Wissen > > „Gesundheit ist viel mehr als nur die Pharma-Branche“
Hendrik Lofruthe (links) und Kai Brüning (rechts) verwalten für die Apo Asset Management Gelder von tausenden institutionellen und privaten Anlegern. (© Apo Asset Management GmbH)

Hendrik Lofruthe (links) und Kai Brüning (rechts) verwalten für die Apo Asset Management Gelder von tausenden institutionellen und privaten Anlegern. (© Apo Asset Management GmbH)

Kai Brüning und Hendrik Lofruthe sind als Portfoliomanager bei der Apo Asset Management GmbH – der Fondstochter der Deutschen Apotheker- und Ärztebank – tätig. Gemeinsam verwalten die beiden Finanz-Experten mehrere Fonds mit dem Anlageschwerpunkt Gesundheit. Im Interview mit moneymeets sprechen sie über die Chancen, die der Gesundheitsmarkt bietet, und wie sie diese für ihre Anlagestrategie nutzen.

Herr Brüning und Herr Lofruthe, Sie sind unter anderem verantwortlich für den Aktienfonds „apo Medical Opportunities“. Seit Jahresbeginn konnten Sie bereits ein Plus von über zehn Prozent erzielen. Wie schätzen Sie das Potential für die nächsten Monate ein?

Kai Brüning: Wir haben bis dato in der Tat wieder ein erfolgreiches Jahr für den Gesundheitssektor gesehen. Man kann natürlich nicht davon ausgehen, dass diese Entwicklung linear immer fortgeschrieben werden kann. Doch aus Bewertungssicht gibt es weiterhin gute Argumente für den Gesundheitssektor: Für die kommenden zwölf Monate sehen wir Potenzial für ein Kursplus von fünf bis zehn Prozent. Dazu kommt, dass ein Portfolio immer lebt, und teure, gut gelaufene Werte durch attraktivere ersetzt werden.

Allgemein gesagt, investiert der Fonds in den „Gesundheitsmarkt“. Aus welchen Teilbereichen setzt sich dieser Markt überhaupt zusammen?

Hendrik Lofruthe: Gesundheit ist viel mehr als nur die Pharma-Branche. Der Markt ist weltweit sehr vielfältig. Biotechnologie-Unternehmen zum Beispiel surfen auf einer historisch beispiellosen Innovationswelle, etwa bei der personalisierten Medizin oder neuen Krebstherapien. Stark sind auch bestimmte Medizintechnik-Firmen, zum Beispiel mit hoch spezialisierten Laborausstattungen oder vernetzten Hörgeräten, und viele Gesundheits-Dienstleister, wie zum Beispiel in der Telemedizin. Im apo Medical Opportunities streuen wir das Portfolio entsprechend breit und investieren nur etwa 25 Prozent in ausgewählte Pharma-Perlen.

Was unterscheidet den Gesundheitsmarkt aus Anlegersicht von anderen Branchen? Welche Vorteile ergeben sich daraus für Anleger?

Brüning: Gesundheit steht auf der Wunschliste der meisten Menschen ganz oben, egal in welcher Wirtschaftslage. Das macht die Branche relativ krisenresistent. Eine Reihe von weltweiten Veränderungen fördert zudem ein starkes Wachstum: Der demographische Wandel sorgt für mehr Nachfrage durch Ältere, die Globalisierung für mehr Nachfrage durch die neue Mittelschicht in aufstrebenden Ländern und der digitale Wandel für vollkommen neue Produkte und Services in der Medizin. Für Anleger bietet das langfristig eine sehr interessante Mischung aus Stabilität und Dynamik.

Zukunftsforscher sprechen häufiger vom „Megatrend Gesundheit“. Was ist darunter zu verstehen und wie wird sich diese Entwicklung auf Ihr Portfolio auswirken?

