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© Tappert Asset Management GmbH

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Seit 2014 leitet Stefan Tappert die Geschäfte der Tappert Asset Management GmbH. Mittlerweile kann der Finanzökonom auf mehr als 30 Jahre Erfahrung an den Kapitalmärkten zurückblicken, mit Stationen bei der Kreissparkasse Köln und der Bayerischen Landesbank. Im Exklusiv-Interview mit moneymeets spricht er unter anderem über die Besonderheiten seines selbst entwickelten Handelsmodells.

Brexit, amerikanisch-chinesischer Handelsstreit, steigende Zinsen in den USA – das Krisenpotential in Politik und Wirtschaft ist derzeit nicht zu unterschätzen. Welche Reaktionen auf diese Unsicherheiten erwarten Sie in den kommenden Monaten an den Kapitalmärkten?

Stefan Tappert: Ein historisch langer Bullenmarkt, eine durch die Notenbanken gesteuerte Zins- und Geldmengenpolitik sowie innen- und außenpolitische Krisenherde sind schon ein gefährlicher Mix für die kommenden Jahre. Für die nächsten zwölf Monate erwarten wir in unserem Basisszenario, dass unter Schwankungen eine Seitwärtsentwicklung eintritt, die in ein stagflatorisches Szenario münden kann. Dies würde steigende Inflation bei stagnierender Wirtschaftsleistung bedeuten.

Seit Kurzem sind Sie mit mehreren Strategien auf dem Marktplatz von moneymeets vertreten. Wie würden Sie potentiellen Anlegern Ihre Anlagephilosophie beschreiben?

Tappert: An der Börse besteht ja die ewige Auseinandersetzung zwischen technischer und fundamentaler Aktienanalyse. Nach über 30 Jahren Börsenerfahrung habe ich mich auf die Seite der technischen Analyse geschlagen. Ich bin da zwar kein Dogmatiker, habe aber nach all den Jahren ein Modell für mich entdeckt, dem ich vertraue, losgelöst von Emotionen und Überzeugungen. Gerade die letzten Jahre haben gezeigt, dass nicht die Substanzwerte die Ertragsträger an den Börsen waren.

Sie treffen Ihre Anlageentscheidungen mit Hilfe eines Portfolio-Handelsmodells, das Sie selbst entwickelt haben. Was zeichnet dieses Modell aus?

Tappert: Das von mir entwickelte System hat mehrere Vorteile: Zum einen ist es über Jahre entwickelt worden und hat somit zahlreiche Backtests bestanden, zum anderen ist es auch seit fast vier Jahren erfolgreich an der Börse im Einsatz. Da es sich um ein regelbasiertes System handelt, ist der menschliche Faktor zumindest eingeschränkt. Zudem ist das System sehr flexibel. Es steuert nicht nur die Aktien- oder ETF-Auswahl, sondern über den Vorlaufindikator auch die Aktienquote. Somit kann man in jeder Börsenphase kaufen und muss sich keine Gedanken um das Timing machen. Andererseits darf man auch nicht zu viel erwarten. Kein System liegt immer richtig, man sollte natürlich schon einen Zeithorizont von drei bis fünf Jahren im Auge haben.

Bei zwei Ihrer Strategien – unter anderem der „TAPPERT Deutschland Invest“ – investieren Sie ausschließlich in Einzeltitel. Wie entscheiden Sie, welche Titel Sie in Ihr Portfolio aufnehmen?

Tappert: Der „Tappert Deutschland Invest“ legt in Titel aus der DAX-Familie an. Die einzelnen Subindices erhalten nach ihrer Attraktivität eine unterschiedliche Gewichtung. Im nächsten Schritt wird regelbasiert gemäß meines Indikators in die besten Aktien investiert. Das Besondere ist, dass zusätzlich über einen Vorlaufindikator die Investitionsquote reguliert wird. So konnten wir die Turbulenzen der letzten Wochen relativ gelassen sehen, da unsere Cash-Quote in den aktienbasierten Portfolios phasenweise bei über 50 Prozent lag. Der Prozess wird monatlich wiederholt, sodass wir hier einen relativ aktiven Ansatz verfolgen.

