Wissen > > Private Pflegeversicherungen: Das bringen die neuen Zusatztarife
© zinkevych

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Zum Jahresende hat die Bundesregierung die gesetzliche Pflegeversicherung reformiert. Für viele Pflegebedürftige zahlt die gesetzliche Pflegeversicherung jetzt mehr. Daher wurden die privaten Pflegezusatztarife angepasst. Was Sie jetzt wissen sollten.

Ein Pflegefall zu werden – damit müssen statistisch gesehen die Hälfte aller Frauen und ein Drittel der Männer in Deutschland rechnen. Doch nur 3,4 Millionen Bundesbürger haben bisher eine Pflegezusatzversicherung abgeschlossen, zeigen Zahlen des Verbandes der Privaten Krankenversicherung.

Das ist alarmierend wenig. Denn das neue Pflegestärkungsgesetz (PSG II) sieht zwar grundsätzlich bessere, gesetzliche Leistungen für Pflegebedürftige vor. Doch auch nach der Pflegereform deckt die Pflegepflichtversicherung nur einen Teil der Kosten für eine stationäre oder private Betreuung ab. Je nach Pflegegrad zahlt der Staat bis zu einem Drittel der Kosten für eine vollstationäre Betreuung. Es bleibt je nach Pflegegrad eine Versorgungslücke von 1.000 bis 2.000 Euro, die durch die Rente oder privates Vermögen abgedeckt werden muss. Reichen eigene Mittel nicht, nimmt der Staat enge Angehörige in die Pflicht. Eine Pflegetagesgeld-, Pflegekosten- oder Pflegerentenversicherung deckt diese Kosten ab. Eigenes Vermögen muss so nicht aufgebraucht werden und Kinder bleiben so von finanziellen Belastungen verschont.

Bei allen Tarifen gilt: Jüngere zahlen prinzipiell weniger als Ältere. So sind günstige Tagegeldtarife für 30-Jährige bereits ab 20 Euro monatlich erhältlich, 50-Jährige müssen hingegen mit mindestens 50 Euro Monatsprämie rechnen. Denn wie bei der privaten Krankenversicherung sind vor Vertragsabschluss Gesundheitsfragen zu beantworten. Einzig der staatlich geförderte Pflege-Bahr kommt ohne Gesundheitsprüfung aus.

pflegebedürftige Rentnerin mit ihrer Pflegekraft

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Neue Pflegetagegeldtarife – darauf sollten Sie achten!

Ein Pflegetagegeldtarif – sinnvoll ab mindestens 50 Euro pro Tag – ist die populärste Variante der privaten Pflegezusatzversicherung. Der Versicherer zahlt im Pflegefall monatlich einen vorher vereinbarten Betrag an den Versicherten aus, die abhängig vom Pflegegrad ist. Eine Pflegekostenversicherung erstattet nur tatsächlich entstandene und nachgewiesene Kosten. Vorteil der ersten Variante: Hier können Versicherungsnehmer oder ihre Angehörigen darüber bestimmen, wofür sie das Geld einsetzen. Das lohnt sich besonders bei einer privat organisierten Pflege durch Angehörige. Der volle Betrag sollte dabei spätestens ab Pflegegrad 2 fällig sein.

Interessant ist hier ein Blick auf einige neue Pflegezusatztarife, die parallel zum Pflegestärkungsgesetz zum Jahreswechsel auf den Markt gekommen sind und auf die Innovationen der Pflegereform zugeschnitten wurden. Beispielsweise treten bei der Union Krankenversicherung (UKV) und der Bayerischen Beamtenkrankenkasse zwei Tagesgeldtarife in Kraft, die für alle fünf Pflegegrade greifen und auch im Ausland gelten. Die Versicherer zahlen neben den vereinbarten laufenden Leistungen eine zusätzliche Einmalzahlung, sobald der Pflegefall nachgewiesen wird: Das kann eine wertvolle Unterstützung für die häusliche Pflege sein. Damit kann etwa die Wohnung pflegegerecht angepasst oder der Umbau einer Einliegerwohnung für eine Haushaltshilfe bezahlt werden. Außerdem bieten die Tarife eine Beitragsbefreiung ab Pflegegrad 3. Im Premium-Tarif wird die vollstationäre Pflege ab dem dritten Pflegegrad komplett übernommen. Die Zusatzversicherungen zahlen auch weiter, wenn eine Reha oder ein Kuraufenthalt ansteht.

