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Das Ende in Sicht

Knapp 40 Prozent aller Ehen in Deutschland werden geschieden. Mit der Scheidung endet nicht nur ein gemeinsamer Lebensabschnitt, sondern auch die gemeinsame Finanzplanung für das Alter. Das Familiengericht bewertet die Folgen der Scheidung und befindet über die Aufteilung der Finanzen und Rentenansprüche.

Möchten Ehepartner nicht mehr das Leben miteinander teilen, so müssen sie dies dennoch mit ihren Finanzen und Rentenansprüchen tun. Nach einem Trennungsjahr und beiderseitiger Zustimmung zur Scheidung bzw. nach drei Jahren Trennung und nur einseitiger Zustimmung stimmt das Familiengericht der Scheidung einer Ehe zu und befindet über die Aufteilung des Vermögens und der Rentenansprüche.

Versorgungsausgleich nach Scheidung

Das Familiengericht trifft seine Entscheidungen nach gesetzlich vorgeschriebenen Prinzipien, das wichtigste ist der Versorgungsausgleich. Demnach müssen die gesetzlichen, betrieblichen und privaten Renten fair geteilt werden. Dazu zählen auch Pensionen, Riester- und Rürup-Renten sowie andere Altersvorsorge- und Basisrentenverträge.

Haben die Ehepartner unterschiedlich hohe Ansprüche oder speisen sich diese aus unterschiedlichen Versorgungswerken, so ergibt sich ein kompliziertes Hin und Her. Der Versorgungsausgleich dient vor allem dazu, den Partner zu unterstützen, der während der Ehe für die Erziehung von Kindern zurückgesteckt hat. Für Erziehungszeiten vor der Hochzeit gibt es allerdings keinen Ausgleich bei der Rente.

Teilung ohne Versorgungsausgleich

In einigen Fällen führen Familienrichter keinen Versorgungsausgleich durch, beispielsweise bei kurzen Ehen, die nur drei bis fünf Jahre währten. Auch bei geringen oder sehr ähnlichen Rentenansprüchen beim gleichen Versorgungswerk sowie Härtefällen findet kein Versorgungsausgleich statt. Härtefälle liegen vor, wenn ein Ehepartner seinen Pflichten zum Familienunterhalt nicht nachgekommen ist, den anderen Partner verletzt oder bedroht hat. Auch Ersatzvereinbarungen wie der Ehevertrag helfen, den Versorgungsausgleich zu umschiffen.

Zugewinnausgleich - auf Antrag verhandelbar

Der zweite Mechanismus, nach dem Familienrichter über die Verteilung von Finanzen und Renten entscheiden, ist der Zugewinnausgleich. Dieser regelt die Verteilung des Vermögenszuwachses seit der Hochzeit des sich scheidenden Paares. Im Gegensatz zum Versorgungsausgleich, der nur in den beschriebenen Einzelfällen umgangen wird, muss der Zugewinnausgleich beim Gericht beantragt werden, um Teil der Scheidungsverhandlung zu werden.

Ehevertrag als Eheretter?

Ersatzvereinbarungen wie Ehevertrag oder auch Scheidungsfolgenvereinbarung sollten lange bevor überhaupt an Scheidung gedacht wird notariell beurkundet worden sein. Eine solche Vereinbarung kann aber auch während des laufenden Verfahrens vom Familiengericht protokolliert und akzeptiert werden.

Trotz notarieller Beurkundung und dem Einverständnis beider Partner können Familienrichter Eheverträge für nichtig erklären. Sie müssen in jedem Fall eine Art Ersatzfunktion für den Versorgungsausgleich übernehmen, und dürfen nicht dazu führen, dass ein Partner stark benachteiligt wird oder im Alter auf staatliche Hilfe angewiesen ist. Das Gericht überprüft die Vereinbarungen in jedem Einzelfall und bewertet sowohl die jeweilige finanzielle als auch die soziale Situation der Ehepartner.

In Konstellationen, bei der sich die Frau um die Kinder und den Haushalt gekümmert und daher auf Arbeit verzichtet hat, wird das Gericht dem Ausschluss des Versorgungsausgleiches nur dann zustimmen, wenn die Frau auf andere Weise finanziell abgesichert ist. Gemeinsam beschlossen und in eine umfassende Finanzplanung eingebettet, kann sich der häufig verpönte Ehevertrag sogar als wahrer Eheretter zeigen: Finanzielle Unsicherheit im Alter und während der Ehe kann so minimiert werden, ist sie doch häufig ein wichtiger Faktor in Scheidungsfällen.

Rechtsschutz hilft oft nur bedingt

In einigen Fällen kann eine Rechtsschutzversicherung sinnvoll sein, wenn es darum geht seine Interessen im Scheidungsfall auch vor Gericht vertreten zu können. Derzeit bieten aber nur wenige Versicherer den sogenannten Ehe-Rechtsschutz an. Zudem gibt es solche Vereinbarungen nur als Zusatz zum Privatrechtsschutz. Hier ist jedoch Vorsicht geboten: Wartezeiten von bis zu drei Jahren sind keine Seltenheit. Geht die Ehe vor Ablauf dieser Frist in die Brüche, so müssen Anwalts-und Gerichtskosten aus der eigenen Tasche beglichen werden.

Grundsätzlich gilt bei Rechtsschutz-Policen aber ein Risikoausschluss für Scheidungen. Lediglich die Kosten für die Erstberatung bei einem Anwalt werden von den meisten Versicherungen übernommen.

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