institute, bei denen der Ausbau digitaler Angebote den zentralen Aspekt der strategischen Planung bildet („Digital Focused“). Zu dieser Gruppe zählen 19 der 161 Banken, also rund 12 Prozent. Das zweite Segment bilden die sogenannten „Digital Actives“. Darunter fassen die Analysten die Institute zusammen, die sich in einer Phase der digitalen Transformation befinden, diese aber nicht als zentralen Punkt ihrer Planungen betrachten. Diese Gruppe umfasst 61 Banken (38 Prozent). Zuletzt gibt es noch die Gruppe der Banken, die noch keine nennenswerten Digitalisierungs-Maßnahmen ergriffen haben („The Rest“). Hierzu zählen insgesamt 81 Institute, also die Hälfte der Studienprobanden.

Vorreiter brillieren an der Börse

Banken, die viel Wert auf die Digitalisierung ihrer Geschäftsprozesse legen, sind für Investoren deutlich attraktiver. Ein Indiz dafür ist den Studienautoren zufolge das durchschnittliche „Kurs-Buchwert-Verhältnis“ (kurz KBV) der drei Institutsgruppen. Darunter versteht man die Relation des Börsenwertes einer Aktie der jeweiligen Bank zum Eigenkapital je Aktie.

Bei den Banken, die in die Kategorie „Digital Focused“ fallen, lag das KBV Ende des vergangenen Jahres bei 1,18. Konkret bedeutet das, dass der Aktienkurs den Wert des zugrundeliegenden Eigenkapitals um 18 Prozent übersteigt. Diese Tatsache spricht für ein erhöhtes Interesse von Investoren an den Aktien der jeweiligen Institute. Im Segment „The Rest“ hingegen sieht es vergleichsweise düster aus. Sie kommen lediglich auf ein KBV von 0,83 – ihre Aktien sind demnach deutlich weniger gefragt. Zum Vergleich: 2011 war der Unterschied mit 1,05 („Digital Focused“) zu 0,99 („The Rest“) noch wesentlich geringer.

Kurs-Buchwert-Verhältnisse im Vergleich

Institutsgruppe KBV 2011 KBV 2018 Veränderung
„Digital Focused“ 1,05 1,18 +0,13
„Digital Active“ 0,97 0,98 +0,01
„The Rest“ 0,99 0,83 -0,16

Quelle: Accenture (Studie „Does digital leadership matter?“, n=99)

Insgesamt zeigen die Zahlen eine klare Korrelation zwischen dem Grad der Digitalisierung der jeweiligen Institutsgruppe und deren Bewertung an der Börse.

Erfolgreicher am Markt dank Digitalisierung

Nicht nur in puncto Börsenwert macht sich eine erfolgreiche Digitalisierung bei den betrachteten Instituten bemerkbar. Auch im Hinblick auf die Ertragssituation lassen sich die positiven Auswirkungen erkennen. Als Beleg dafür dient den Accenture-Analysten die Entwicklung der Eigenkapitalrenditen der Banken. Diese Kennzahl setzt den Gewinn eines Unternehmens ins Verhältnis zu dessen Eigenkapital.

Durchschnittliche Eigenkapitalrenditen im Vergleich

Institutsgruppe 2011 (in %) 2017 (in %) 2021 (Prognose, in %)
„Digital Focused“ 9,9 10,8 12,3
„Digital Active“ 10,2 10,3 11,3
„The Rest“ 9,5 8,4 8,8

Quelle: Accenture (Studie „Does digital leadership matter?“, n=107)

Im Jahr 2011 waren die Unterschiede zwischen den Eigenkapitalrenditen der einzelnen Institutsgruppen noch vergleichsweise gering. Sechs Jahre später, also 2017, waren schon deutliche Unterschiede erkennbar: Während die durchschnittliche Eigenkapitalrendite der Gruppe „Digital Focused“ zwischen 2011 und 2017 um 0,9 auf 10,8 Prozent stieg, war bei „The Rest“ ein Rückgang von 1,1 Prozentpunkten zu verzeichnen. Die Prognose von Accenture für 2021 legt nahe, dass sich diese Entwicklung in den kommenden Jahren fortsetzen wird.

Digital First

Die Zahlen zeigen es deutlich: Banken, die sich als digitale Vorreiter positionieren, sind inzwischen sowohl für Investoren als auch für Endkunden die attraktivste Wahl. Da die Digitalisierung mit hoher Wahrscheinlichkeit auch zukünftig eines der beherrschenden Themen in der Finanzbranche bleiben wird, ist davon auszugehen, dass sie ihren Vorsprung weiter ausbauen können. Wer jetzt schon hinterherhinkt, sollte also aufpassen, am Ende nicht auf der Strecke zu bleiben.