Attraktive Zusatzleistungen

Die Vigo Krankenversicherung VVaG trägt ebenfalls den Erfordernissen der Pflegereform Rechnung und baut ihr „Düsseldorfer Pflegegeld“ aus. Zu den neuen Assistance-Leistungen des ab sofort weltweit geltenden Tagegeld-Tarifs gehören unter anderem die Vermittlung eines Pflegeheimplatzes oder Pflegedienstes sowie pflegenaher Dienstleistungen innerhalb Deutschlands, falls ein pflegender Angehöriger ausfällt. Ein weiterer Vorteil ist die Wahlmöglichkeit der Auszahlungshöhe: Pflegegelder bis zu 3.000 Euro sind für die Pflegegrade 5, 4 und 3 möglich, für die Pflegegrade 2 und 1 sind es bis zu 900 Euro im Monat. Außerdem ist ab Pflegegrad 2 alle 36 Monate eine Anhebung des Schutzes um bis zu 300 Euro durchführbar. Eine Beitragsbefreiung gilt im Leistungsfall ab Pflegegrad 2. Versichert werden müssen nur die Grade 4 und 5.

Mit der Pflegezusatz-Versicherung „VARIO“ der Axa haben Kunden darüber hinaus die Möglichkeit, nur den höchsten Pflegegrad 5 zu versichern – oder für weitere Pflegegrade ein individuelles monatliches Pflegegeld zu vereinbaren. Bis zum 71. Geburtstag erhöht sich hier das Pflegegeld alle 36 Monate automatisch um zehn Prozent – ohne erneute Gesundheitsprüfung bis zu einer Höchstgrenze von bis zu 4.500 Euro monatlich.

Teure Pflegerentenversicherung

Bei den Pflegerentenversicherungen punkteten 2016 unter anderem der Tarif „Superia“ von Ideal, PRO6 der WWK, die „PflegeRente“ von Zürich sowie die „SPV“ vom Volkswohl Bund. Alle vier Tarife erhielten gute Bewertungen von maßgeblichen Ratingagenturen. Wer auf eine klassische Pflegerentenversicherung setzt, kann dank stabiler Beiträge über die gesamte Vertragslaufzeit besser planen und hat ebenfalls die ausgezahlte Rente zur freien Verfügung – ohne Nachweise erbringen zu müssen, das Geld für eine Pflegekraft oder Hilfsmittel zu beanspruchen. Verglichen mit Tagesgeldversicherungen haben Pflegerentenversicherungen allerdings Nachteile. Dazu zählen die relativ hohen Beiträge sowie intransparente und zum Teil unrentable Sparvorgänge. So zeigt ein Vergleich auf Handelsblatt Online. Für gute Tarife zahlen schon 20-Jährige mindestens 40 Euro im Monat.

Der staatlich geförderte „Pflege-Bahr“, benannt nach dem Ex-Minister Daniel Bahr (FDP) ist prinzipiell eine Pflegetagegeldversicherung. Diese Variante kann ohne Gesundheitsfragen abgeschlossen werden und zielt vor allem auf Personen mit bereits gesundheitlichen Beschwerden. 2013 wurden die ersten Tarife eingeführt. Die Verträge werden derzeit mit 60 Euro im Jahr vom Staat gefördert. Um diese Pflegeförderung zu erhalten, muss der Versicherte mindestens zehn Euro im Monat einzahlen. Beantragt wird die Förderung dann vom jeweiligen Versicherungsunternehmen. Die Beiträge sind abhängig vom Alter des Versicherten und vom Versicherungsbetrag. Bei vielen Verträgen ist jedoch mit bis zu fünf Jahren Wartezeit zu rechnen. Und da vor allem gesundheitlich Angeschlagene hier versichert sind, könnte dies zu einem überdurchschnittlich starken Anstieg der Beiträge führen.

Und die Kosten?

Ein Vergleich von moneymeets zeigt: Eine 50-Jährige Modellkundin zahlt beispielsweise monatlich 62 Euro für den neuen Tarif „Pflege Premium Plus“ der Union Krankenversicherung (UKV). Der Tarif zahlt bei stationärer Pflege ab dem zweiten Pflegegrad 1.500 Euro. Es gibt keine Wartezeiten. Auch bei ambulanter Pflege wird gezahlt. 900 Euro sind es etwa beim Pflegegrad 3. Im Mittel erhalten Vermittler und Makler beim Abschluss einer Police sieben Monatsbeiträge Abschlusscourtage. Das sind stolze 434 Euro.

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