Wissen > > Die-100.000-Euro-Frage: Sofortrente oder Auszahlplan?
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Ein Erbe wurde ausgezahlt, die Lebensversicherung wird fällig oder ein Fondssparplan ist gut gefüllt: Wenn der Ruhestand naht, greifen viele zu einer Sofortrente, die lebenslang eine gleich hohe Rente ausbezahlt. Doch mit ETF- oder Fonds-Entnahmeplänen bleiben Anleger flexibel und kassieren oft mehr.

Wie viel Geld müssen Anleger für 100 Euro Rente im Alter ansparen? Wie viel bringen 100.000 Euro Kapital? Solche Fragen beschäftigen alle, die für ihr Alter vorsorgen - werden aber erst kurz vor dem Eintritt in den Ruhestand konkret gestellt.

Der Klassiker, um aus einem Guthaben eine Rente zu schmieden, ist die Sofortrente. Sie ist im Grunde eine Lebensversicherung, die eine monatliche Rente bis zum Lebensende bezahlt - egal wie alt der Rentner wird. Das klingt erst einmal nach einem Vorteil, ist aber auch ein Nachteil. Denn die Versicherer kalkulieren sehr vorsichtig mit einer hohen Lebenserwartung. Daher fallen die monatlichen Zahlungen recht mager aus.

Eine Alternative können Entnahme- oder Auszahlpläne auf Fonds oder ETFs sein. Hier entscheidet der Anleger, wie lange das Geld reichen soll. Anleger können dafür jederzeit die Zahlungen anpassen, größere Beträge abheben oder und den Auszahlplan bei Bedarf kündigen.

Finanztest: “Nur 2 von 26 Sofortrenten sind gut”

Sofortrenten können steigen, wenn die Versicherer das Geld erfolgreich anlegen. Aber fahren Rentner nicht besser, wenn sie Anlage und Auszahlung selbst in die Hand nehmen? Die Antwort von Finanztest: Unter Umständen schon.

Für den Test hat das Verbrauchermagazin 26 Tarife unter die Lupe genommen. Nur zwei erhielten das Urteil “gut”, keiner schnitt mit “mangelhaft” ab.

Die garantierte Monatsrate fällt in den meisten Fällen niedrig aus. Selbst beim Testsieger, dem Versicherer Europa, bekommt ein 65-jähriger Modellkunde nur 321 Euro im Monat für eine Einmalanlage von 100.000 Euro. In einer ähnlichen Untersuchung vor vier Jahren 367 Euro.

Erst mit 91 Jahren garantiert im Plus

Ausgehend von den zugesagten Raten heißt das: Wer heute mit 65 Jahren in eine Sofortrente des Testsiegers Europa investiert, muss mindestens 26 Jahre leben, damit seine Rente den Einsatz garantiert übersteigt. Bei anderen Versicherern, die schlechter abschneiden, sind es sogar mehr als 28 Jahre.

Versicherte müssen also älter werden als 91 Jahre, um ins Plus zu kommen. Zum Vergleich: Frauen, die heute mit 65 Jahren in Rente gehen, leben nach Angaben des Statistischen Bundesamts durchschnittlich noch rund 23 Jahre, Männer 20 Jahre.

Etwas besser kommen Sofortrenten weg, wenn man mögliche Überschüsse mit einrechnet. Doch diese Überschüsse sind nicht garantiert. Und in den letzten Jahren sind sie immer weiter geschrumpft. Daher rät Finanztest davon ab, mit den Prognosen der Versicherer zu rechnen.

Weiter Nachteil: Hinterbliebenenschutz

Auch für Menschen, die einen möglichst großen Anteil des Vermögens an Ehegatten oder Kinder vererben möchten, ist die Sofortrente nicht optimal. Denn im Todesfall des Versicherten ist das Geld weg.

Es sei denn, der Kunde vereinbart einen Hinterbliebenenschutz in Form einer Rentengarantiezeit. Dieser geht dann allerdings zu Lasten der garantierten Rentenhöhe.

Alternative: Auszahl- oder Entnahmeplan

Die Ergebnisse von Finanztest erschüttert zunächst einmal ein gewissermaßen gefestigtes Prinzip der Geldanlage: Spätestens zum Rentenbeginn wird in der Regel dazu geraten, von risikoreichen Aktienanlagen in sichere Anleihen oder Zinsprodukte umzuschichten. Die Berechnungen des Verbrauchermagazins zeigen allerdings: Das muss nicht sein. Ein gewisser Anteil Aktien im Portfolio habe bis ins hohe Alter Vorteile.

