Sich online um die eigenen Finanzen zu kümmern, ist für die meisten Menschen hierzulande längst Alltag. Kaum mehr als jeder achte Deutsche besucht noch regelmäßig eine Filiale seiner Hausbank. Auch beim Thema Versicherungen gewinnt das Internet an Bedeutung.

Überweisungsformulare am Serviceschalter abgeben oder Aktienkäufe über den Bankberater tätigen – was vor einigen Jahren noch üblich war, erscheint Vielen inzwischen wie ein Relikt vergangener Zeiten. Sieben von zehn Deutschen ziehen es vor, ihre Finanzen via Online-Banking zu managen, anstatt dafür den Weg in eine Niederlassung ihrer Hausbank anzutreten.

Das zeigt eine kürzlich veröffentlichte Studie des Bundesverbandes Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V. (Bitkom). Befragt wurden insgesamt 1.005 Bundesbürger ab 16 Jahren.

Ältere zögern noch

Die Nutzung von Online-Banking-Anwendungen hat in den vergangenen Jahren stark zugenommen: Noch vor fünf Jahren wickelte „nur“ jeder zweite Befragte (53 Prozent) seine Bankgeschäfte über das Internet ab, mittlerweile sind es 70 Prozent.

Je nach Altersgruppe zeigen sich jedoch deutliche Unterschiede. Während etwa 93 Prozent der 30- bis 49-Jährigen Online-Banking nutzen, ist es bei den über 65-Jährigen nur jeder Fünfte.

Nutzen Sie Online-Banking?

Altersgruppe Anteil
16 bis 29 Jahre 85%
30 bis 49 Jahre 93%
49 bis 65 Jahre 83%
65 Jahre und älter 21%
Durchschnitt aller Altergruppen 70%

Basis: Alle Studienteilnehmer (n=1.005)

Quelle: Bitkom (Digital Finance – wie die Digitalisierung die Finanzbranche verändert)

Jeder Dritte besucht keine Filiale mehr

Die klassische Bankfiliale hat indes einen schweren Stand. Jeder dritte Online-Banking-Nutzer (31 Prozent) gibt der Studie zufolge an, finanzielle Angelegenheiten ausschließlich online zu regeln. 54 Prozent nutzen zwar überwiegend Online-Banking, besuchen aber zumindest hin und wieder eine Bankfiliale. Den regelmäßigen persönlichen Kontakt zu einem Bankberater sucht lediglich jeder Achte (13 Prozent).

Bindung zu Hausbank sinkt

Der Wettbewerb im Bankensektor dürfte sich in den kommenden Jahren noch einmal deutlich verschärfen, nicht zuletzt weil die Treue zur Hausbank abnimmt. 41 Prozent der Studienteilnehmer haben demnach schon einmal ihr hauptsächlich genutztes Girokonto gewechselt – die meisten sogar mehrfach.

Wie oft haben Sie ihr Haupt-Girokonto bereits gewechselt? Anteil
Ein Wechsel 16%
Zwei Wechsel 21%
Drei Wechsel 30%
Vier Wechsel 16%
Fünf oder mehr Wechsel 11%

Basis: Girokontowechsler (n=409)

Quelle: Bitkom (Digital Finance – wie die Digitalisierung die Finanzbranche verändert)

Auch digitale Anbieter werden dabei für Kunden immer interessanter: Rund jeder Zweite (46 Prozent) kann sich entweder vorstellen, zu einer reinen Online-Bank zu wechseln oder hat dies bereits getan.

Kunden erwarten weiteres Filialsterben

Eine der wesentlichen Folgen der fortschreitenden Fokussierung auf digitale Dienste ist, dass immer mehr Filialen von Banken und Sparkassen schließen müssen. Denn angesichts der stetig sinkenden Zahl von Filialkunden rechnet sich deren Betrieb schlichtweg nicht mehr. Laut der Europäischen Zentralbank (EZB) gab es Ende 2018 deutschlandweit 27.900 Bankfilialen, 2.100 weniger als ein Jahr zuvor. Zum Vergleich: 2008 waren es noch rund 40.000. Innerhalb der letzten zehn Jahre ist die Zahl der Filialen demnach um gut 30 Prozent gesunken.

Die große Mehrheit der Studienteilnehmer (86 Prozent) geht davon aus, dass diese Entwicklung sich in der nächsten Jahren unvermindert fortsetzen wird. Jeder Zweite ist sogar der Meinung, dass es in 20 Jahren überhaupt keine klassischen Filialbanken mehr geben wird.

Kunden für Online-Versicherungsabschluss offen

Nicht nur bei der Abwicklung des Zahlungsverkehrs ist das Internet zu einer ernsthaften Konkurrenz für die Berater in den Bankfilialen geworden. Auch beim Thema Versicherungen ist eine ähnliche Tendenz erkennbar. Zwei Drittel der Befragten (67 Prozent) geben an, dass sie schon mindestens einmal online eine Versicherung abgeschlossen haben oder dies zumindest in Betracht ziehen. Lediglich 10 Prozent lehnen einen Online-Abschluss kategorisch ab.

Die Gründe dafür, Versicherungen über das Internet abzuschließen, sind vielfältig: 39 Prozent denken, dass ihr Berater ihnen unnötige oder zu teure Produkte verkauft und wählen deshalb den digitalen Vertriebsweg. Ebenfalls eine wichtige Rolle spielen die zusätzlichen Informationsmöglichkeiten, die das Internet bietet (30 Prozent) und die Verfügbarkeit günstiger Angebote (27 Prozent).

Was spricht für eine Online-Versicherung?

Aussage Zustimmung
Berater verkaufen Dinge, die ich nicht brauche oder die zu teuer sind. 39%
Online fühle ich mich besser informiert. 30%
Online-Angebote sind billiger. 27%
Online kann ich besser vergleichen. 24%
Ich habe nur außerhalb üblicher Öffnungszeiten Zeit. 20%
Online fühle ich mich weniger unter Druck gesetzt. 20%

Basis: Befragte, die sich vorstellen können, online eine Versicherung abzuschließen oder dies bereits getan haben (n=671, Mehrfachnennungen möglich)

Quelle: Bitkom (Digital Finance – wie die Digitalisierung die Finanzbranche verändert)