Lofruthe: Ein Megatrend heißt so, weil er weltweit alle Gesellschafts- und Wirtschaftsbereiche prägt – und das über mehrere Jahrzehnte. Der Megatrend Gesundheit basiert also nicht nur auf tollen neuen Medikamenten, auch wenn diese sehr wichtig sind. Er geht wesentlich weiter und bindet mehrere Megatrends mit ein, wie den demographischen Wandel, die Globalisierung, die Digitalisierung und vieles mehr. Der Megatrend Gesundheit kann den ganzen Lebensstil umfassen, bis hin zur Selbstoptimierung mit „Self-Tracking“. Für das Portfolio bedeutet das: Wir blicken bei der Aktienauswahl weit über den Tellerrand der traditionellen Gesundheitsindustrie von heute hinaus.

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Von welchen der Unternehmen, in die Sie investiert haben, versprechen Sie sich bezüglich der langfristigen Entwicklung am meisten? Was macht diese Unternehmen aus?

Brüning: Wir setzen auf eine gesunde Mischung aus Branchen-Riesen und visionären Ideenschmieden. Erstere bieten oft mehr Stabilität und teilweise auch Dividenden, letztere sind besonders innovativ, schnell und haben Übernahmepotenzial. Am meisten versprechen wir uns von den kleineren Unternehmen, die kurz vor der Markteinführung eines Produktes stehen und deren Potenzial erst nach und nach vom Markt erkannt wird. Als Fondstochter der Deutschen Apotheker- und Ärztebank eG sind wir quasi Eigentum der Ärzte und Apotheker in Deutschland. Das spiegelt sich auch in unserem hochkarätig besetzten wissenschaftlichen Beirat für Gesundheits-Investments wider. Wir denken, dass wir durch diesen einzigartigen, direkten Zugang zur Medizinbranche einen gewissen Wettbewerbsvorteil haben, wenn es darum geht, das Umsatzpotenzial von Produkten einzuschätzen.

Anhand welcher Faktoren entscheiden Sie, welche Titel Sie in Ihr Portfolio aufnehmen?

Brüning: Wir versuchen frühzeitig, Unternehmen zu identifizieren, die mit besonders innovativen Therapie-Ansätzen und Technologien neue Standards bei der Behandlung setzen können. Innovationen haben die beste Chance, sich dem Kostendruck in den Gesundheitssystemen zu entziehen. In Schwellenländern wie Indien oder China liegt unser Fokus dagegen vor allem auf Unternehmen, die dort die Gesundheitsinfrastruktur verbessern, also zum Beispiel auf Krankenhausketten, Logistik- und Technologie-Unternehmen. Dabei sind attraktive betriebswirtschaftliche Kennzahlen eine Grundvoraussetzung für ein Investment. Ferner gehören wir zu den klassischen Investoren, die den Managementkontakt pflegen, um mittels direkter Gespräche die Chancen und Risiken des Investments besser einschätzen zu können – in guten wie in schwierigen Phasen.

Den Erfolg Ihrer Fonds mit Benchmarks wie dem MSCI World zu vergleichen, ist aufgrund der Spezialisierung auf den Gesundheits-Bereich nicht unbedingt sinnvoll. Welche Benchmarks oder Kennzahlen empfehlen Sie Anlegern zur Orientierung?

Lofruthe: Eine grobe Orientierung bei Gesundheits-Aktienfonds bietet der Börsenindex MSCI World Healthcare. Bei sehr spezialisierten Themen-Fonds wie unserem neuen Aktienfonds „apo Digital Health“ ist der Vergleich schwieriger, denn er ist der erste seiner Art. Man sollte nicht Äpfel mit Birnen vergleichen. In diesem Fall kann man zumindest auf typische Kennzahlen achten, etwa Rendite oder Volatilität. Wirklich beurteilen lässt sich ein Fonds grundsätzlich nur langfristig und in unterschiedlichen Marktphasen.

Herr Brüning, Herr Lofruthe, vielen Dank für das Gespräch!

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