Eine selbst gebastelte Zusatzrente mit einem Auszahlplan ist jedenfalls die beste Option für aktive Sparer, die flexibel bleiben und etwas aus ihrem Geld machen wollen, so Finanztest.

Zugrunde gelegt haben sie das von Finanztest entwickelte Pantoffel-Portfolio. Es wurden Portfolios mit 25, 50 und 75 Prozent Aktien-ETF-Anteil und Portfolios mit nur Tagesgeld oder nur Aktien-ETFs in verschiedenen Kapitalmarktszenarien betrachtet.

Voraussichtliche Laufzeit bestimmen

Laut Statistischem Bundesamt haben Frauen eine durchschnittliche Lebenserwartung von rund 88 Jahren, Männer werden im Durchschnitt 85 Jahre alt. Möglich ist allerdings auch, dass ein Rentner viel länger lebt. Wie lange soll das Geld also reichen?

Vorsichtigen rät Finanztest dazu, mit einer Laufzeit von ca. 30 Jahren zu kalkulieren. Wer älter als 65 Jahre ist oder gesundheitliche Probleme hat, kann sich an kürzeren Laufzeiten orientieren. Und Clevere fahren eine Doppelstrategie:

moneymeets Tipp: Statt 100.000 Euro in eine Sofortrente oder in einen Auszahlplan zu investieren, kann es lohnen, das Geld aufzuteilen. So zahlen Sie beispielsweise bei Renteneintritt 30.000 Euro in eine lebenslange Rente ein, die ab dem 85. Lebensjahr etwa 240 Euro monatlich zahlt, so dass Sie auf jeden Fall bis zum Lebensende abgesichert sind. Der Rest, also 70.000 Euro, würden in einen Fondsauszahlplan fließen, der über 30 Jahre läuft und etwa ähnlich hohe Renditen erzielen soll wie ein defensiver Mischfonds mit maximal 30 Prozent Aktienanteil. Die Durchschnittsperformance solcher Fonds lag laut deutschem Fondsverband BVI in den vergangenen 30 Jahren bei etwa 4,8 Prozent per annum. In den vergangenen zehn Jahren waren es durchschnittlich 3,1 Prozent (Stand: 30.9.2017). Konservative kalkulieren daher mit durchschnittlich drei Prozent jährlich. Bei einer solchen Rendite könnten Anleger mit rund 330 Euro monatlich rechnen und blieben finanziell flexibel.

Risiken abwägen

Bei einem Auszahlplan wird das Kapital in Fonds oder ETFs investiert. Danach wird monatlich ein bestimmter Betrag abgezogen. Da ein Teil des Geldes voraussichtlich noch 20 Jahre lang nicht gebraucht wird, kann es noch weiter an den Finanzmärkten arbeiten und Renditen erzielen. Die Chancen hängen dabei von der eigenen Risikoneigung ab. Finanztest hat drei Modelle mit ETFs untersucht:

Je mehr Erfahrung und je risikobereiter der Anleger, desto höher kann der Aktienanteil sein. Ein Beispiel für vorsichtigere Investoren wäre ein ausgewogener Mischfonds mit bis zu 50 Prozent Aktienanteil, der breit gestreut investiert. Noch weniger schwanken Mischungen mit bis zu 30 Prozent Aktien.

Entnahmen marktorientiert gestalten

Natürlich klingt es einfach, den Anfangsbetrag von 100.000 Euro auf die Laufzeit aufzuteilen. So ergibt sich eine monatliche Rate von 278 Euro. Doch dann würden Anleger keine Renditen berücksichtigen und am Ende bleibt ihnen ein hoher Restbetrag.

Aus diesem Grund ist ein fester Entnahmeplan nicht empfehlenswert. Besser ist, der Rentner teilt in regelmäßigem Abstand, zum Beispiel jährlich, das verbleibende Vermögen auf die Restdauer auf. Mit einer flexiblem Entnahme reagiert der Anleger automatisch auf gute und schlechte Börsenphasen. Lief der Kapitalmarkt im vergangenen Jahr gut, kann er mehr entnehmen, lief er schlecht, fällt seine Auszahlung geringer aus.

Ein Vergleich mit dem Entnahmeplanrechner von fondsweb.de zeigt: Wer vor 20 Jahren 100.000 Euro in den weltweit investierenden FMM-Fonds eingezahlt hätte und 20 Jahre lang monatlich 278 Euro entnommen hätte, würde heute über 264.000 Euro Deportwert verfügen. Erst bei einer Entnahme von durchschnittlich 800 Euro wäre das Kapital bis auf 20.000 Euro verbraucht worden.

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