Sie bieten neben Ihren Einzeltitel-Portfolios auch ETF-basierte Strategien wie die „TAM Global Balance - built with ComStage“ an. Welche Vorteile bietet dieser Ansatz gegenüber Einzeltiteln?

Tappert: Die ETF-basierten Strategien haben den großen Vorteil, dass die Einstiegshürde geringer ist. Hier lassen sich bereits ab einem Startinvestment von 10.000 Euro breit gestreute Portfolios abbilden. Zudem haben ETFs einen Kostenvorteil. Wir verfolgen beim Einsatz der ETF-Strategien zwei verschiedene Ansätze. Die „TAPPERT EuroSectors“-Strategien werden – wie die Aktienstrategien – monatlich gehandelt. Die Systematik des Vorlaufindikators ist identisch, lediglich die Schlussauswahl der Einzeltitel entfällt. Im Wesentlichen soll dem Ansatz der Branchenrotation Rechnung getragen werden. Das heißt, wir erhoffen uns, so auch bei seitwärts tendierenden Börsen eine positive Rendite zu erzielen.

Die „TAM Vermögensstrategien Offensiv/Defensiv“ und die genannte „TAM Global Balance“ verfolgen einen anderen Ansatz. Sie haben eine Startallokation und werden passiv geführt. Jeweils auf Ein-Jahres-Basis wird die ursprüngliche Startallokation wieder neu justiert. Diese Strategien sind global aufgestellt und investieren mittels der ETFs von comstage in unterschiedliche Anlageklassen. Diese Strategien sind auf Kosteneffizienz ausgerichtet und haben die geringste Vermögensverwaltungsgebühr. Allerdings werden diese Strategien bis auf Weiteres nicht nach dem Portfolio-Handelsmodell gemanagt. Somit hat der Anleger hier beim Investmentansatz auch eine Variabilität.

Sie sprechen mit Ihren Portfolios offensichtlich verschiedene Zielgruppen an. Welchen Anlegern würden Sie empfehlen, auf Einzeltitel zu setzen und für wen kommt eher ein ETF-Portfolio infrage?

Tappert: Ja, das ist richtig. Wir haben bewusst versucht, jeden Anleger anzusprechen. Bei der Auswahl der Regionen geht der Fokus von Deutschland über Europa in die Welt. Bei der Frage, ob ETF oder Aktien geht unsere Präferenz eher Richtung Einzeltitel. Dies ist natürlich zunächst eine Frage der Anlagesumme. Nehmen wir die „Tappert Deutschland Invest“. Hier müssen Sie mindestens 50.000 Euro investieren. Sollte dieser Betrag Ihr gesamtes liquides Vermögen darstellen, würde ich eher zwei ETF-Strategien mischen. So haben Sie die Möglichkeit, das Risiko regional zu streuen.

Über unsere Konditionengestaltung versuchen wir ebenfalls jedem gerecht zu werden. Wobei natürlich im Endeffekt die Rendite nach Kosten der Maßstab sein sollte. Da aber die Rendite im Voraus nicht bestimmt werden kann, sind zumindest die Kosten kalkulierbar. Unser Ansatz bei den aktiv geführten Portfolios sollte langfristig den Kostennachteil mehr als überkompensieren. Unsere Studien zeigen dies zumindest.

Ein weiterer wichtiger Punkt, der für ETF-Strategien spricht, ist der Cost-Average-Effekt. Der kommt zur Geltung, wenn der Anleger regelmäßig mit gleichen Beträgen zukauft. Dies fällt natürlich bei ETF-Strategien leichter. Letztendlich geht es darum, im Niedrigzinsumfeld überhaupt in Aktien investiert zu sein. Auch wenn sich dies für manchen Anleger wie der Sprung ins kalte Wasser anfühlt.

Herr Tappert, vielen Dank für das Gespräch!

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