Das umlagenfinanzierte Rentensystem befindet sich in einer strukturellen Krise. Das Deutsche Aktieninstitut schlägt vor, als Ergänzung zu den bestehenden Vorsorgemöglichkeiten ein verpflichtendes aktienbasiertes Ansparverfahren einzuführen. In vielen Ländern ist ein solches Verfahren bereits erfolgreich erprobt.

Das deutsche Rentensystem steht vor einer ernstzunehmenden Bewährungsprobe. Das hat im Wesentlichen zwei Gründe: Zum einen gehen die geburtenstarken Jahrgänge der Nachkriegszeit in den kommenden Jahren nach und nach in Rente. Zum anderen hat der Pillenknick seit Mitte der 1960er-Jahre dazu geführt, dass die nachkommenden Generationen deutlich kleiner ausfallen. Einer immer größer werdenden Zahl von Rentnern steht also eine stetig sinkende Zahl von Beitragszahlern gegenüber. Schon heute führt dies dazu, dass der Staat immer höhere Zuschüsse aus Steuermitteln für die Finanzierung der gesetzlichen Rente zahlen muss. 2018 waren es bereits mehr als 90 Milliarden Euro.

In einer aktuellen Studie beschäftigt sich das Deutsche Aktienstitut (DAI) daher mit der Frage, mit welchen Mitteln sich das deutsche Rentensystem – abseits von Riesterrente oder Lebensversicherungen – zukunftsfest machen lässt.

Sparen mit Opt-Out

Dem DAI zufolge bedarf es einer grundlegenden Neujustierung der Altersvorsorge. Der Vorschlag: Die Einführung eines aktienbasierten Ansparverfahrens, das die gesetzliche Rentenversicherung ergänzt. Die Studienautoren schlagen hierbei eine flächendeckende Regelung mit einem sogenannten Opt-Out-Verfahren vor. Das bedeutet, dass sich grundsätzlich alle Erwerbstätigen am Ansparverfahren beteiligen, es sei denn, sie widersprechen der Teilnahme aktiv.

Bei der Konzeption dieses Verfahrens sei es zudem wichtig, auf Kapitalgarantien und feste Mindestverzinsungen zu verzichten. Das hat im Wesentlichen zwei Gründe: Solche Beschränkungen verursachen hohe Kosten, etwa durch den Einsatz kostspieliger Derivate zur Absicherung. Außerdem führen sie meist zu einem übervorsichtigen Anlageverhalten, was die Rendite für Sparer erheblich mindern kann.

Von anderen Ländern lernen

Zwar gibt es mit den verschiedenen Formen der betrieblichen und der privaten Altersvorsorge in Deutschland unterschiedliche Produkte, mit denen Erwerbstätige sukzessive Kapital ansparen. Allerdings ist der Anteil der Beiträge, der hierzulande beispielsweise im Rahmen der betrieblichen Vorsorge in Aktien investiert wird, mit durchschnittlich 17 Prozent vergleichsweise gering. Wer hingegen in der Schweiz oder den Niederlanden über den Arbeitgeber vorsorgt, ist immerhin mit rund 30 Prozent in Aktien investiert. Deutlich höher ist der Anteil in Großbritannien und den USA (67 Prozent). Unangefochtener Spitzenreiter ist jedoch der schwedische Staatsfonds „AP7-Såfa“, der aktuell rund 92 Prozent der Beiträge in Aktien investiert.

