News > skin in the game oder die Frage, warum professionelle Anlageberater ihr eigenes Depot veröffentlichen sollten
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Die englische Wikipedia erklärt “skin in the game” mit folgenden Worten: To have “skin in the game” is to have incurred monetary risk by being invested in achieving a goal.

Was hat das mit moneymeets zu tun? Nun, laut Nicholas Taleb zurückgehend auf Warren Buffett sollten - vereinfacht gesagt - Anlageberater ihr eigenes Depot veröffentlichen, statt Vorhersagen zur Entwicklung von Wertpapieren zu geben, die sie nicht selbst im Depot haben. Das entspricht zu 100% der moneymeets-Philosophie.

Dirk Elsner schrieb gestern im Blicklog den Artikel “Neue Denker über Ökonomie und Verantwortung: skin in the game”. Wir haben Ihn gefragt, ob wir seinen Artikel hier veröffentlichen können. Wir können – Vielen Dank für Deine Bereitschaft, Dirk!

Hier der Original-Text:

“Die größten Risikoerzeuger der Gesellschaft”

Im österreichischen €urozine konnte man letzte Woche unter dem Titel “Im philosophischen Basislager” ein Gespräch nachlesen, das mich fasziniert hat. Der Schweizer Schriftsteller Rolf Dobelli sprach mit John Gray, Tomás Sedlácek und Nassim Nicholas Taleb über den Wert ökonomischer Modelle, den Abweichungen vom Homo Oeconomicus und politischen Utopien. Dabei ging es auch um die Frage nach der Verantwortung und den Konsequenzen für das eigene Handeln.

Gray hält es für einen fundamentalen Kategorienfehler, wenn man die Ereignisse in der Eurozone als Abfolge von spieltheoretischen Spielzügen sieht. Ökonomischen Theorien würden nämlich ausblenden, dass das Handeln in der realen Welt auch von Dingen wie Hass, Rachegefühle, Vergeltung, Verzweiflung, Grausamkeit bestimmt wird. Gray glaubt aber an die Bedeutung von Eigentumsrechten: “Ohne Eigentum keine Haftung, ohne Haftung kein Lerneffekt.”

Diese Steilvorlage nutzt Nassim Taleb, der bereits häufig die Verantwortung ohne Haftung kritisiert hat. Taleb kritisiert im Vorwort seines neuen Buches “Antifragilität” ein seit 2008 gut zu beobachtendes Phänomen, dass diejenigen, die Risiken erzeugen, zwar die Erträge daraus mitnehmen, aber nicht die Kosten dieser Risiken tragen. Damit werden solche Personen zu den größten Risikoerzeugern der Gesellschaft.

Verantwortung für das eigene Handeln übernehmen

In früheren Zeiten (ob das wirklich so war bezweifele ich), so schreibt er, habe es eine größere Symmetrie zwischen den Menschen gegeben, die weit oben in der Gesellschaft standen und persönliche Konsequenzen aus den eingegangenen Risiken zu tragen hatten. Noch nie, so Taleb, habe es in der Geschichte in der Politik und Unternehmen so viele Nicht-Risiko-Nehmer (er meint das persönliches Risiko) mit so viel Einfluss gegeben.

In dem Gespräch schlägt Taleb dazu eine einfache Regel vor, die helfen soll, die Risiken einer Gesellschaft zu vermindern: “skin in the game”.

“Verantwortliche setzen ihre eigene Haut aufs Spiel. Niemandem sollte es erlaubt sein, anderen durch eigene Fehler Schaden zuzufügen, ohne gleichzeitig selbst Schaden zu nehmen. Das ist ein zivilisatorisches Grundprinzip, das leider vergessen ging. Der Bürokrat wird für seine Fehler nicht zur Rechenschaft gezogen, der Ökonom wird für seine falschen Prognosen nicht bestraft. Ökonomische Modelle sind darum zumeist kompletter Unsinn, weil für die Konsequenzen der Modelle nicht jene bezahlen, die sie entwickelt haben. “

Keine Prognosen ohne eigene Verantwortung

“Wenn ich “skin in the game” sowohl als Regel von Risikomanagement wie auch als ethischen Grundsatz anwende, dann werde ich mich davor hüten, irgendwelche Voraussagen zu machen. Ich werde meinen Kunden zeigen, was ich selbst in meinem Portfolio habe. Wenn mir jemand folgt und Geld verliert, verliere ich selbst auch welches.”

Laut Investopedia soll die Phrase “skin in the game” übrigens von Warren Buffett stammen. Taleb selbst hat gerade zusammen mit Constantine Sandis ein anspruchsvolles Working Paper veröffentlicht: The Skin In The Game Heuristic for Protection Against Tail Events. Darin schlagen sie eine Regel vor, dass jemand, der durch eine Handlung möglicherweise einen Schaden für andere Beteiligte erzeugen kann, auch bis zu einem gewissen Grad diesen Schäden ausgesetzt wird.

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