Wissen > > Deutsche verdrängen Pflege-Risiko
© Ocskay Bence/Adobe Stock

© Ocskay Bence/Adobe Stock

Die Anzahl der pflegebedürftigen Menschen in Deutschland steigt Jahr für Jahr. Trotzdem beschäftigen sich die Deutschen nach wie vor kaum mit dem Thema Pflege. Stattdessen ignorieren viele von ihnen die Gefahren des Älterwerdens einfach – und das obwohl sich durch rechtzeitige Vorsorge viele Probleme vermeiden ließen.

Schon heute gelten mehr als 3,3 Millionen Deutsche als pflegebedürftig. Das Bundesministerium für Gesundheit geht von einem Anstieg auf mehr als vier Millionen bis 2030 aus. Bis 2050 soll sich die Anzahl der Menschen, die auf Pflege angewiesen sind, hierzulande sogar auf mehr als 5,3 Millionen erhöhen.

Trotz dieser alarmierenden Prognosen hat sich mehr als die Hälfte der Deutschen bisher noch überhaupt nicht mit dem Thema Pflege beschäftigt. Das zeigt eine aktuelle Studie des Krankenversicherers pronova BKK. Befragt wurden 1.000 Menschen ab 18 Jahren.

Nur Wenige beschäftigen sich aktiv mit Pflege

Ein Großteil der Deutschen scheint die Probleme, die eine mögliche Pflegebedürftigkeit mit sich bringt, schlicht und ergreifend auszublenden. Nur vier von zehn Studienteilnehmern geben demnach an, sich bisher überhaupt mit dieser Thematik auseinandergesetzt zu haben. Auch mit steigendem Alter ändert sich daran nicht viel: Selbst unter den 55- bis 65-Jährigen ist bisher nur etwas mehr als die Hälfte (51 Prozent) der Befragten in puncto Pflege aktiv geworden.

Für Lutz Kaiser, Vorstand der pronova BKK, besteht angesichts dieser Zahlen klarer Handlungsbedarf: „Staat und Krankenkassen sind gleichermaßen gefordert, noch stärkere Aufklärung bei der Pflege zu leisten und den Menschen die Angst davor zu nehmen.“ Wer wisse, was ihn erwartet, könne, so Kaiser, deutlich besser mit den Unwägbarkeiten des Älterwerdens umgehen.

Einigkeit bei Anforderungen an Pflegekräfte

Bei der Frage, welche Eigenschaften bei Pflegekräften besonders wichtig sind, sind die Deutschen weitestgehend einer Meinung: Sie sollen geschult im Umgang mit Menschen sein (95 Prozent) und über eine gute Ausbildung verfügen (93 Prozent). Weitere entscheidende Kriterien bei der Auswahl einer Pflegekraft sind gute Deutschkenntnisse (88 Prozent) sowie ausreichende Berufserfahrung (85 Prozent).

Darüber, wie die Erfüllung dieser Anforderungen finanziert werden soll, scheinen sich allerdings nur die Wenigsten Gedanken zu machen: Lediglich ein Drittel der Befragten gibt an, dazu bereit zu sein, höhere Beiträge zur Pflegeversicherung zu zahlen.

Deutsche mit Pflege überfordert

Ein Pflegefall stellt die Betroffenen und deren Angehörige in vielerlei Hinsicht vor große Herausforderungen. Auf die Frage, inwieweit sie sich in der Lage sehen, diese zu meistern, zeigen sich die Deutschen eher pessimistisch. 64 Prozent der Befragten glauben, dass sie die finanzielle Belastung, die mit einer Pflegebedürftigkeit einhergeht, nicht stemmen könnten. Rund die Hälfte der Befragten sähe sich zudem mit organisatorischen Aufgaben wie der Beantragung einer Pflegestufe oder der Auswahl eines Pflegeheimes überfordert.

pflegebedürftige Rentnerin mit ihrer Pflegekraft

Optimal versorgt im Pflegefall

Damit Sie die Unterstützung bekommen, die Sie brauchen. Wunschdaten eingeben - Versicherung auswählen - Vertrag digital abschließen.

Gesetzliche Pflegeversicherung alleine reicht nicht

Die gesetzliche Pflegeversicherung leistet – genau wie die private Pflegepflichtversicherung – zwar im Falle der Pflegebedürftigkeit, allerdings übernimmt sie die anfallenden Kosten nicht in voller Höhe, sondern zahlt lediglich einen Zuschuss. Wie hoch dieser ist, hängt vom Pflegegrad der betroffenen Person ab. Wie hoch dieser ausfällt, hängt vom Pflegegrad der betroffenen Person ab. Eine detaillierte Auflistung der Leistungen finden Interessierte auf der Webseite des Bundesministeriums für Gesundheit.

Die Differenz zwischen den Zahlungen der Pflegeversicherung und den tatsächlichen Pflegekosten wird als „Pflegelücke“ bezeichnet. In den allermeisten Fällen lässt sie sich nicht alleine durch Ersparnisse oder laufende Rentenzahlungen schließen. Daher kommt es häufig vor, dass auch Angehörige vom Staat zur Kasse gebeten werden.

Wer die Pflegelücke schließen möchte, um seine Familie vor finanziellen Belastungen zu schützen, sollte über den Abschluss einer privaten Pflegezusatzversicherung nachdenken. Diese ist in drei verschiedenen Varianten erhältlich:

  • Pflegekostenversicherung
  • Pflegetagegeldversicherung
  • Pflegerentenversicherung

Welche Variante die geeignete ist, hängt vom individuellen Bedarf des Versicherten ab.

moneymeets Tipp: Seit 2013 gibt es eine staatlich geförderte Pflegezusatzversicherung, auch bekannt als „Pflege-Bahr“. Jeder Bürger, der mindestens 15 Euro monatlich in eine solche Versicherung einzahlt, erhält vom Staat einen Zuschuss in Höhe von fünf Euro zu seinem Beitrag.

Erstellt am:

War dieser Artikel hilfreich für Sie?

Testen Sie unseren kostenlosen Newsletter – und verpassen Sie keine Tipps rund um Ihre Finanzen & Versicherungen.