Aktienanteil des im Ansparverfahren angelegten Vermögens

Land Aktienanteil
Deutschland (betriebliche Vorsorge) 17%
Schweiz (betriebliche Vorsorge) 30%
Niederlande (betriebliche Vorsorge) 31%
Dänemark (betriebliche Vorsorge) 37%
Kanada (Canadian Pension Plan)* 39%
Australien (betriebliche Vorsorge) 45%
Großbritannien (NEST)* 49%
Schweden (betriebliche Vorsorge) 61%
Großbritannien (betriebliche Vorsorge) 67%
USA (betriebliche Vorsorge) 67%
Schweden (AP7-Såfa)* 92%

Quelle: Deutsches Aktieninstitut (Studie „Altersvorsorge mit Aktien zukunftsfest machen“)

*Anmerkung: Der Canadian Pension Plan, der National Employment Savings Trust (NEST) und der AP7-Såfa sind im Gegensatz zu den anderen Ansparverfahren staatlich organisiert.

Neben der Aktienquote betrachtet das DAI auch die erzielten Renditen der Vorsorgeprodukte in den einzelnen Ländern. Zwar lassen sich die Werte nicht direkt miteinander vergleichen, da je nach Land unterschiedliche Betrachtungszeiträume und Abzüge (Gebühren und Steuern) in die Berechnungen einfließen. Erkennbar ist aber, dass die Länder mit einer höheren Aktienquote – bis auf wenige Ausnahmen – höhere Erträge vorweisen können als die mit einer geringen:

Renditen des im Ansparverfahren angelegten Vermögens

Land betrachteter Zeitraum Berücksichtigte Abzüge Erträge (in % p.a.)
Australien 1996-2017 Gebühren und Steuern 5,9
Dänemark 2007-2015 keine 4,74
Großbritannien (betriebliche Vorsorge) 2000-2016 Gebühren und Steuern 5,1
Großbritannien (NEST) 2011-2018 Gebühren und Steuern 8,1
Kanada (Canadian Pension Plan) 2008-2018 Gebühren 10
Niederlande 2000-2017 keine 5,0
Schweden (AP7-Såfa) 2002-2017 Gebühren 9,0 (inflationsbereinigt)
Schweden (betriebliche Vorsorge) 2002-2017 Gebühren 5,7 (inflationsbereinigt)
Schweiz (betriebliche Vorsorge) 2006-2018 Gebühren 2,7
USA 2007-2016 keine 4,89

Für Deutschland gibt es keine belastbaren Zahlen für die Renditen der betrieblichen oder der privaten Altersvorsorge. Lediglich für die gesetzliche Rente liegen Schätzungen der Deutschen Rentenversicherung vor. Demnach lagen die Erträge in den vergangenen Jahren stets bei rund zwei Prozent.

Quelle: Deutsches Aktieninstitut (Studie „Altersvorsorge mit Aktien zukunftsfest machen“)

Selbst die Vorsorge starten

Angesichts der vorherrschenden Skepsis der Deutschen gegenüber den Finanzmärkten erscheint es allerdings – zumindest mittelfristig – unwahrscheinlich, dass sich ein aktienbasiertes Ansparverfahren hierzulande durchsetzt. Für deutsche Sparer, die vom Renditepotential der Kapitalmärkte profitieren wollen, daher nur die Möglichkeit auf eigene Faust zusätzlich vorzusorgen, etwa mit Fondssparplänen. Hierfür eignen sich insbesondere Aktien- und Mischfonds. Vorsichtige können alternativ auch auf Rentenfonds zurückgreifen.

Renditen ausgewählter Fondsarten (Sparplan)

Fondsgruppe 10 Jahre (in % p.a.) 20 Jahre (in % p.a.) 30 Jahre (in % p.a.) 35 Jahre (in % p.a.)
Aktienfonds Deutschland 5,5 5,2 6,0 6,5
Aktienfonds Europa 5,2 3,8 4,1 4,5
Aktienfonds Welt 6,7 5,2 6,4 6,6
Mischfonds Euro 2,6 3,2 4,6 4,8
Rentenfonds Euro Langläufer 4,6 3,6 3,8 4,1
Rentenfonds Welt Langläufer 2,3 2,7 3,1 n.v.

Quelle: BVI Bundesverband Investment und Asset Management e.V. (Stand 30.06.19)

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