Wissen > > Und plötzlich ist nichts mehr wie es vorher war!
© Karin & Uwe Annas

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Deutschlandweit sind Laternenumzüge eine gute, alte Tradition. An trüben Novemberabenden zieht eine bunte Schar von Kindergarten- und Grundschulkindern durch viele Gemeinden und hellt die Stimmung auf. Doch was passiert bei einem Unfall? Und wer zahlt, wenn Kinder dabei ernsthaft verletzt werden?

Jedes Jahr um den 11. November herum gedenken die Kinder von Kitas und Grundschulen der Barmherzigkeit des Heiligen Martin. Der hatte, so besagt es die Legende, seinen wärmenden Mantel mit einem Bettler am Straßenrand geteilt. Im überwiegend protestantischen Norden fehlt zwar meist das ausdrückliche Gedenken an St.Martin. Doch auch hier erleuchten Laternenumzüge in vielen Dörfern alljährlich den herbstlich-trüben Frühabend.

Doch die heitere Stimmung schlägt schnell um, wenn Kinder während des Zuges zu Schaden kommen. Denn immer wieder passieren Unfälle - etwa durch Funkenflug des Martinsfeuers, weil das Ross des heiligen Mannes nicht zu bändigen ist oder weil Autofahrer den Zug übersehen. Meist kommen die Kinder mit harmlosen Blessuren davon, die rasch vergessen sind. Doch was passiert, wenn ein Kind mit ernsthaften Unfallfolgen zu kämpfen hat? So wie nach einem schweren Unfall in Lüdenscheid, wo Vater und Sohn schwer verletzt wurden. “Nichts ist seither wie es vorher war”, sagte der Familienvater ein Jahr später bei einem Prozess aus.

Inwieweit können sich Eltern in solchen Situationen auf die Kinder- und Schülerunfallversicherung verlassen?

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Wann zahlt die Kinder- und Schülerunfallversicherung?

Die Kinder- und Schülerunfallversicherung ist Teil der gesetzlichen Unfallversicherung und gilt für Kinder während des Besuchs von Tageseinrichtungen wie Kinderkrippen, Kindergärten, Horten und Kindertagesstätten. Für Schüler während des Besuchs einer allgemeinen oder berufsbildenden Schule. Schüler sind im Unterricht, bei den vorher und nachher stattfindenden Betreuungsmaßnahmen, auf Schulveranstaltungen sowie auf den mit dem Schulbesuch unmittelbar zusammenhängenden Wegen versichert.

Für den St. Martins-Umzug bedeutet das: Sobald dieser eine schulische Veranstaltung ist oder die Kita dazu einlädt, haftet die Schüler-Unfallversicherung. Schließen sich hingegen einfach nur Eltern zu einem abendlichen Laternelaufen zusammen, sollten Kinder privat abgesichert sein.

Wie hoch sind die Leistungen?

Doch reichen die Leistungen der Kinder- und Schülerunfallversicherung aus, falls ein junges Unfallopfer danach ein Leben lang Probleme hat? So zahlt die gesetzliche Schüler-Unfallversicherung je nach Invaliditätsgrad (ab 20 % bis 100 %) eine monatliche Invalidenrente. Deren Höhe hängt vom Alter des Kindes oder Jugendlichen ab sowie vom Wohnort (alte oder neue Bundesländer).

Konkret startet die monatliche Unfallrente bei einem Unfallopfer bis einschließlich fünf Jahren mit einem bestätigten Invaliditätsgrad von 20 Prozent in den neuen Bundesländern bei 80 Euro. In der Spitze werden knapp 1.200 Euro im Monat gezahlt, etwa für ein Unfallopfer ab 18 Jahren, bei 100 Prozent Invalidität und Wohnsitz in den alten Bundesländern.

Wann sind Kinder nicht versichert?

Der Geltungsbereich ist bei der gesetzlichen Unfallversicherung für Arbeitnehmer und bei der Schüler-Unfallversicherung praktisch identisch. Somit sind auch Wegeunfälle abgesichert. Werden also Schüler oder Arbeitnehmer auf dem direkten Weg zur Kita, Schule oder zum Arbeitsplatz verletzt, sind sie abgesichert.

Das bedeutet aber auch: Falls Kinder nach dem St.Martins-Umzug nicht direkt nach Hause gehen, sondern – was gute Tradition ist – von Haus zu Haus ziehen und nach Süßigkeiten fragen, dürfte die Schüler-Unfallversicherung im Ernstfall abwinken. Ähnliches gilt für alle anderen kindlichen Aktivitäten, die keine schulischen Veranstaltungen sind.

Eine Invaliditätsversichert bietet zusätzlichen Schutz

Es lohnt sich also zusätzlich privat für den Ernstfall vorsorgen. Verbraucherschützer geben dabei der Kinder-Invaliditätsversicherung den Vorzug gegenüber einer Kinder-Unfallversicherung. Grund: Bei der ersteren leistet der Versicherer auch bei krankheitsbedingter Invalidität und nicht nur nach Unfällen.

Der Unterschied ist in der Praxis enorm wichtig, denn Kinder werden wesentlich häufiger durch Krankheiten invalide als durch Unfälle. Im Ernstfall zahlt die Invaliditätsverssicherung die bei Vertragsabschluss vereinbarte monatliche Rente, sobald das Versorgungsamt dem Kind einen Grad der Behinderung von 50 Prozent oder mehr bescheinigt.

Kosten und Leistungen

Oft wird zusätzlich ein höherer Einmalbetrag vereinbart, der nach dem Unfall ausgezahlt wird. Dieses Geld hilft den Eltern dann beispielsweise, die Kosten für den behindertengerechten Umbau der Wohnung zu finanzieren, ein geeignetes Fahrzeug anzuschaffen und für gute Betreuung zu sorgen. Die Invaliditätsrente wird auch im Erwachsenenalter bezahlt.

Eine Invaliditätsversicherung zahlt auch dann in voller Höhe, wenn - zum Beispiel nach einem Schulwegunfall - Geld aus der gesetzlichen Unfallversicherung fließt. Die Ansprüche werden nicht aufgerechnet.

Für etwa 1.000 Euro Rente ist mit einem Monatsbeitrag von etwa 25 Euro zu rechnen. Doch genauso wichtig wie ein günstiger Beitrag sind die versicherten Leistungen. Eltern sollten vor dem Abschluss einer Kinderinvaliditätsversicherung in die Tarifbedingungen schauen und darauf achten, dass Vergiftungen, Verschlucken von Gegenständen oder Infektionen etwa nach Zeckenbissen ausdrücklich versichert sind. Auch Ausschlüsse von seelischen Erkrankungen oder nach Versicherungsbeginn auftretenden Erbkrankheiten sollten Eltern nicht akzeptieren.

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