Wissen > > „Eine Jahresendrallye ist eher unwahrscheinlich“
© Giesbrecht und Golombek Vermögensmanagement GmbH

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Heinrich Giesbrecht und Adam Golombek, die beiden Gründer der Giesbrecht und Golombek Vermögensmanagement GmbH, sind schon seit vielen Jahren an den Kapitalmärkten tätig. Ihre Erfahrungen bündeln die beiden Finanz-Experten in der Anlagestrategie „G&G Value Growth“. Im Interview mit moneymeets sprechen sie über die Folgen der aktuellen Unsicherheiten an den Märkten.

Seit Anfang des Jahres haben nahezu alle wichtigen Börsenindizes – mit Ausnahme von Dow Jones und S&P 500 – empfindliche Verluste hinnehmen müssen. Ist die Erfolgswelle, auf der die Finanzmärkte jahrelang geritten sind, jetzt endgültig vorbei oder handelt es sich nur um eine vorübergehende Konsolidierung?

Heinrich Giesbrecht: Seit Februar ist anhand von vorlaufenden Indikatoren (IFO, ZEW, Auftragseingänge in Deutschland) bereits ersichtlich, dass sich die zukünftige Konjunkturentwicklung, entgegen der derzeit empfundenen Lageeinschätzung, bereits abschwächt. Speziell Deutschland als eine der größten Industrielandschaften und eines der exportstärksten Länder weist daher eine frühzyklische Sensitivität auf. Im Gegensatz zu den USA, die eine stärkere konsum- und dienstleistungsorientierte Volkswirtschaft mit spätzyklischem Charakter darstellen. Damit begründet sich unter anderem die zeitversetzte Korrektur der amerikanischen Indizes. Bei einer wirtschaftlichen Abschwächung, von der wir derzeit ausgehen, dürfte die aktuelle Konsolidierung noch mehrere Quartale anhalten.

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Der Handelskrieg zwischen den USA und China beschäftigt die Weltwirtschaft jetzt schon seit längerem. Wie hoch ist die Mitschuld der beiden Länder an der aktuellen Marktsituation?

Adam Golombek: Die aus dem Handelskrieg entstandenen Zölle treffen die weltweiten Produktions- und Wertschöpfungsketten, weil wir uns in einer zunehmend vernetzten und voneinander abhängigen Weltwirtschaft befinden. Somit trägt der Handelskonflikt zwischen den USA und China maßgeblich zu den derzeitigen Turbulenzen bei.

Währungspolitische Maßnahmen spielen ebenfalls eine nicht zu unterschätzende Rolle für die Kursentwicklung an den Börsen. Die US-Notenbank FED hat in diesem Jahr schon dreimal den Leitzins angehoben – zuletzt legte sie ihn im September auf 2 bis 2,25 Prozent fest. Inwieweit hat sich das Handeln der US-Währungshüter bisher auf die Märkte ausgewirkt?

Giesbrecht: Die Zinserhöhungen und die Anleiheverkäufe der US-Notenbank führen in der Summe zu einer restriktiven Geldpolitik, die sich negativ auf die Anleihe- und Aktienmärkte auswirkt. Bei über drei Prozent Zinsen für zehnjährige US-Staatsanleihen und zwei Prozent Dividendenrendite (S&P 500) kann das bei Wachstumsunsicherheiten auch für weitere Umschichtungen sorgen.

Zu guter Letzt verunsichert auch das ständige Hin und Her um den Austritt Großbritanniens aus der EU die Finanzmärkte. Kann sich Theresa May mit der EU-Kommission noch auf eine Lösung einigen oder droht ein harter Brexit?

Golombek: Beide Verhandlungspartner sind zwar an einer Lösung interessiert, doch das Ergebnis ist hochgradig unsicher.

Welche wirtschaftlichen Folgen erwarten Sie im Falle eines ungeregelten EU-Austritts Großbritanniens?

Golombek: Ein ungeregelter EU-Austritt würde zunächst zu einer temporären Verunsicherung an den Märkten führen.

Sehen Sie angesichts all dieser Unsicherheiten noch Spielraum für eine Jahresendrallye an den Börsen?

Giesbrecht: Eine Jahresendrallye ist eher unwahrscheinlich, weil die negativen wirtschaftlichen Auswirkungen der aktuellen Unsicherheiten sich erst in den Anfängen befinden. Als Value-Investoren sehen wir bei den aktuellen Bewertungen noch weiteres Abschlagspotenzial.

Wie sichern Sie Ihr eigenes Portfolio in der derzeitigen Marktsituation ab?

Golombek: In unserer Vermögensverwaltungs-Strategie „G&G Value Growth“ sind wir derzeit nur in konjunkturunabhängigen Unternehmen investiert. Zudem ist unser Portfolio komplett abgesichert, zuzüglich eines Absicherungsüberhanges bzw. Netto-Shorts von 30 Prozent mittels Short-ETFs.

Herr Giesbrecht, Herr Golombek, vielen Dank für das Gespräch!

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