Aufgrund ihrer verschlechterten Ertragssituation haben deutsche Privatbanken in den letzten Jahren vermehrt Filialen geschlossen. Eine UBS-Studie zeigt jetzt, dass dieses Vorgehen nur wenig Entlastung bringt. Da viele Institute ihr Einsparpotential zudem schon ausgereizt haben, bedarf es einer anderen Herangehensweise zur Verbesserung der Profitabilität.

Die Banken hierzulande leiden schon lange unter den anhaltenden Zinstief. Gleichzeitig verursachen die Filialen der Geldhäuser unverändert hohe Kosten. Auf den ersten Blick erscheint es da naheliegend – wie schon in den vergangenen Jahren geschehen – Niederlassungen zu schließen, um Geld zu sparen. Ob diese Herangehensweise zielführend ist, haben Analysten der Schweizer Großbank UBS in einer aktuellen Studie untersucht. Betrachtet wurde dabei das komplette Filialnetz der privaten Banken in Deutschland.

Kaum nennenswertes Einsparpotential

Insgesamt beziffern die Experten der UBS die Gesamtkosten des Filialbetriebes der Privatbanken auf rund 90 Milliarden Euro. Um herauszufinden, wie sich Schließungen von Niederlassungen konkret auf die Profitabilität der Institute auswirken würde, haben sie insgesamt drei Szenarien durchgerechnet:

Mögliche Szenarien bei der Filialschließung deutscher Banken

Szenario Anteil der geschlossenen Filialen (in %) Kostensenkungspotential (in %) Mögliche Einsparungen (in Mrd. Euro)
„Konservatives“ Szenario 5 2 1,8
„Mittleres“ Szenario 10 4 3,6
„Agressives“ Szenario 15 6 5,4

Quelle: UBS Research

Demnach läge selbst in der aggressiven Variante das kumulierte Einsparpotential aller Banken bei maximal 5,4 Milliarden Euro pro Jahr. Den Studienautoren zufolge deckt dieser Betrag nicht einmal die Ertragseinbußen, die die Institute infolge der Nullzinsen in den letzten Jahren verkraften mussten. Zudem wären Filialschließungen in einem derartigen Ausmaß höchstwahrscheinlich nur über einen Zeitraum von mehreren Jahren umsetzbar. Ein weiteres Problem: Viele Institute haben in den vergangenen Jahren bereits Niederlassungen geschlossen und verfügen daher ohnehin nur über ein geringes Optimierungspotential.

Deutsche Bank mit bestem Filialnetz

Welche Bank kommt dem „perfekten“ Filialnetz am nächsten? Um diese Frage zu beantworten, haben die UBS-Analysten das komplette Filialnetz aller Institute einer Standortanalyse unterzogen. Folgende Fragestellungen wurden dabei berücksichtigt:

  1. Inwieweit „kannibalisieren“ sich die Filialen einer Bank gegenseitig, weil sie räumlich nah beieinander liegen?
  2. Wie hoch ist die Wettbewerbsintensität unter den Filialen der verschiedenen Banken?
  3. Wie groß ist die „Reichweite“ der Bankfilialen in unterschiedlichen Szenarien (fußläufig, fünf Minuten Anfahrt, zehn Minuten Anfahrt und 15 Minuten Anfahrt)?
  4. Wie gut ist die „demographische Qualität“ im Umfeld der Filialen hinsichtlich der Kaufkraft der Anwohner, der Qualität der umliegenden Geschäfte und der wirtschaftlichen Aktivität?

Das am besten optimierte Filialnetz weist den Studienautoren zufolge die Deutsche Bank auf. Besonders hinsichtlich der Reichweite der Filialen und der Attraktivität des Umfeldes ist das größte Geldhaus hierzulande sehr gut aufgestellt. Deutlich schlechter sieht es hingegen bei der Commerzbank aus. Die zweitgrößte Privatbank Deutschlands hat – obwohl sie seit 2011 bereits über 470 Filialen geschlossen hat – noch immer mit Kannibalisierungstendenzen ihrer 1.000 noch bestehenden Filialen zu kämpfen. Zudem ist sie bei der „Reichweite“ ihrer Filialen das Schlusslicht des Rankings. Ähnlich schlecht schneidet auch die Hypovereinsbank ab. Die Gründe: Zum einen beschränkt sich das Filialnetz der Unicredit-Tochter im Wesentlichen auf Bayern und Hamburg (inkl. Umland). Zum anderen ist das demografische Umfeld vieler Niederlassungen vergleichsweise unattraktiv.

Bewertung der Filialnetze deutscher Banken

Name der Bank     Platzierung    
  geringe Kannibalisierungsgefahr geringe Wettbewerbsintensität Reichweite Demografische Qualität Gesamt
Deutsche Bank 3 4 2 2 1
Targobank 1 5 3 3 2
Santander 6 6 1 1 3
Postbank 4 1 4 6 4
Commerzbank 5 2 5 4 5
Hypovereinsbank 2 3 6 5 5

Quelle: UBS Research

Anmerkung: UBS Research hat lediglich die Ergebnisse der o.g. Banken veröffentlicht. Zahlen zu anderen Instituten liegen uns daher nicht vor.

Neue Ertragsquellen erschließen – ohne Gebührenerhöhung

Zugegeben: Bis zu einem gewissen Grad kann es für Banken durchaus sinnvoll sein, Niederlassungen zu schließen, um Kosten zu senken. Wer sein Filialnetz allerdings schon ausgedünnt hat, besitzt hier nur noch geringen Spielraum. Viele Institute haben daher in den vergangenen Jahren versucht, ihre Ertragssituation mit höheren Gebühren – etwa für die Kontoführung – zu stabilisieren.

Sowohl flächendeckende Filialschließungen als auch Gebührenerhöhungen haben allerdings einen gravierenden Nachteil: Sie verleiten Kunden dazu, zur günstigeren Direktbank oder Fintech-Konkurrenz zu wechseln. Und Kunden, die einmal verloren wurden, lassen sich in der Regel nur schwer wieder zurückgewinnen.

Es bedarf also einer anderen Herangehensweise, um die Herausforderungen des aktuellen Marktumfeldes zu meistern. Sinnvoll wäre es, die Möglichkeiten der Digitalisierung zu nutzen, um Beratern bessere Werkzeuge zur Kundenbetreuung an die Hand zu geben. Beispielsweise lassen sich mit Hilfe digitaler Kontenanalyse-Tools laufende Verträge identifizieren, etwa Versicherungen. So erkennt der Berater schnell, ob Deckungslücken bestehen und kann dem Kunden dann passende Angebote unterbreiten.

Doch auch wenn ein Kunde bereits umfangreich abgesichert ist, gibt es verschiedene Möglichkeiten aktiv zu werden: Entweder der Berater analysiert mit Hilfe eines entsprechenden Beratungs-Tool bestehende Verträge des Kunden und kann, sofern Optimierungspotential besteht, einen besseren Tarif anbieten. Auch bei der Geldanlage können solche digitalen Helfer zum Einsatz kommen. Sie helfen dem Berater etwa dabei, Erfahrungen, Risikobereitschaft und finanzielle Verhältnisse des Kunden richtig zu erfassen und können darauf basierend passende Anlageprodukte vorschlagen.

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