Wissen > > Mobbing - das unterschätzte Krankheitsrisiko
© Antonioguillem

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Mobbing hat oft Langzeit-Folgen

39 Prozent der Mobbing-Opfer werden jahrelang attackiert. Dann stellen sich oft chronische Erkrankungen ein. Auch Mobbing-Opfer haben Anspruch auf Krankentagegeld, entschied jetzt der Bundesgerichtshof. Bisher gesellten sich zu längeren Krankheitsphasen selbst bei Angestellten oft finanzielle Engpässe. Denn ab dem 42. Krankheitstag wird selbst bei Angestellten nur noch Krankengeld bezahlt, das meist unter dem Nettoeinkommen liegt. Eine Krankentagegeldversicherung gleicht die Differenz aus.

Er war Projektleiter für Brandschutzanlagen und wurde nach eigenen Angaben über einen längeren Zeitraum gemobbt. Folgen waren psychische und physische Leiden. Ein Arzt attestierte ihm die Arbeitsunfähigkeit. Der Patient beanspruchte daraufhin das nach einiger Zeit im Krankenstand mit seiner privaten Krankenversicherung vereinbarte Krankentagegeld in Höhe von 117 Euro.

Der Versicherer zahlte zunächst, stellte dann jedoch seine Leistungen mit der Begründung ein, dass laut einem außergerichtlichen Gutachten keine hundertprozentige Arbeitsfähigkeit vorliege. Die stattdessen diagnostizierte „konfliktbedingte Arbeitsplatzunverträglichkeit“ rechtfertige nicht die Zahlung des Krankentagegelds. Dagegen klagte das Mobbing-Opfer und der Fall gelangte schließlich vor das Höchstgericht.

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Höchstrichterliche Entscheidung begründet Ansprüche

Der Bundesgerichtshof (BGH) gab dem Mobbing-Opfer Recht (Az.: IV ZR 137/10). Die höchsten deutschen Zivilrichter führten die vom Arzt festgestellten Symptome und Krankheiten, unter anderem Rückenbeschwerden, Panikreaktionen und Depressionen, auf das Mobbing am Arbeitsplatz zurück.

Zwar sei Mobbing als solches keine Krankheit, heißt es in der Urteilsbegründung. Die für den Betroffenen daraus resultierenden psychischen und physischen Folgen aber sehr wohl. Überdies stellten die BGH-Richter fest: Sobald Mobbingattacken, wie im vorliegenden Fall, zu seelischen und körperlichen Beeinträchtigungen führten, könne vom Mobbingopfer nicht die Beseitigung der Ursachen seiner Erkrankung verlangt werden.

Mobbing ist weit verbreitet - und oft folgenreich

In ihrer Studie „Mobbing und Cybermobbing“ stellte das Bündnis gegen Cybermobbing e. V. fest, dass 28 Prozent der befragten Erwachsenen schon einmal Ziel von Mobbing-Attacken waren. Dabei haben Frauen ein 1,5-mal höheres Mobbing-Risiko als Männer. 39 Prozent der Mobbing-Attacken dauerten länger als ein Jahr.

Bei solchen gravierenden Mobbingattacken könne es zu chronischen Erkrankungen kommen. Diese wiederum führen zu Leistungsansprüchen gegenüber der privaten Krankenversicherung – etwa auf Zahlung eines vertraglich vereinbarten Krankentagegelds.

Wer zahlt bei längeren Erkrankungen?

Bei Arbeitnehmern müssen Lohn oder Gehalt im Krankheitsfall mindestens sechs Wochen weiter bezahlt werden. Danach übernimmt bei gesetzlich Versicherten die Krankenkasse. Das Krankengeld der gesetzlichen Kassen entspricht häufig aber nur einem Bruchteil des letzten Einkommens.

Es ist daher für Angestellte sinnvoll das Krankentagegeld ab dem 42. Krankheitstag auf den vollen Betrag des Gehalts aufzustocken. Dazu kann entweder eine private Krankenversicherung oder bei gesetzlich Versicherten ein privater Krankenzusatztarif abgeschlossen werden.

Für Selbstständige, die ab dem ersten Tag der Krankheit einen hun­dert­pro­zen­tigen Einkommensausfall befürchten müssen, ist sogar ein Krankentagegeld ab dem ersten Krankheitstag sinnvoll.

Krankentagegeld oder Berufsunfähigkeitsrente?

Bei einer länger dauernden Erkrankung stellt sich früher oder später die Frage, ob eine dauerhafte Berufsunfähigkeit vorliegt. In dem Fall erübrigt sich die Zahlung von Krankentagegeld durch die private Krankenversicherung, weil der Betroffene Ansprüche auf eine Erwerbsminderungsrente und/oder Leistungen aus einer privaten Berufsunfähigkeitsversicherung geltend machen kann.

Eine Berufsunfähigkeit verneinte der BGH allerdings im vorliegenden Fall und begründete dies mit den ärztlichen Stellungnahmen. Danach sei das Mobbingopfer in einem anderen Arbeitsumfeld ohne Einschränkungen leistungs- und arbeitsfähig.

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